Vor den Vorhang: Alexandra Pürcher ist ARF – Unternehmerin der Woche

Das Ausseer Regionalfernsehen setzt die Serie mit dem Titel „UnternehmerIn der Woche“ fort. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Werthaltungen.

Diesmal stellen wir Alexandra Pürcher vor, die in Bad Mitterndorf die  Unternehmen Grimminggwand und Hoamtgfüführt.

Kannst du deinen bisherigen Lebensweg kurz darstellen?
Volks- und Hauptschule in Bad Mitterndorf, kurz in die HLW Bad Aussee, Wechsel in die Modeschule in Ebensee. Diese Schule entsprach dann voll meinem Interesse: dort wurde viel genäht – Kochen in der Vorgängerschule hatte für mich damals immer einen negativen Beigeschmack. Die Modeschule in Ebensee habe ich mit der Gesellenprüfung abgeschlossen. 2006 folgte die Meister- und Unternehmerprüfung. In der umgebauten Garage startete ich anschließend mit einem kleinen Geschäft. 2010 erfolgte die Gründung von „Grimming Gwand“, 2021 folgte das „Hoamatgfüh“.

Wie groß ist dein Betrieb?
Wir sind zurzeit 10 Personen. 3 Mitarbeiterinnen arbeiten im „Grimming Gwand“, 6 im „Hoamatgfüh“, hinzu kommt eine Reinigungskraft.

Was ist deine Motivation, Unternehmer zu werden, gewesen?
In meiner kleinen Schneiderei in der ehemaligen Garage musste ich alles selber machen. Da kam der Gedanke / Wunsch, dass es schön wäre, etwas „Eigenes, Neues“ zu haben. Dann wurde der Entschluss gefasst, das ehemalige ADEG-Geschäft zu kaufen. Natürlich der eigene Chef zu sein, die freie Zeiteinteilung, das war natürlich auch eine große Motivation.

Welche Eigenschaften muss deiner Meinung nach eine Unternehmerin haben?
Selbst immer der/die Beste zu sein. Am Morgen die Erste im Betrieb, am Abend die Letzte, die den betrieb verlässt. Dies gelingt mir leider fast immer.
Die Umbaubauten sind in finanzieller Sicht sehr intensiv gewesen – man muss schon etwas Geduld mitbringen – es braucht einfach seine Zeit. Die Rückmeldungen von KundenInnen bereiten schon Freude. Wenn dich z.B. ein Kunde vor dem Menükarten-Schaufenster anspricht: „Super, dass es hier immer was gibt. Da kann ich im Winter nach dem Schifahren hier zu einkehren, bevor ich nach Graz fahre.“, dann freut einen das. So etwas kommt nicht von heute auf morgen.
Kreativität spielt ebenfalls eine große Rolle. Die geschmackvolle Einrichtung der Betriebe, in Zusammenarbeit mit meinem Tischler, da geht schon viel auf mein Konto.
Man muss auch schauen, dass man alles zusammenhält. Ein „Weiberhaufen“ ist schon manchmal anstrengend (lacht). Mit einem Lächeln kommt man oft weiter als sich zu ärgern.
Ich gehe jeden Tag sehr gerne in meine Betriebe – gerne zum Nähen und auch hier ins „Hoamatgfüh“. Wenn Gäste und Kunden kommen und bestätigen, dass alles so schön geworden ist – das bestätigt schon die Entscheidung.

Was sind deine wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?
Der wichtigste Schritt war die Erweiterung zum „Hoamatgfüh“. Jetzt passt alles zusammen
Mein Ehemann Christian ist meine Stütze im Hintergrund. Das sieht man ja gar nicht, was der alles macht. Er hat selber einen Betrieb, ein Logistikunternehmen mit 30 Mitarbeitern. Da hat er die Aufteilung und Auslieferung von Molkereiprodukten, die er in eigenen Kühlhallen zwischenlagert, an Lebensmittelketten / -geschäfte über. Trotzdem findet er noch Zeit samstags und sonntags bei mir als Hilfskoch mitzuarbeiten, er übernimmt das Finanzielle, die Buchhaltung, die Förderansuchen… 2006 hat er die Gastgewerbekonzession abgelegt, diese läuft hier auf meinen Betrieb.

Was kommt in Zukunft auf deine Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?
Schwierige Zeiten – die vielen Teuerungen, die ja jeder Betrieb zu spüren bekommt. Inflation, Preiserhöhungen.  Unsere Vorteile sind sicher, dass wir hochwertige Lebensmittel verwenden und ein einheimischer Betrieb sind. Regionale Produkte sind immer gefragter, es gibt keine langen Transportwege wie z.B. Rindfleisch aus Argentinien.
Mitarbeiter: In der Tracht suchte ich lange eine Verkäuferin, jetzt bin ich so weit, dass ich keine mehr suche. 
Wo die vielen Beschäftigten vor Corona hingekommen sind, weiß ich nicht. Vielleicht sind diejenigen, die in der Gastro oder im Tourismus gearbeitet haben, in Umschulungen und somit am Arbeitsmarkt nicht mehr verfügbar.  Es gibt trotzdem sehr viele Langzeitarbeitslose.

Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?
Die Lohnnebenkosten gehören gesenkt und das Steuergeld soll besser verteilt werden. Weil die, die wirklich an der Armutsgrenze leben, die haben eh nichts und bekommen auch nichts, keine Unterstützung, und alle anderen kennen die Schlupflöcher. Demjenigen, der eigentlich arbeiten könnte, passt die Arbeit gerade nicht und wenn er 800 Euro Arbeitslosengeld bekommt und vielleicht als Handwerker noch ein wenig pfuschen geht, dann….. Die Kosten insgesamt, die ein Unternehmer tragen muss, sehen die MitarbeiterInnen ja oft gar nicht.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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