Naturkatastrophen hautnah erfahren: Wassererlebnis Öblarn feierlich eröffnet

Am 21. Mai wurde das Wassererlebnis Öblarn, als europaweit einzigartiges Demonstrationsmodell der Naturgefahren, vor der eindrucksvollen Kulisse des realen Murbrechers im Öblarner Walchental mit einem rauschenden Fest für die Bevölkerung eröffnet. Mit den Bürgerinnen und Bürgern und zahlreichen Ehrengästen wurde die Fertigstellung des einzigartigen Demonstrationsmodell der Naturgefahren in der Gemeinde Öblarn gefeiert. Eröffnungsworte für das mit 1 Million Euro von Bund, Land und Europäischer Union geförderte Projekt überbrachten höchstpersönlich Sektionleiterin im BMLRT Maria Patek und Landesrat Johann Seitinger. Somit konnte Bürgermeister Franz Zach das einzigartige Outdoor-Demonstrationsmodell der Naturgefahren offiziell in Betrieb nehmen. Das Wassererlebnis Öblarn steht somit ab sofort für spannende Führungen für Groß und Klein zur Verfügung.

In Zeiten des Klimawandels hat Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung oberste Priorität. Jedes Jahr von Neuem häufen sich Schreckensberichte von Hochwasser, Muren oder Verklausungen in vielen Regionen Österreichs. „Die Wahrscheinlichkeit von Naturgefahren nimmt auf Grund des fortschreitenden Klimawandels stetig zu.“, erörtern die Projektverantwortlichen Bgm. Franz Zach sowie Natalie und Wolfgang Prüggler neben dem Modellmaskottchen „Verklausnix Dachs“. Es ist daher ein Gebot der Stunde für Gemeinden und ihre Bürgerinnen und Bürger, sich auf Naturgefahrenereignisse einzustellen und bestmöglich vorzubereiten. Wie Bewusstseinsbildung spielerisch funktioniert und Naturgefahren für alle Altersgruppen hautnah erlebbar gemacht werden, wurde bei der Eröffnungsfeier des Outdoor-Demonstrationsmodells „Wassererlebnis Öblarn“ eindrucksvoll gezeigt: Auf einer 2800 m2 großen Freiluftfläche im Öblarner Walchental unmittelbar neben dem „Murbrecher Mathildenbach“ wurde dazu das Einzugsgebiet des Walchenbaches samt kürzlich errichteter Schutzbauwerke, der Ortskern von Öblarn sowie der Mündungsbereich an der Enns mit Überflutungsflächen im Maßstab 1:25 realitätsgetreu nachgebildet.

In Miniaturform begreifbar machen, was in der Realität geschah

Bereits die Anfahrt zum Wassererlebnis mit dem Traktorwagen-Shuttle entlang der realen Schutzbauwerke im Walchental ließ die Besucherinnen und Besucher der Eröffnungsfeier das Gefahrenpotential eines Unwetters erahnen. Am 4. und 5. August 2017 war leider auch die Gemeinde Öblarn von einer Hochwasserkatastrophe mit Verklausungen am Walchenbach und der Überflutung des Ortskerns betroffen. Die bereits bestehenden Schutzbauwerke haben damals Schlimmeres verhindert; für einen weiteren Tag Starkniederschlag hätte ihre Rückhaltekapazität jedoch nicht mehr ausgereicht. So erweitert die Wildbach- und Lawinenverbauung seit 2017 den Schutz für den Ort Öblarn zu einer ganzen Schutzbauwerkkette, welche aus mehreren Murbrechern und Geschiebefängern besteht. Das letzte, vierte Bauwerk soll im Sommer 2023 fertiggestellt werden. Im Wassererlebnis Öblarn kann es jetzt bereits in Miniaturform betrachtet und getestet werden. Der angestrebte Schutz des Ortskerns ist im Demonstrationsmodell des Wassererlebnis Öblarn somit bereits komplett. Das Katastrophenereignis vom August 2017 kann im Modell realitätsnah simuliert werden. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können selbst das Naturgefahrenszenario gestalten, eigene Bauwerke im Modell platzieren, Muren, Verklausungen und Überschwemmungen im Modell herbeiführen, den Gewässerverlauf mit Schutzbauwerken ausstatten oder auch nicht, somit eine Verklausung bzw. Überschwemmung herbeiführen oder eben verhindern. Die Rolle und Wirkung der vier Wildbach-Schutzbauwerke können so ganz deutlich veranschaulicht werden. „Der Schutz vor Naturgefahren ist eine zentrale Aufgabe des Staates. Im Jahr 2021 hat der Bund mehr als 150 Millionen Euro in den Schutz vor Naturgefahren in Österreich investiert, womit weit mehr als 1.000 Projekte ermöglicht wurden, welche die Siedlungen und wichtige Infrastruktur nachhaltig schützen. Das Wassererlebnis Öblarn zeigt im kleinen Maßstab die Wirkung von innovativer Schutzinfrastruktur der Wildbach- und Lawinenverbauung im Walchenbach und schafft Bewusstsein für Risiko und Naturgefahrenprozesse im alpinen Raum,“ erläutert Sektionschefin Maria Patek aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.

Selbstschutz ist der beste Schutz

Aber auch das Thema Flusshochwasser und Retentionsflächen sowie Selbstschutz Hochwasser werden beim Wassererlebnis Öblarn ausgiebig behandelt. Landesrat Johann Seitinger betont: „Wasser ist ein Lebenselixier, das aber positive und bedrohliche Elemente in sich vereint. Durch den Klimawandel treten zunehmend mehr Naturkatastrophen und Hochwasserereignisse ein. Neben notwendigen technischen Schutzmaßnahmen und einer nachhaltigen Raumordnung ist auch die Eigenverantwortung der Menschen von besonderer Bedeutung.“ FOTO Hr. LR Seitinger mit Kindern beim Sandsäcke-Schlichten) Das richtige Schlichten von Sandsäcken, die Bedeutung von Gefahrenzonenplänen und ihre Auswirkungen für die Raumordnung sowie die Kraft des Wassers standen ebenfalls am Eröffnungsprogramm. Zahlreiche Schautafeln zu den Themen „Flusshochwasser & Retention“, „Ein Wildbach und seine Gefahren“ sowie „Wald im Klimawandel/ Schutzwald“ begleiten die Besucherinnen und Besucher am Rand des Modells und erklären die wesentlichen Inhalte für alle Zielgruppen.

Die Buchungslage stimmt äußerst zuversichtlich

„Der Andrang ist überwältigend und das Modell durch Schulklassen bereits bis Schulschluss ausgebucht“, gibt sich Carina Schrempf als verantwortliche Modellbetreuerin zuversichtlich. Auch für den Sommer 2022 sind nur noch wenige Termine verfügbar. Buchungsmodalitäten und verfügbare Termine sind auf der Modellwebsite „www.wassererlebnis-öblarn.at“ zu finden. In den Sommerferien wird der Fokus vor allem auf die Familien und Gäste der Region gelegt. Auch Kombiführungen mit dem Öblarner Kupferweg werden angeboten, wodurch zum Wasser- auch ein Bergerlebnis hinzukommt. Rechtzeitige Buchungen für den kommenden Herbst sowie das Frühjahr 2023 werden dringend empfohlen.

Enge Kooperation mit regionalen UnternehmerInnen und weiteren Akteuren wird fortgesetzt

Gemeinsam mit Experten der Wildbach- und Lawinenverbauung, der Fachabteilungen für Forstwirtschaft, Hochwasserrisikomanagement, Katastrophenschutz, der Baubezirksleitung des Landes Steiermark sowie den ortsansässigen UnternehmerInnen werden nach der Modelleröffnung auch weitere Schautafeln für einen Themenwanderweg in Öblarn vorbereitet. „Dieser soll möglichst schon ab Herbst 2022 zahlreiche interessierte Kinder, Schulklassen, BürgerInnen und Gäste begeistern sowie zu einer Ortskernbelebung beitragen“, gibt sich Bürgermeister Franz Zach zuversichtlich. Zusätzlich werden auch Unterrichtsmaterialien für Schulen und Kindergärten in enger Kooperation mit den Pädagoginnen der Region erarbeitet. Diese werden kostenlos für die Vor- und Nachbereitung der im Wassererlebnis Öblarn vermittelten Inhalte zur Verfügung gestellt.

Fotocredits: Martin Huber

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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