VCÖ-Analyse: Auf steirischen Autobahnen teilweise bereits mehr Autoverkehr als vor der Covid-19 Pandemie

VCÖ: Schnellbuslinien mit Busspur auf Autobahnen im Raum Graz einführen

VCÖ (Wien, 20. Mai 2022) – Die A2 bei Feldkirchen war heuer in den ersten vier Monaten Steiermarks Autobahnabschnitt mit dem meisten Autoverkehr, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Während bei den meisten Autobahn-Abschnitten noch weniger Pkw unterwegs waren als vor Covid-19, waren auf der A9 bei Graz-Welbing bereits mehr Autos unterwegs als vor der Pandemie. Und das, obwohl die gestiegenen Spritpreise verkehrsreduzierend wirken. Die Mobilitätsorganisation VCÖ spricht sich daher für mehr Bahn- und Busverbindungen sowie verstärktes betriebliches Mobilitätsmanagement aus. Für die Autobahnen im Ballungsraum Graz schlägt der VCÖ nach internationalem Vorbild Schnellbuslinien mit eigener Busspur vor.

Die A2 ist Steiermarks am stärksten befahrene Autobahn mit durchschnittlich 58.200 Pkw pro Tag bei Feldkirchen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis der Daten der Asfinag zeigt. Das waren zwar um rund 7.000 Pkw pro Tag mehr als in den ersten vier Monaten des Vorjahres, als es Lockdowns gab, aber um 3.700 Pkw pro Tag weniger als vor der Covid-Pandemie im Jänner bis April 2019.

Kein Einzelfall: Von den österreichweit 236 analysierten Zählstellen, weist jede dritte gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 einen Rückgang von mehr als zehn Prozent auf, weitere vier von zehn Zählstellen einen Rückgang von fünf bis zehn Prozent, so die VCÖ-Analyse. In der Steiermark war auch auf der S35 (bei Ungersdorf minus 10,8 Prozent), auf der S36 (bei Zmöllach minus 4,9 Prozent) und S6 (bei St. Marein minus 3,6 Prozent) die Verkehrsbelastung geringer als vor der Covid-Pandemie.

Aber auf der A9 bei Graz-Webling war mit 56.000 Pkw pro Tag der Autoverkehr bereits stärker als vor Corona. „Und das, obwohl die gestiegenen Spritpreise natürlich verkehrsreduzierend wirken. Es werden Fahrgemeinschaften gebildet, es steigen mehr auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad um“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Ums wichtiger ist es, dass angesichts der Energiekrise und der sich verschärfenden Klimakrise verstärkte Maßnahmen zur Reduktion der Verkehrsbelastung werden. „Durch Angebotsverbesserungen sollen alle, die umsteigen wollen, die Möglichkeit dafür bekommen. Und für alle, die schon heute können, braucht es verstärkte Anreize und Unterstützung durch gezielte Information, diese Möglichkeiten auch zu nutzen“, erklärt VCÖ-Experte Schwendinger.

Für den Pendelverkehr zur Arbeit spielen die Betriebe und Unternehmen eine zentrale Rolle. In den vergangenen Jahren ist es etlichen Unternehmen durch betriebliches Mobilitätsmanagement gelungen, dass mehr Beschäftigte statt mit dem Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrad zur Arbeit kommen. Neben Anreizen wie Öffi-Jobtickets und Jobräder sowie Bewusstseinskampagnen ist auch die Reduktion der Pkw-Abstellplätze am Firmengelände wichtig. Erfolgreiche Beispiele sind etwa Boehringer-Ingelheim in Wien-Hetzendorf, Berger Logistik in Wörgl, Haberkorn in Wolfurt oder in der Steiermark die Anton Paar GmbH und das LKH Graz.

International wirksam sind zudem Busspuren für Schnellbusse auf den Autobahnen in Ballungsräumen. Bus Rapid Transport Systeme sind für jene Strecken optimal, wo es kein Schienennetz gibt. Damit die Fahrgäste, die einen wichtigen Beitrag zur Staureduktion leisten, nicht im Stau stehen, gibt es eine eigene Busspur. „Ein Bus, der 80 Fahrgästen Platz bietet, ersetzt beim aktuellen Besetzungsgrad, 72 Pkw. Stehende aneinandergereiht, ergeben 72 Pkw eine rund 500 Meter lange Autokolonne, fahrend brauchen sie mit Sicherheitsabstand natürlich noch mehr Platz“, verdeutlicht VCÖ-Experte Schwendinger. Ein System, das auch für die Autobahnen in Österreichs Ballungsräumen, wie etwa dem Raum Graz gut geeignet ist.

Auch das verstärkte Angebot von regionalen Bahn- und Busverbindungen sowie der Ausbau der Rad-Infrastruktur ermöglichen mehr Menschen in Niederösterreich energiesparend, kostengünstiger und klimaverträglicher mobil zu sein.

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer (0699)18932695

VCÖ: Auf den Autobahnen und Schnellstraßen weniger Autoverkehr als vor Covid-19 Pandemie (Pkw-Verkehr pro Tag, von Jänner – April 2022 im Vergleich zu Jänner – April 2019 – jeweils Zählstelle mit höchster Verkehrsbelastung je Autobahn / Schnellstraße)

A2 Feldkirchen: 58.200 Pkw / Tag (minus 6,1 Prozent)

A9 Graz-Webling: 56.000 Pkw / Tag (plus 1,9 Prozent)

A2 Laßnitzhöhe: 49.100 Pkw / Tag (minus 5,6 Prozent)

S6 St. Marein: 23.600 Pkw / Tag (minus 3,6 Prozent)

A9 Liesing: 18.500 Pkw / Tag (minus 5,5 Prozent)

S36 Zmöllach: 18.200 Pkw / Tag (minus 4,9 Prozent)

S35 Ungersdorf: 17.100 Pkw / Tag (minus 10,8 Prozent)

S10 Götschka: Götschka 16.500 Pkw / Tag (kein Vergleichswert)
Quelle: Asfinag, VCÖ 2022

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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