Weltbienentag: Naturschutzbund und HOFER laden zur Hummelsuche ein

Eiszeitzeugen unter den Hummeln entdecken

Vor den Eiszeiten vor tausenden von Jahren hat sich der gemeinsame Vorfahr von Feld- und Tonerdhummel in wärmere Gefilde im Süden aufgemacht. Aus zwei Populationen einer Art bildeten sich dort zwei getrennte Arten heraus. Mit der Erwärmung nach der letzten Eiszeit wanderten sie als Feld- und Tonerdhummel wieder in Mitteleuropa ein. Aufgrund des Klimawandels könnte sich ihre Verbreitung nun weiter verschieben. Um das herauszufinden, laden der Naturschutzbund und der Lebensmittelhändler HOFER im Rahmen des gemeinsamen Bienenschutzfonds dazu ein, die Augen nach den leuchtend gefärbten Brummern offen zu halten und Beobachtungen auf naturbeobachtung.at zu teilen!

Die Tonerdhummel hatte ihr Eiszeitrefugium wohl in den Gebieten von Südosteuropa bis in den Iran, wo sie bis heute vorkommt. In Österreich liegt ihre nördliche Verbreitungsgrenze im Tiroler Inntal, im oberen Salzachtal bis zum Saalfeldener Becken, im Ennstal und im steirischen Murtal sowie bei Wien. Derzeit kommt sie nirgends nördlich der Nördlichen Kalkalpen vor. Für das südliche Niederösterreich und das Nordburgenland liegen bis dato keine Daten vor. Die Feldhummel überdauerte die Eiszeiten in Südwesteuropa und Nordafrika, wo sie auch heute noch vorkommt. In Österreich ist sie als seltene Art im Nordosten aber auch im Vorarlberger Rheintal zu finden. Um mehr über die Verbreitung dieser beiden Hummelarten zu erfahren, sind Naturinteressierte anlässlich des Weltbienentags am 20. Mai dazu eingeladen, ihre Beobachtungen der Tonerd- und Feldhummel auf naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen!

Hummeln am Farbmuster erkennen

Die Bestimmung ist nicht ganz einfach: Schwarz mit weißer Hinterleibsspitze und drei gelben Binden – so sehen drei nah verwandte Hummelarten aus. Während bei der häufigen Gartenhummel die Behaarung struppig ist und die zweite gelbe Binde (direkt hinter den Flügeln) halbmondförmig ist, ist diese bei Feldhummel und Tonerdhummel vorne gerade abgeschnitten und die Haare sind viel kürzer. Bei den jetzt fliegenden Königinnen ist die Unterscheidung von Tonerdhummel und Feldhummel relativ leicht: Tonerdhummelköniginnen haben einen rein schwarzen Hinterleib, Feldhummelköniginnen eine weiße Hinterleibsspitze. Zudem sind die Königinnen dieser beiden Arten von stattlicher Größe! Für die Bestimmung von Arbeiterinnen braucht es schon einen geübten Blick, doch anhand von Fotos ist auch das nicht unmöglich.

Nicht nur in der Färbung ähneln sich die beiden Hummelarten, sie verfügen auch über sehr lange Rüssel – bei Königinnen ist er ca. 18 mm, bei Arbeiterinnen und Drohnen bis zu 15 mm lang. Sie teilen außerdem die Vorliebe für nektarreiche langröhrige Blüten und sind deshalb auch an Beinwell, Wundklee, Rotklee, Salbei und verschiedenen Wicken zu finden. In ausgeräumten Agrarlandschaften können sie kaum überleben, doch wenn das Blütenangebot stimmt, ist die Tonerdhummel im Südteil Österreichs und die Feldhummel im Weinviertel, rund um Wien und am Neusiedlersee durchaus zu finden.

Weltbienentag = Wildbienentag

Weil zwei Drittel der weltweiten Bestäubungsleistung auf das Konto von Wildbienen – zu denen auch die Hummeln gehören – und anderen Insekten gehen, soll am Weltbienentag nicht nur die Honigbiene hochleben, sondern auch die über 700 Wildbienenarten Österreichs. Wer also eine Hummel entdeckt und die Beobachtung auf naturbeobachtung.at teilt – auch Meldungen aller anderen Hummelarten sind wichtig – erhält nicht nur Bestimmungshilfe durch Expert*innen, sondern hilft damit auch der Wissenschaft. Die wertvollen Nachweise vervollständigen das Bild über die Verbreitung der einzelnen Arten. Dafür braucht es aussagekräftige Fotos – am besten aus mehreren Perspektiven, denn so sind die arttypischen Färbungen am besten zu erkennen. Ein kleiner Tipp: Häufig sind diese zwei langrüsseligen Brummer an Weißer und Gefleckter Taubnessel und Rotklee zu entdecken.

Hummelbestimmungskurse in ganz Österreich

Um das Wissen über die dicken Brummer zu heben, bieten Naturschutzbund und der Lebensmittelhändler HOFER im Rahmen ihres Bienenschutzfonds in ganz Österreich Hummelbestimmungskurse an. Dabei erfährt man mehr über die Lebensweise der rund 45 Hummelarten Österreichs, wo sie naturnahe Lebensräume finden und wie man sie in der freien Natur am besten bestimmt und unterstützt.

  • NÖ: 22. Mai 2022, 9-17 Uhr, Absdorf/Hippersdorf: Hummelbestimmungskurs
  • STMK: 10. Juni 2022, 9-17 Uhr, Saatzucht Gleisdorf: Hummelbestimmungskurs
  • SBG/D: 11. Juni 2022, 9-17 Uhr, Bayer. Akademie f. Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen: Hummelbestimmungskurs
  • W: 24. Juni 2022, 9-17 Uhr, Bio Forschung Austria: Hummelbestimmungskurs
  • OÖ: 1. Juli 2022, 9-17 Uhr, Biologiezentrum: Hummelbestimmungskurs

Bienenschutzfonds Der Bienenschutzfonds wurde 2013 vom Naturschutzbund und dem Lebensmittelhändler HOFER gemeinsam ins Leben gerufen. Mit bisher insgesamt 500.000 Euro werden daraus Wildbienenprojekte des Naturschutzbundes unterstützt. Die Palette ist breit: Sie reicht von der Anlage von Blühstreifen entlang von Straßen und der Erhaltung von Hochstamm-Obstbäumen auf Streuobstwiesen über die Untersuchung der Bestäubungsqualität von Hummeln bei Kürbissen bis hin zu Kursangeboten und Infofoldern für Gemeinden. Ziel ist es, mit allen Aktivitäten zum Nachahmen und Aktivwerden anzuregen und damit einen wichtigen Beitrag zum Wildbienenschutz zu leisten.

Die Feldhummel überdauerte die Eiszeiten in Südwesteuropa und Nordafrika, wo sie auch heute noch vorkommt. © naturbeobachtung.at/Wolfgang Schweighofer
Tonerdhummelköniginnen haben einen rein schwarzen Hinterleib. © naturbeobachtung.at/Werner Ruppitsch

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


error: (c) arf.at