Vor den Vorhang: Steinbrecher/Köberl sind ARF – Unternehmer der Woche

Das Ausseer Regionalfernsehen setzt die Serie mit dem Titel „UnternehmerIn der Woche“ fort. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Werthaltungen.

Diesmal stellen wir Martin Steinbrecher und Rudolf Köberl vor, die das  Unternehmen Zimmerei Steinbrecher – Köberl führen.

Könnt ihr euren bisherigen Lebensweg kurz darstellen?
Martin:
Hauptschule in Bad Mitterndorf, HTL Hallein 4-jährig, Zimmererfachschule, Zimmerei Stiegler in Irdning, nach deren Konkurs 2005 Zimmerei Ernst Köberl in Bad Aussee, 2009 Holzbaumeisterprüfung, dann gemeinsam mit Rudolf Köberl die Firma übernommen.
Die Landwirtschaft zu Hause hat mein Bruder übernommen. Ich habe eine Zeit lang, neben der Zimmerei, unseren Pachtbetrieb in Obersdorf geführt.

Rudolf: Hauptschule Bad Aussee, 1988 Fachschule Hallein, nach Bundesheer beim Vater gearbeitet. Nach dem Tod meines Vaters folgte der Entschluss, gemeinsam mit Martin, den Betrieb weiter zu führen.

2. Wie groß ist euer Betrieb?
Martin/Rudolf: Wir sind insgesamt 20 Leute, davon 16 auf der Baustelle, und 4 für Büro und Planung. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Planung von Grund auf durch uns durchgeführt wird. Somit treten wir als Generalunternehmer auf und übergeben schlüsselfertig. Unsere beiden Frauen sind im Betrieb tätig.

3. Was ist eure Motivation, Unternehmer zu werden, gewesen?
Rudolf:
Die Arbeit meines Vaters, er stellte etwas auf die Füße, man sieht, was man gemacht hat, dies bereitet einfach Freude. Mit Holz zu arbeiten, war immer schon meines. Die Ausführungen der Arbeiten liegt im eigenen Ermessen, im welchen Stil u. dgl. . Man findet mit der Zeit heraus, was dem Kunden gefällt, nach dem richtet man sich.
Martin: Ich wollte dies schon in den frühen Jahren. Z.B. im Werkunterricht in der Schule bzw. in der Fachschule wollte ich immer schon bei den Fleißigeren dabei sein, das war und ist immer mein Grundbestreben. Ich wollte immer zeigen, was ich kann. Wenn man durch die Gegend fährt und sagen kann „Das habe ich geplant und gebaut“ – darauf bin ich stolz und es motiviert einen. Durch meine Eltern in der Landwirtschaft habe ich gesehen, wie es ist, sein eigener Herr zu sein. Seine eigenen Ziele setzen und erreichen zu können, das lohnt sich.

Welche Eigenschaften muss eurer Meinung nach ein Unternehmer haben?
Rudolf:
Das Wichtigste ist, mit der Zeit zu gehen. Zu schauen, dass man immer auf dem neuesten Stand ist. Immer dem Kunden gegenüber fair sein. Mit Ehrlichkeit fährt man am besten. Die eigene Arbeitszeit hört nie pünktlich auf, einmal kommt dies herein oder das ist noch zu erledigen…
Martin:  Authentisch zu sein, ist das Wichtigste. Du gibst dich so, wie du wirklich bist – das haben wir die letzten Jahre gelebt. Am Anfang unbewusst. Man weiß ja noch nicht, worauf man sich da einlässt. Das kommt erst in den nächsten zwei, drei Jahren auf. Da muss man die Hürde überwinden, den Stressfaktor, der sich da aufbaut, den sieht man ja vorher nicht, den Druck, den dir Kunden teilweise aufbauen – nicht negativ gemeint, oft eine gesunde Spannung – mit dem rechnet man nicht. Wenn man drinnen ist, muss man eine gerade Linie fahren und nicht wie eine Windfahne sein, da bist du sicherlich nicht lange Unternehmer. Das hat uns Ernst so vorgelebt, dies rechne ich ihm sehr hoch an. Er war immer ehrlich, ein gerader Kerl. Dies haben wir übernommen, äußern unsere Meinung ehrlich dem Kunden gegenüber. Nie zu probieren, dass der eine profitiert und der andere einfährt. Immer fair zu sein, lieber einmal zurückzustecken, ist unterm Strich mehr wert.
Martin: Wir setzten seit einigen Jahren darauf, dass es nur im Team geht. Wir haben extremes Glück, dass wir ein so gewaltig starkes, gutes Team haben. Das muss man immer wieder erwähnen: Wir können uns immer auf unsere Leute verlassen. Es ist ein Geben und Nehmen. Wir versuchen zu leben, dass nicht einer der große Chef ist, sondern jeder seinen Aufgabenbereich hat und sich jeder da auch verwirklichen und entfalten kann. Das bewährt sich extrem gut.
Rudolf: Von der Mitarbeitergröße her gesehen, wollen wir nicht größer werden. Aber gute Leute bekommt man momentan sehr schwer. Zum Glück sind wir sehr gut aufgestellt.

Was sind deine wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?
Martin: Damals, auf einer Baustelle bei der Jause, die Entscheidung zu treffen, gemeinsam die Firma zu führen. Das bereue ich seither keinen einzigen Tag. Der Rückhalt mit einem Partner stärkt ungemein.
Rudolf: Kann dem voll zustimmen.

Was kommt in Zukunft auf deine Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?
Martin:
Die Digitalisierung in den letzten 5-6 Jahren hat ein extremes Vorwärtstempo verursacht. Der Bau war eigentlich ein bisschen hinten nach. Mit den heutigen Werkzeugen und Instrumenten erhöht man die Schlagkräftigkeit enorm und somit wirkst du auch dem Personalmangel entgegen. Die Preisschwankungen sind das zweite Übel. Die gezogenen Konsequenzen: Wir setzen wieder auf Regionalität. Wir beziehen unser Holz ausschließlich aus dem Ausseerland, von Aussee bis ins Ennstal. Es wird von uns, in Kooperation mit dem Sägewerk Streussnig, geschlägert und geschnitten. Dadurch sind wir extrem lieferfähig. Durch die Ausschaltung des Zwischenhandels haben wir die Preisschwankungen im Griff. Deswegen sind wir Kooperationen mit einigen regionalen Firmen eingegangen , damit die Wertschöpfung in der Region bleibt.


Rudolf: Zum Thema Digitalisierung: Ich bin ein etwas älteres Baujahr wie Martin. Früher ist alles auf der Baustelle gemacht worden. Heute erfolgt die detaillierte Ausarbeitung im Büro, dann die Ausführung auf der Baustelle. Die Passgenauigkeit und Geschwindigkeit hat sich dadurch sehr zum Positiven verändert.
Martin: Die Entwicklung geht dahin, dass du dich im Büro stärker aufstellst – somit ist der Arbeitsgang auf der Baustelle effizienter, genauer. Am Anfang waren wir voll dagegen, wir wollten uns nie die eigene Arbeit wegarbeiten, bis wir gesehen haben, welch qualitative Arbeit man dadurch liefern kann. Senior Köberl hat dies vor Jahren bereits gesagt – wir darauf „Ernst, do bist nit o“. Zum Vergleich: Mechaniker, Schlosser arbeiten mit CC Maschinen, der Bauer möchte auch nicht mehr auf die Melkmaschine verzichten, warum dürften dann wir nicht und die anderen schon? Da gibt es Widersprüche. Aber sogar die alten Ausseer haben wir bereits überzeugt, wenn wir mit den Teilen kommen, schauen sie sich das an und schwärmen von der Passgenauigkeit. Ein Umdenken in unserer Branche ist im Gange. Wir setzen aber trotzdem sehr viel auf Handwerk. Auf die Qualität, die der Arbeiter leistet – aber man muss einfach den gesunden Mittelweg gehen.
Rudolf: Es geht nicht mehr ohne. Stiegen händisch zu machen ist vorbei. Natürlich, wenn der Kunde eine handgefertigte Stiege möchte, dann bekommt er sie auch.

Gibt es einen Stil, für den eure Firma steht?
Martin:
Natürlich. Ein kompletter Widerspruch ist unser Holzbaupreis 2021 – das ist ein reiner Architekturpreis. Wir sind sehr stolz auf diesen Preis, aber unsere Sache sind die traditionellen Ausseer-Häuser, weil uns diese auch uns als Personen widerspiegeln. Aber wir bauen ebenso modern, wenn es der der Kunde wünscht. Wir haben einen tollen Technik-Mitarbeiter aus St. Wolfgang, so mischen wir auch den Wolfganger mit dem Ausseer Stil. Das ergibt eine eigene Handschrift.

Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?
Martin:
Lohnsteuer runter! Der Staat hat noch immer das Bild eines Unternehmers von früher. Da hat sich der Unternehmer wesentlich leichter getan, man muss nicht für jedes Teil, welches die Firma verlässt, einen Kostenvoranschlag einholen. Die Bürokratie kostet enorm viel Geld, und der Staat glaubt noch immer, dem Unternehmer geht es so gut, den können wir eh melken wie eine Kuh. Ich glaube einfach, dass die Parameter nicht mehr stimmen.
Rudolf: Die Lohnnebenkosten sind zu hoch.

Ist die Arbeitszeit ein Problem?:
Martin: Das kann ich sehr gut vergleichen: Ich habe in Irdning in einer Zimmerei gearbeitet, wo Samstag, gerade halt nicht auch am Sonntag, gearbeitet wurde. Und das bis 22 Uhr. Tagtäglich. Arbeiten, schlafen, aufstehen, arbeiten, schlafen, aufstehen, arbeiten ….. Das kann man machen, aber nicht lange. Sobald du Familie hast, wird das für einen Arbeitnehmer uninteressant. Wir haben viele Umbrüche in unserer Firmenphilosophie gehabt und haben uns an den großen Firmen in Oberösterreich orientiert und die „Lang-Kurz-Woche“ – abwechselnd eine 4-Tagewoche und 5-Tagewoche – eingeführt. Wir wollen für unsere ArbeitnehmerInnen ein attraktiver Arbeitgeber sein. Es ist nicht immer leicht, besonders in den Sommermonaten, wenn wir uns rechtfertigen müssen, diese Arbeitszeiten einzuhalten. Der Unternehmer muss dadurch auch Abstriche machen, aber Freitag bis zum Abend und zusätzlich am Samstag zu arbeiten – da spielen die Arbeiter nicht mehr mit. Unser Ziel, sehnlichster Wunsch ist es, dass unsere Arbeitnehmer von der Lehre bis in die Pension in unserer Firma bleiben.
Wir glauben, dass wir gute Arbeiter mit guten Rahmenbedingungen halten können.
Rudolf: Die Leistung wird von der Mehrarbeit auch nicht mehr. Irgendwann sind mehr Pausen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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