Die Steiermark – eine Hochburg der wilden Hühner

Derzeit rodelt, wetzt und schleift es in den steirischen Wäldern und auf den Almen. Auer – und Birkhähne balzen um die anspruchsvollen Hennen. Die Steiermark weite Zählung, die in den letzten zwei Wochen durchgeführt wurde, beweist: Naturschutz mit Hausverstand ist der Schlüssel zum Erfolg.

„Wise use“ heißt übersetzt so viel wie wohlausgewogene Nutzung – dieses bewährte Prinzip verhilft dem Auer- und Birkwild in der Steiermark zu mehr als herzeigbaren Erfolgszahlen: 4.020 Auerhähne und 6.243 Birkhähne balzen noch auf ausgesuchten Plätzen im lichten Hochwald oder auf den freien Almflächen. Je nach Witterung zieht sich die Balzzeit von April bis Mai und die Männchen geben in diesen Wochen ihr Bestes, um die ersehnte Gunst der Weibchen zu gewinnen.

Um dieses beeindruckende Schauspiel auch weiterhin zu erhalten, werden Wälder von den Grundeigentümern in Zusammenarbeit mit den Jägerinnen und Jägern „hühnerfreundlich“ gestaltet. Das Schaffen von mosaikartigen Waldstrukturen, die den Bodenbewuchs – vor allem die Schwarzbeere fördern – gehören ebenso zur Lebensraumpflege wie das händische auf Haufen werfen der Äste nach Waldarbeiten, damit die kleinen Küken, die gerade einmal 30 Gramm wiegen, sich darin nicht verheddern und ihrer umsichtigen Mutter im unwegsamen Gelände rasch folgen können. Besonders bei nasskaltem Wetter ist das überlebensnotwendig, denn die Kleinen müssen sich regelmäßig im Federkleid ihrer Mutter aufwärmen, um die ersten Wochen zu überstehen. In dieser Zeit brauchen die späteren Vegetarier eiweißreiche Nahrung, um rasch zu wachsen. Der Förderung von Ameisenhaufen als gefragte Eiweißquelle schenken die Auer- und Birkwild-Experten in der Jägerschaft daher besonderes Augenmerk bei der Begutachtung der Qualität des Lebensraumes. Immerhin müssen die Küken im ersten halben Jahr das Hundertfache ihres Geburtsgewichtes erreichen, um gut für ihren ersten Winter gerüstet zu sein. 

Das Freihalten von Almen durch gemeinsame Schwend-Aktionen mit Almbauern und Jägern kommt vor allem dem Birkwild zugute. Birkhähne brauchen diese freien Flächen, auf welchen die kleinen schwarzen Hähne mit den leuchtend roten Balzrosen über den Augen dann stolz aufgeplustert ihre leuchtend weißen Federn am Hinterteil präsentieren. Einige müssen dabei auch Federn lassen, denn wilde Kämpfe sind dabei keine Seltenheit.

Das Werben um die Weibchen ist bei den wesentlich größeren Auerhähnen viel geheimnisvoller: Wenn der sonst plump wirkende Vogel wie ein anmutiger Tänzer frühmorgens seine Sprünge darbietet, sitzen die Hennen abwartend auf den Bäumen der Umgebung und beäugen das Geschehen, um herauszufinden, wer der Alphahahn ist, den sie sich am liebsten als Partner aussuchen. „Female Choice“ – die Frauen entscheiden, heißt dieses Verhalten im Fachjargon. Auch hier gibt es erbitterte Kämpfe zwischen den Brautwerbern. Laut klatschende und durchaus kräftige „Watschn“ werden mit den Flügeln verabreicht und auch der scharfe und kräftige Schnabel kommt im wilden Kampf um die Gunst der Weibchen zum Einsatz. Nur 1 Prozent der natürlichen Gesamtsterblichkeit einer Population wird in der Steiermark jagdlich genutzt.

Diese Kombination ist das Erfolgsmodell schlechthin: In Vorarlberg wurden 1976 auch diese geringen Entnahmen verboten, seither befinden sich auch die Bestände auf der Talfahrt, weil mit der Einstellung nicht nur das Wissen über die Balzplätze und damit das genaue Beobachten der Bestandsentwicklung verschwand, sondern auch die Motivation und das Interesse an der Lebensraumpflege rapide abnahm. Mühevoll versucht man jetzt, die Bestände wieder in die Höhe zu bringen. Ähnlich verhält es sich in Deutschland, auch hier wird neidvoll in jene österreichischen Bundesländer geschielt, die sich für diese erfolgreiche Lösung entschieden haben, die zur Freude aller Beteiligten und zum Erhalt unserer heimischen wilden Hühner beeindruckend gut funktioniert.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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