Vor den Vorhang: Marianne Goertz ist ARF – Unternehmerin der Woche

Das Ausseer Regionalfernsehen setzt die Serie mit dem Titel „UnternehmerIn der Woche“ fort. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Werthaltungen.

Diesmal stellen wir Marianne Goertz vor, die das  Unternehmen „Berndl .Restaurant und Villa Salisführt.

Kannst du deinen bisherigen Lebensweg kurz darstellen?
Nach der Hauptschule begann ich eine kaufmännische Ausbildung bei den Gebrüdern Gro, anschließend war ich fünf Jahre im Gerichtsdienst als Schriftführerin und Sachbearbeiterin. Dann bin ich beim Dr. Sekyra in der Rigips gelandet, anschließend bin ich in die Unternehmensgruppe Goertz gekommen. Nachdem später das Objekt Berndl in Altaussee von meine Exmann gekauft wurde, habe ich die Konzessionsprüfung gemacht und widme mich seit 1986 dem Haus und dem Betrieb. Es war ein großer, bitterer Kampf – ich habe das Haus 2002 gekauft und führe es mit Fleiß und allem Engagement und hoffe, dass ich demnächst einmal schuldenfrei sein werde.
Neben der Spedition und dem Gasthaus war die Gründung von Service 24 war ein visionäres Projekt. Ich war die Initiatorin der Idee und habe viele Jahre für Service 24 gearbeitet. Ich freue mich sehr, dass sich diese Firma mit über 50 Beschäftigten so großartig entwickelt hat. Wichtig ist immer der Beginn. Ich bin stolz darauf, er war nicht leicht, aber man sieht, mit Fleiß und Durchhaltevermögen bringt man es zu etwas.

Wie groß ist dein Betrieb?
Mein Hotelbetrieb mit Schwerpunkt Restaurant ist meine große Liebe, weil ich der Meinung bin, dass Altaussee einen gut florierenden Gastbetrieb mitten im Ort braucht. Der Hotelbetrieb hat 23 Betten, ist ganzjährig geöffnet. Nebenbei habe ich noch Ferienwohnungen im umgebauten Elternhaus geschaffen. Zurzeit habe ich 6 – 7 Mitarbeiter, ich arbeite natürlich voll mit.

Was ist deine Motivation, Unternehmer zu werden, gewesen?
Es war einerseits die Notwendigkeit mein Leben neu auszurichten, wieder Erwerbstätigkeit zu haben, und auch der permanente Wille, irgendetwas selbst zu gestalten. Das unternehmerische Denken habe ich immer schon in mir gehabt.

Welche Eigenschaften muss deiner Meinung nach ein Unternehmer haben?
Man muss vor allem Fleiß an den Tag legen. Das Geld kommt nicht automatisch ins Haus, man muss sich schon sehr anstrengen, Unternehmerin zu sein ist kein Kindergeburtstag. Man geht durch viele Höhen und Tiefen, man muss mit Ausdauer und Zielstrebigkeit auch schwierige Zeiten durchstehen, und dann kommt man auch zum Erfolg. Und gesund muss man bleiben! Spaß muss man natürlich auch haben. Es gibt bei mir keinen Tag, an dem ich mich nicht freue, dass ich wieder in den Betrieb herunter gehen, dass ich die Mitarbeiter wieder sehe, das gute Team. Das ist das Wichtigste, weil sonst wird es zur Belastung. Wichtig ist aber auch, dass man kaufmännische Kenntnisse für die Leitung eines Betriebes hat. Man sieht ja immer wieder, dass es nicht genügt, wenn einer Koch oder Kellner ist und mit einem Betrieb startet.

Was sind deine wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?
Den Mut, das Haus zu kaufen. Darauf basiert alles andere. Die Zuversicht, dass ich es schaffe, das Haus abzubezahlen und zu führen.

Was kommt in Zukunft auf deine Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?
Ich sehe mit ganz großer Sorge die sinkende Dienstleistungsbereitschaft der Gesellschaft. Es hat sich eine Freizeitgesellschaft entwickelt, jeder will es sich gut gehen lassen, es will jeder irgendwo einkehren und sich schön bewirten lassen. Andererseits hat fast jeder betrieb MitarbeiterInnenprobleme. Die Mitarbeiterlukrieerung wird in Zukunft das größte Problem sein, aber das hat jede Branche. Aber ich will nicht nur das Negative erwähnen – es wird eine große Chance für viele junge Leute sein, dass sie ganzjährig in der Gastronomie beschäftigt sein können, dass sie nicht auspendeln müssen. Unser Gebiet kann das ganze Jahr Brot geben. Wer eine Arbeit sucht, der hat heutzutage Arbeit. Es wird aber „oben“ mit viel zu wenig Nachdruck verfolgt, dass die Leute wirklich arbeiten müssen/sollen – wenn sie nicht krank sind. Die Wirtschaft lebt vom tüchtigen Unternehmertum und braucht dafür Mitarbeiter.

Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?
Österreich ist für Unternehmen zurzeit nicht attraktiv. Der Staat müsste ganz andere Rahmenbedingungen schaffen, auch für die Gastronomie. Die Lohnnebenkosten müssen gesenkt werden, die Einkommens-, die Körperschaftssteuer. Gerade wie es bei mir ist- Leute über 60, die noch voll gesund sind, die noch arbeiten wollen, die am Zenit ihres Könnens sind, die werden in die Pension geschickt und werden doppelt besteuert. Dies ist ein Grund, warum sie später nicht mehr arbeiten wollen, obwohl sie dies möchten. Mir geht es zum Beispiel so: Ich werde doppelt besteuert, meine Pension wird dem Gewinn zugeschlagen u.s.w. Ich kenne viele Kollegen, die sagen: „Ich arbeite doch nicht für den Staat, ich bin ja nicht verrückt“. Das gehört geändert. Das kann nicht sein, dass ein Mensc, der zusätzlich arbeiten möchte doppelt besteuert wird, und andere liegen am Diwan. Die Wirtschaftskammer ist zu wenig aktiv. Es ist natürlich auch eine politische Schwierigkeit, viele Parteien sind in einer Koalition, es kann ja keine Partei etwas alleine durchsetzen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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