ÖBB machen Schluss mit Glyphosat

  • Mit dem Greentracker ab sofort 100 % glyphosatfrei unterwegs
  • Künstliche Intelligenz hilft mittels Grün- und Pflanzenerkennung beim sparsamen Einsatz von Pflanzenschutzmitte

Wien, 10.05.2022 – Als eines der größtes Klimaschutzunternehmen Österreichs leisten die ÖBB einen wichtigen Beitrag die Klimaziele 2040 zu erreichen. Um aber auch die Sicherheit des Bahnbetriebes für Kund:innen und Mitarbeiter:innen zu gewährleisten, müssen die ÖBB vorausschauende Vegetationskontrolle durchführen und rund 8.000 Gleiskilometer möglichst frei von Bewuchs zu halten. Seit der Saison 2022 erfolgt diese Arbeit bei den ÖBB nun zu 100 % glyphosatfrei.

„Bereits in den vergangenen Jahren konnten wir die bislang notwendigen Mengen an Glyphosat deutlich senken. Ab der Saison 2022 verzichten wir vorzeitig und im Sinne der Vorbildwirkung komplett auf Glyphosat. Damit machen wir Bahnfahren ein weiteres Stück umweltfreundlicher,“ sagt Andreas Matthä, ÖBB CEO.

Sicherheit an erster Stelle
Die ÖBB müssen die Gleisanlagen möglichst frei von Vegetation halten. Dazu sind sie eisenbahnrechtlich verpflichtet, um die Sicherheit der Kund:innen und Mitarbeiter:innen zu gewährleisten. So müssen etwa Signale und Eisenbahnkreuzungen gut sichtbar sein und Mitarbeiter:innen sich auf Randwegen und Verschubbahnsteigen frei bewegen können – und notfalls auch die Fahrgäste. Das Schotterbett muss für Luft und Wasser durchlässig sein und damit frei von Pflanzen gehalten werden, die sonst Wasser anstauen. So vermeiden die ÖBB Frostaufbrüche und der Gleiskörper bleibt stabil und tragfähig.

Einmal jährlich mit Pflanzenschutzmittel
Um das zu gewährleisten, werden die Gleisanlagen im Streckennetz der ÖBB im Zuge der chemischen Vegetationskontrolle derzeit einmal im Jahr mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die Saison dauert von Mitte April bis zirka Ende Juli. Die verwendeten Mittel sind für die Anwendung auf Gleisanlagen vom Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) zugelassen.

Punktgenaue, computergesteuerte Behandlung
Diese chemische Vegetationskontrolle mittels Pflanzenschutzmitteln gibt es nur in der sogenannten Intensivzone. Das ist der unmittelbare Gleisbereich, also Schienen, Schwellen, Oberbauschotter und daran anschließende Sicherheitsräume. In diesem Bereich setzen wir auch unsere größte Maschine ein, den Greentracker. Insgesamt kontrollieren wir jährlich fast 8.000 Gleiskilometer. Der Greentracker legt davon über 6.000 Kilometer zurück.

Ein weiterer Meilenstein für den frühzeitigen Ausstieg aus Glyphosat ist die Weiterentwicklung der Geräte zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln inkl. der selektiven Grün- und Pflanzenerkennung mit Hilfe von künstlicher Intelligenz bzw. „deep learning Algorithmen“. Der Green Tracker ist mit einer optischen, EDV-gestützten Grünerkennung ausgestattet und spritzt nur dort, wo seine Sensoren „Grün“ anzeigen – also dort, wo auch tatsächlich Pflanzenwuchs im unmittelbaren Gleisbereich vorhanden ist. So wird nur ein Viertel der befahrenen Strecke tatsächlich behandelt.

Darüber hinaus verfügt der Zug über zusätzliche Kameras, welche die Strecke erfassen. Dadurch ist sichergestellt, dass das Bedienpersonal eine gute Sicht auf die Strecke hat. Werden Personen im Nahbereich oder Eisenbahnkreuzungen erkannt, übernehmen Mitarbeiter:innen die Düsensteuerung und schalten die Düsen ab. Die Fahrten erfolgen zudem vorwiegend tagsüber.

Im Bereich rund um die Intensivzone sind Pflanzen sogar gut für die Stabilität des Bahndamms, sofern sie nicht zu hoch werden. Hier arbeiten wir mechanisch mit Mähraupen, mit der Hand oder an manchen Orten mit Unterstützung von Schafen, Ziegen und Kühen. Denn die Vegetation entlang der Gleise ist einzigartig und muss geschützt werden.

Weitere Alternativen im Test
Alternative Methoden der Vegetationskontrolle werden von den ÖBB bereits seit einigen Jahren intensiv getestet. Thermische und elektrische Methoden befinden sich in einem frühen Entwicklungsstadium und sind aus diversen Gründen noch nicht bahntauglich (z. B. Zulassung, Behandlungsbreite, Reichweite, Geschwindigkeit). Heißwasser zeigt beispielsweise eine gute Wirkung bei wiederholter Anwendung. Diese Methode benötigt allerdings sehr viel Energie sowie Wasser und kann derzeit nur sehr eingeschränkt Einsatz finden. Die ÖBB treibt die Entwicklung der neuen Methoden mit innovativen Forschungsprojekten voran. Sie steht im internationalen Austausch mit anderen Bahnbetreibern, um bei dieser für den gesamten Eisenbahnsektor gleichartigen Herausforderung, nachhaltige Lösungen zu finden.

©ÖBB- Tanzer

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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