Aktuelle Diskussionen gehen völlig am Thema vorbei – wir brauchen definierte Flächen für gemeinnützige Wohnbauprojekte

Im Rahmen des Verbandstages der gemeinnützigen Wohnbauträger in der Steiermark am 20. April wurden Christian Krainer und Wolfram Sacherer für weitere drei Jahre als Obleute des Dachverbands bestätigt. Der Auftrag für die kommenden Jahre ist klar: Die laufenden Anstren- gungen, rund um die Leistbarkeit des Wohnens zu verstärken, betonen Krainer und Sacherer, denn die Diskussionen gingen aktuell in die völlig falsche Richtung …

„Die laufenden Diskussionen rund um Bebauungsdichte und Wohnbau-Architektur in den Grazer Um- landgemeinden sind zwar nicht falsch, doch sie gehen völlig am eigentlichen Thema vorbei“, erklären Christian Krainer und Wolfram Sacherer, die am 20. April als Obleute des Verbands gemeinnütziger Wohnbauträger in der Steiermark (GBV) für weitere drei Jahre bestätigt wurden.

„Diese Diskussionen sind müßig, wenn sich den Wohnraum niemand mehr leisten kann. In erster Linie geht es darum, die Leistbarkeit für alle Bevölkerungsschichten sicherzustellen und diese we- sentliche gesellschaftspolitische Rolle kommt den Gemeinnützigen zu. Schließlich übernehmen sie die soziale Verantwortung und schaffen Strukturen für eine starke Gemeinschaft. Um das weiterhin zu gewährleisten, fordern wir definierte Flächen für den gemeinnützigen Wohnbau ein.“

Fondsverwalter als Hausherr?

Gerade im urbanen Raum ist Wohnraum ein knappes Gut und der Markt ohnehin schon überhitzt – eine Folge der zahlreichen Projekte durch Immobilienfonds.
„Für uns als Gesellschaft stellt sich die Frage, ob wir den Wohnbedarf der Bevölkerung oder jenen der Fondsverwalter decken wollen. Man muss unterscheiden zwischen dem Wohnbedarf und dem Wohnraum, den sich die Menschen leisten können. Das passt nämlich immer seltener zusammen. Unserer Erfahrung nach werden kleinere Wohnungen vor allem deshalb nachgefragt, weil jeder Quadratmeter Fläche auch höhere Wohnkosten zufolge hat. Am größten ist bei uns aber nach wie vor die Nachfrage nach leistbaren Familienwohnungen – und da sprechen wir naturgemäß von mehr als 30 Quadratmetern“, so Christian Krainer.

„Die Goldgräberstimmung bei manchen Wohnbauträgern wird von den aktuellen Veränderungen überlagert, doch es soll und darf auch nicht um Profite gehen, sondern im Zentrum muss stehen, ob für die Menschen leistbarer Wohnraum vorhanden ist“, betont Wolfram Sacherer.

Mieten von Gemeinnützigen weit unter Schnitt

Den Kundinnen und Kunden der gemeinnütziger Wohnbauträger geht es übrigens auch in der aktu- ellen Situation besser: Ihre Mieten liegen nach wie vor deutlich unter dem Durchschnitt. Eine „goldene Mietregel“ besagt schließlich, dass man im Schnitt nicht mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkom- mens für Mietkosten ausgeben sollte. Die Realität sieht jedoch anders aus. Mehr als ein Viertel der Mieterinnen und Mieter gibt inzwischen mindestens so viel aus, in der Regel aber deutlich mehr. Laut einer aktuellen Auswertung der Statistik Austria vom März 2022 betrug die durchschnittliche Miete inklusive Betriebskosten österreichweit im vergangenen Jahr 8,30 Euro pro Quadratmeter. Wer in eine Wohnung im privaten Mietsektor bewohnt, zahlt mit 9,70 Euro für den Quadratmeter noch mehr. Die Wohnungen von gemeinnützigen Wohnbauträgern schneiden mit 7,30 Euro je Quadratmeter

deutlich besser ab. Zur Wohnsicherheit durch die Gemeinnützigen trägt auch die Tatsache bei, dass die Wohnungen unbefristet vermietet werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Wohnungsgemein- nützigkeitsgesetz: Wesentlichen Anteil daran, dass leistbares Wohnen für künftige Generationen ge- sichert bleibt, hat auch das von den Gemeinnützigen eingesetzte und im Unternehmen zweckgebun- dene Eigenkapital.

Die gemeinnützigen, geförderten Wohnungen mit unbefristeten Mietverträgen wirken nachhaltig und sie bremsen außerdem den Preisdruck am Markt, auch wenn die aktuelle Situation mit Lieferengpäs- sen und kaum kalkulierbaren Preisschwankungen bei Baumaterialien auch die gemeinnützigen Wohnbauträger vor Herausforderungen stellt.

Gesellschaftspolitischer Auftrag

Es ist viel Einsatz hinter den Kulissen notwendig, um das vielschichtige und herausfordernde Thema Wohnbau in der Politik gut zu etablieren und zu vertreten. Eine Anstrengung, die die beiden Obleute des GBV Steiermark ganz im Sinne des gesellschaftspolitischen Auftrags der Gemeinnützigen ver- folgen: „Es wird immer schwieriger, Wohnen auf einem sozial adäquaten Level zu halten, die Rah- menbedingungen müssen laufend angepasst werden. Und das erfordert intensiven Einsatz für die Sache – für leistbares Wohnen und sozial adäquate Wohnkosten“, setzen sich Obmann Christian Krainer und Stellvertreter Wolfram Sacherer ein.

Die Gemeinnützigen versorgen breite Bevölkerungsschichten mit Wohnraum, legen großen Wert auf ausgewogene Bewohnerstrukturen, entwickeln neue Wohnformen für Seniorinnen und Senioren so- wie Menschen mit Behinderung, arbeiten partnerschaftlich mit ihren Kunden zusammen und sind Vor- reiter bei der Integration gesellschaftlicher Randgruppen.

Christian Krainer (links) und Wolfram Sacherer wurden für die nächsten drei Jahre als Ob- leute des Verbands gemeinnütziger Wohnbauträger in der Steiermark (GBV) bestätigt.

(Credit: kk)

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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