Bio in der Steiermark

Hans Seitinger:

„Bio-Produkte waren vor wenigen Jahren noch in einem überschaubaren Angebot vorhanden, jetzt sind sie in den Herzen der Menschen angekommen“, zeigt sich Agrarlandesrat Hans Seitinger über den Bio-Boom erfreut und, so der Landesrat weiter: „Durch die stetig steigende Nachfrage ist der biologische Landbau in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Bestandteil unserer heimischen Landwirtschaft geworden. Auch in Zukunft gilt: Wer Bio will, muss auch Bio kaufen und hierfür wird es eine gute Zukunft geben.“

Thomas Gschier:

Der Trend zu Bio erfreut nicht nur die österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern, sondern auch die Umwelt. „Der Griff zum Bio-Produkt zeigt, dass immer mehr Personen auf Klimaschutz am Teller setzen.  Die Bio-Landwirtschaft schützt aktiv Boden, Wasser und Klima. Durch den Konsum von Bio-Lebensmitteln wird jeder zum Klimaschützer und jede zur Klimaschützerin“, so Thomas Gschier Obmann von Bio Ernte Steiermark. Bio-Lebensmittel haben beim gegenwärtigen Ernährungsstil bei einem typischen Warenkorb ein sehr hohes Klimaschutzpotenzial. Die Umstellung auf Bio-Produkte würde rund 20 % der Treibhausgas (THG)-emissionen einsparen. Ist das konsumierte Bio-Produkt aus der Region können sogar 31% der Treibhausgase eingespart werden. Gschier ist sich sicher: „Durch die Gründung von Bio-Modellregionen wird nicht nur Bio aus der Region gestärkt und vorangetrieben, sondern auch Klimaschutz betrieben.“ Ändern wir unsere Ernährungsgewohnheiten indem wir Bio-Lebensmittel kaufen, den Fleischkonsum und die Lebensmittelabfälle reduzieren bringt das die höchsten Treibhausgas-Einsparungen. 

Gertraud Grabmann:

Die Bio-Landwirtschaft in der Steiermark wird durch die geplanten Bio-Modellregionen wichtige neue Impulse bekommen. Ausgehend vom Grottenhof als Bio-Zentrum der Steiermark wird damit Bio-Know-How in die Regionen getragen werden. Das ist sehr erfreulich, denn jeder Schritt in Richtung Bio ist richtig und zukunftsweisend – regional, national und auch in einem globalen Maßstab. Der jüngste Bericht des Weltklimarates (IPCC) zeigt, dass jetzt sofort in allen Sektoren dringend Maßnahmen zur Reduktion der Klimaerwärmung gesetzt werden müssen. Ansonsten droht das Ziel von 1.5 Grad Erwärmung zu begrenzen verfehlt zu werden.

Im Bereich der Landwirtschaft haben wir mit Bio ein bewährtes Werkzeug in der Hand, um den Klimawandel zu bekämpfen und gleichzeitig die drastisch zurückgehende Biodiversität zu schützen. Kreislaufwirtschaft und flächengebundene Tierhaltung, damit weitgehend unabhängige Futtergrundlagen für die Tiere sowie Unabhängigkeit von fossilen Grundstoffen – das sind extrem starke und zukunftsweisende Argumente für Bio.

BIO AUSTRIA Innovationspreis Bio-Fuchs 

Im Vorfeld der Pressekonferenz wurde von BIO AUSTRIA der Innovationspreis Bio-Fuchs an die diesjährigen Gewinner und Gewinnerinnen überreicht. Der Bio-Fuchs wird für herausragende Leistungen vergeben. Dieses Jahr stand alles unter dem Motto Biodiversität. Die GewinnerInnen lauten wie folgt:

Platz 1: 

Erster Platz: Zwei Betriebe, ein Ziel

Der Bio-Fuchs geht heuer an den Pur Natur Hof in Eggersdorf bei Graz und an Gelawi Jaklhof in Kainbach bei Graz. Die zwei Bio-Betriebe haben ein gemeinsames Ziel umgesetzt: Gesundes Bio-Gemüse und artgerechte Bio-Tierhaltung vereinen. Die Freilandschweine vom Pur Natur Hof unterstützen im Sommer das Team vom Gelawi Jaklhof beim Gemüseanbau. Sie befreien die Flächen von unerwünschten Wurzelbeikräutern, lockern die Erde auf und bereiten so alles für den nächsten Anbau vor. Im Herbst geht es wieder zurück nach Hause in ihr Gehege. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Nachahmen lohnt sich, findet die Jury.

Zweiter Platz: Einstreusystem mit Kniff (Salzburg) 

Den zweiten Preis holte sich der Bio-Hof Ibertsberger aus Seekirchen (Salzburg). Der Anbindestall am Bio-Betrieb Ibertsberger war in die Jahre gekommen. Es wurde ein neuer Laufstall mit Tiefstroh für die Milchkühe gebaut. Damit ein Tiefstreustall gut funktioniert, muss täglich nachgestreut werden – ohne die Unterstützung von Maschinen ein sehr arbeits- und zeitintensives Unterfangen. Kurzentschlossen baute Walter Ibertsberger sein eigenes Einstreusystem. Jetzt erledigt ein gebrauchter Miststreuer die Arbeit. Er fährt auf Knopfdruck auf Schienen über der Tiefstreulauffläche von einem Ende zum anderen. Die Einstreu wird so effizient und ohne viel Arbeits- und Zeitaufwand gleichmäßig verteilt.

Dritter Platz: Käse mit Beziehungen nach ganz Oben

Der dritte Preis geht ebenfalls in die Steiermark, nach Fehring.

Der Biobauer Ewald Wurzinger hat ein ausgefallenes Vermarktungskonzept für seinen Bio-Käse gesucht und gefunden – „CheeseUS“ war geboren. In Kooperation mit der Stadtpfarre Hartberg wurde neben der Kirche ein Käseladen eröffnet. Dadurch ist es gelungen, eine neue Zielgruppe anzusprechen und für Bio zu begeistern. Inzwischen vermarkten auch andere Bio-Betriebe aus der Region ihren Käse im Hofladen der etwas anderen Art. Ein Teil des Erlöses geht an die Pfarre und wird vorerst für die Renovierung der Kirche verwendet.

Bio Ernte Steiermark:

Bio Ernte Steiermark ist die Landesorganisation innerhalb des Verbandes BIO AUSTRIA. Mehr als 2.200 steirische Landwirte wirtschaften nach strengen Bio-Richtlinien von BIO AUSTRIA hinsichtlich Produktion und Kontrolle und fühlen sich sowohl der Natur als auch den Mitmenschen verpflichtet. Sie übernehmen Verantwortung gegenüber den Tieren und ihren Bedürfnissen. Oberstes Ziel ist der Erhalt der Lebensgrundlagen für alle.

Quelle: Zamecnik et al., 2021

Fotos: Johannes Pelleter

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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