Altaussee: Der Dorffrieden ist empfindlich gestört

Hat vor 2 Jahren die geplante Zufahrtsstraße vom Pötschen ins Gebiet der Loser Bergbahnen für Aufregung gesorgt, so ist es nun der geplante Neubau der Loser Kabinenbahn, der die Geister spaltet. Er wird von einer breiten Mehrheit aus ÖVP und SPÖ im Gemeinderat unterstützt (beide Parteien halten bei insgesamt 11 Mandaten), dagegen arbeitet der „Dialog Lebenswertes Altaussee“ (4 Mandate). Im Gemeinderat ist auch diskutiert worden, ob die Ennstaler Initiative „NETT“, die bezüglich Kabinenbahn den juristischen Weg über eine Wiener Kanzlei beschritten hat, von selbst auf diese Idee gekommen ist? Vom Dialog gab es dazu in der Gemeinderatssitzung, bei der das Ausseer Regionalfernsehen anwesend war, keine Stellungnahme.

Nun hat ein Bericht im heimischen Boulevard Staub aufgewirbelt. Dabei ist überhaupt nichts Neues passiert, der Status quo ist gegeben: Das Land prüft, ob die Kabinenbahn UVP – pflichtig ist oder nicht (Feststellungsverfahren – Dauer maximal 6 Wochen). Die Ennstaler Initiative Nett hat eine Wiener Kanzlei beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, ob der Bau UVP – pflichtig ist oder nicht. Wenig überraschend: Das Gutachten geht davon aus, dass dies der Fall ist. Alles bekannt. Was die meisten allerdings nicht registriert haben: Selbst wenn das Land Steiermark die Kabinenbahn als nicht UVP – pflichtig einstuft, kann juristisch der Weg zum Verwaltungsgerichtshof beschritten werden. Spätestens dann ist eine Verzögerung gegeben, wenn das juristische Verfahren bauaufschiebende Wirkung hat. Aber das ist momentan nicht klar.

Mittlerweile brodelt es in der Losergemeinde. Viele meinen, dass der Bau in Zeiten des Klimawandels doppelten Sinn macht, denn Schneesicherheit wird es irgendwann nur mehr in großen Höhen geben. Viele befürchten weiters, dass die Schisaison im nächsten Winter wackelt, denn die Konzession für einen Sessellift ist ausgelaufen. Und viele sehen es als nicht wünschenswert, dass eine Ennstaler Initiative bestimmen will, was auf dem Loser passieren soll, wo es doch vor Ort reichlich Handlungsbedarf gebe. Gerade letzteres Argument wird zunehmend ins Treffen geführt. Die Diskussion hat jetzt an Schärfe zugenommen, teilweise wird sie in den Sozialen Medien geführt, aber auch vor Ort sehr intensiv betrieben, nicht immer sachlich, sondern oft auch emotional – viele machen sich nicht nur Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft des Ortes, sondern auch um den sozialen Frieden im Dorf.

Rainer Hilbrand

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Comments

  1. Geschätzter Herr Hilbrand, lieber Rainer!
    Genau an jenem Tag, dem 15.12.2021, bei der der ARF anwesend war, konnte man schwarz auf weiß die Verbindung zu NETT in der Kleinen Zeitung lesen, allerdings wurde dies mit einem Lächeln als Unwahrheit und Lüge seitens des Verfassers des Artikels, Christian Huemer abgewunken! Eine Entgegnung konnte man aber bis Dato nirgends lesen – verwunderlich!
    Viel mehr ist mir aufgefallen, wie gut manche „zufällig“ Bescheid wussten, auch darüber, dass sich eine zertifizierte Umweltorganisation, wie NETT eine ist, in regelmäßigen Abständen neu zertifizieren lassen muss und dazu braucht sie den Nachweis, dass sie sich entsprechend in derartige Verfahren einbringt.
    Mir fällt im Ort auf, dass sich die Bewohner um ihren Loser Sorgen machen, sonst wäre wohl Seinerzeit kaum die Crowdfunding Aktion so ein Erfolg gewesen und dadurch der Fortbetrieb erst möglich gewesen!

  2. Jetzt sind wir genau dort, wo uns der Dialog Altaussee haben wollte, unschuldig in den Mühlen der juristischen Instanzenzüge. Eines sei vorab gesagt, es wird eine Baugenehmigung für die Loser Panoramabahn geben, die Frage ist nur wann.

    Kurz zur Geschichte. Im Frühjahr 2021 wurde den Loser Bergbahnen eine freiwillige UVP mit der Begründung „Eine UVP auf Wunsch gibt es nicht, noch dazu, wenn die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht gegeben sind“ verwehrt. Im weiteren Verlauf wurden umfangreiche Naturschutzgutachten erstellt. Im Dezember kam es zur Einreichung dieser Gutachten beim Land Steiermark. Aufgrund der geringfügigen Auswirkungen auf Natur und Umwelt, wurde die Zuständigkeit vom Land an die BH Liezen übertragen und ein Monat später postwendend an das Land Steiermark retourniert. Bis März geschah dann bei der angeschlagenen Abteilung 13 gar nichts. Obwohl die Mitarbeiter der Abteilung 13 selbst, die Landesumweltanwältin und die Naturschutbeauftragte noch sagten, dass das Projekt Loser Panoramabahn, weder einzeln noch kumuliert UVP-pflichtig ist, wurde ein UVP-Feststellungsverfahren eingeleitet.

    Und jetzt kommt die juristische Spitzfindigkeit auf die der DLA abgezielt hat! Nach der negativen Feststellung, dass das Projekt nicht UVP-pflichtig ist, können gelistete NGO’s wie zum Beispiel die NETT den Bescheid anfechten und wir landen beim Bundesverwaltungsgerichtshof und die Genehmigung wird weiter verzögert. Wenn dann sogar von EuGH etc. gesprochen wird, verdreht es jedem rechtschaffenden Österreicher den Magen.

    47 Loser Bergbahnen Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz und 19 davon werden aus jetziger Sicht, wegen der Verzögerungen, sowieso zur Kurzarbeit angemeldet in einer Region, die ohnehin strukturschwach ist und vom Land Steiermark vergessen wird.

    Eines soll dir, Martin Dämon, und deinen Kollegen vom DLA klar sein, früher oder später wird es eine Baugenehmigung geben und alles wird gut. Wir werden weiterhin am Loser Skifahren, Arbeiten und Erleben. Euch wird nur die Missgunst und der bereits entstandene Hass einer ganzen Region bleiben.

    Ursula Lackner von der SPÖ sollte hinterfragen, wie ein solcher regionaler Supergau von der ihr geführten Abteilung 13 mit sozialdemokratischen Werten vereinbar ist, nach Pandemie und in ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Zeiten.

    Eines ist klar, wir, die Loser Bergbahnen stehen zu 100% hinter unseren Mitarbeitern und den abhängigen Betrieben am und um den Loser. Einen großen Dank an die unzähligen Personen, von denen wir derzeit enorme Unterstützung bekommen und vor allem an Dr. Hannes Androsch der weiterhin an die Zukunft des Loser’s und dem Engagement unserer Mitarbeiter festhält. Der Loser, die Altausseer Betriebe, die Vereine und unzählige Einzelpersonen werden weiter für den Fortbestand unseres Skigebiets kämpfen.

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