Steirische Wurzeln verbinden: Stiftsmuseum Admont eröffnet Sonderausstellungen

Am kommenden Samstag, 19. März, startet das Stiftsmuseum Admont mit gleich zwei hochkarätigen Sonderausstellungen in die diesjährige Saison. Der enge Bezug zur Steiermark verbindet Kunst aus der Gotik und der Gegenwart.

Das Stiftsmuseum Admont rückt steirisches Kulturgut ins Rampenlicht. Und das in gleich zwei Ausstellungen. Im Vorjahr haben die beiden Kaiser „Wir Friedrich III. & Maximilian I. – Ihre Welt und ihre Zeit“ einen wahren Run auf die gleichnamige Sonderausstellung ausgelöst. „Der große Zuspruch und die zahlreichen Nachfragen um Verlängerung haben uns zu einer Neuauflage der wohl bedeutendsten Sonderausstellung, die das Stiftsmuseum je gezeigt hat, bewegt“, sagt Abt Gerhard Hafner.Exponate aus dem Benediktinerstift Admont und der Sammlung Mayer werden durch Leihgaben aus ganz Österreich, Südtirol und Deutschland ergänzt und geben einen spannenden Einblick in die Welt, die Zeit und das Umfeld der beiden Habsburger Persönlichkeiten. Die Präsentation besteht aus einer Folge von drei Ausstellungsräumen, die auf den thronenden Kaiser Friedrich III. zuführen. Ausdrucksstarke Portraits, Tafelbilder und Skulpturen, Waffen und Rüstungen, Prachturkunden und Siegel, Totenschilder, epigrafische Besonderheiten und bedeutende Handschriften zeigen das Weltbild, den Glauben, das blühende Handwerk sowie die Wohn- und Tafelkultur des 15. und des frühen 16. Jahrhunderts. Ein absolutes Highlight der völlig neu arrangierten Ausstellung: „Der Wappenstein Friedrichs und seiner Gemahlin Eleonore von Portugal“, wie Barbara Eisner-B. erklärt, denn „mit diesem 1452 datierten Exponat lässt sich die gesamte Lebensgeschichte des Kaisers erzählen“, so die Kuratorin. Der enge Bezug zur Steiermark zeigt sich im Fundort. Ursprünglich war der Wappenstein in das Mauerwerk der Grazer Burg eingelassen und kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in das Universalmuseum Joanneum. Für die Admonter Sonderausstellung wurde er konserviert und erforscht. Die Dokumentation des Forschungsprojektes ist auf Schautafeln anschaulich erklärt und rückt das diesjährige Motto der Sonderausstellung in den Fokus: „Kulturgut bewegt!“ Ebenso wie die Schautafeln schlagen auch Videostationen von Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen Fachbereichen eine Brücke vom späten Mittelalter in die Neuzeit. Sie erweitern den Begegnungsraum der ausgewählten Exponate und ermöglichen eine ganz spezielle Erlebnistour. 

Die Steiermark setzt Impulse

In der Sammlung für Gegenwartskunst begibt man sich heuer auf Spurensuche. „Steirische Wurzeln“ heißt die diesjährige Sonderausstellung, die zurück ins Jahr 1997 führt. Damals hat das Stiftsmuseum begonnen, Gegenwartskunst junger österreichischer Künstler und Künstlerinnen zu sammeln. 2003 wurde diese neue Sammlung erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Schon damals war auffällig: Vieler dieser Kunstwerke nehmen ihren Ursprung in der Steiermark. Diese Konzentration sei zwar nie beabsichtigt gewesen, doch die schon damals so bedeutende Rolle der steirischen Kunst in der österreichischen wie internationalen Szene, käme nicht von ungefähr, so Braunsteiner. „Die Steiermark setzt seit Jahrzehnten wichtige Impulse im Bereich der bildenden Kunst“, weiß der Kurator. Die Entwicklung des Kulturlandes Steiermark steht im Zentrum der diesjährigen Sonderausstellung. Namhafte Künstlerinnen und Künstler mit engem Steiermark-Bezug stellen die Bedingungen ihrer künstlerischen Produktion in der Vergangenheit und der Gegenwart gegenüber und geben Ausblick in die Zukunft. 30 Kurzvideos, mittels QR-Code abrufbar, laden ein, sich dieser Diskussion anzuschließen, denn „das Thema liegt in der Luft“, wie Braunsteiner betont. Als Inhaber des wohl kontrastreichsten Privatmuseums Österreichs ist das Benediktinerstift Admont bemüht, seinen Teil zur Produktion, Wahrnehmung und Vermittlung steirischer Kunst wahrzunehmen. Nicht umsonst sind viele der gezeigten Werke „Made for Admont“, denn seit über 20 Jahren gibt das Stiftmuseum auch Kunstwerke in Auftrag.

Kunst im Naturhistorischen Museum

Dass sich der Steiermark-Bezug in diesem Jahr wie ein roter Faden durch das ganze Museum zieht, zeigt sich auch an den Werken der in Deutschland geborenen und kürzlich nach Graz übersiedelten Künstlerin Nikola Irmer. Ihre Werke sind in dieser Saison im Naturhistorischen Museum zu sehen und zeigen Ausschnitte aus zoologischen Sammlungen und Depots. Diese sind zwar nicht in Admont entstanden, sondern entstammen der Zusammenarbeit mit anderen Museen, unter anderem in Oxford, Florenz, Wien, Berlin, Leiden. Ein künftiges „Made for Admont“-Projekt mit Bezug zur hauseigenen Sammlung ist jedoch angedacht.

Herzensdinge mit Seele

Heribert Friedl hat in diesem Jahr den Raum für Künstlerische Intervention im Kunsthistorischen Museum gestaltet. Der in Feldbach geborene Künstler beschäftigt sich schon lange mit Duftstoffen und deren Wirkung. Mit seiner raumbezogenen Installation zeigt er, wie Kleidungsstücken innewohnende unsichtbare Informationen die Erinnerung an einen geliebten, verstorbenen Menschen wachrufen können. Heribert Friedl spricht auch vom Duft der Zeit, der in diesen Dingen seinen Niederschlag gefunden hat. Vor dem Hintergrund seiner Auseinandersetzung mit dem koreanisch-deutschen Philosophen, Kulturwissenschaftler und Autor Byung-Chul Han meint er: „Die Geschichte, die den Dingen durch einen langen Gebrauch zuwächst, beseelt sie zu Herzensdingen.“

Memoria und Message Control

Mit dem Thema „Macht und Neue Medien an der Schwelle zur frühen Neuzeit“ beschäftigt sich die diesjährige Sonderausstellung im Handschriftenraum. Sein Tod und sein Nachruhm haben Kaiser Maximilian I. mehr als beschäftigt, weshalb er Gelehrte und Künstler beauftragte, von seinen Taten in Wort und Bild zu berichten. Geschickt ließ er historische Fakten in ein fiktionales Gewand verpacken. So entstanden unter anderem die Abenteuer von Ritter Theuerdank und der Freydal, ein Turnierbuch, das die Lebensgeschichte des noch jungen Kaisers nacherzählt. Dass es Maximilian I. nicht nur um breite Vervielfältigung, sondern vor allem auch um Perfektion ging, zeigen die Buchstaben einer eigens entworfenen Schrift, die den „Theuerdank“ mit vielen Schmuckelementen zieren. Darüber hinaus enthält das Werk zahlreiche Holzschnitte, die von prominenten Künstlern jener Zeit angefertigt wurden.

Öffnungszeiten

Unser Museum ist geöffnet von 19. März bis 30. Dezember 2022 im

April, Mai, Juni und Oktober von Mittwoch bis Sonntag: 10:30 bis 15:30 Uhr

März, November und Dezember von Freitag bis Sonntag: 10:30 bis 15:30 Uhr

Juli, August und September von Montag bis Sonntag: 9 bis 17 Uhr

Foto: Stift Admont

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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