Steirische Jungbauern zum Ukraine-Krieg: „Flächen nachhaltig nutzen, Abhängigkeiten nicht weiter dulden“

(Graz, 11. März 2022) Da die Ukraine, Europas Kornkammer, auf unabsehbare Zeit ausfällt,
werden Exporte von Getreide, Mais, Soja oder Obst in nächster Zeit kaum möglich sein.
Dadurch entstandene Unsicherheiten und knappes Angebot lassen die Preise auf den
heimischen Agrarmärkten durch die Decke gehen. Der Preis für Weizen liegt bei über 380
Euro je Tonne, der für Mais bei über 360 Euro je Tonne und der Preis für einen Liter Diesel
bei über 2 Euro.


Essen UND Klimaschutz sichern
Den Menschen in der Ukraine und auch im Nahen Osten und Nordafrika droht dadurch jetzt
eine Hungerkrise. Wir müssen jetzt alles tun, um den Menschen in der Ukraine zu helfen und
die Versorgung mit Lebensmitteln in Österreich und Europa zu sichern. Das heißt für uns
Jungbäuerinnen und Jungbauern, dass wir den Weg der Ökologisierung konsequent
weitergehen und möglichst alle Flächen für die Lebensmittelproduktion nutzen wollen.


Alle verfügbaren Flächen nutzen
Eine Flächen- und somit Ertragsreduktion, wie sie im Green Deal vorgesehen ist, wäre jetzt
die falsche Antwort auf diese Krise. Vielmehr fordern wir ein vorübergehendes Aussetzen der
vierprozentigen Flächenstilllegung. Zudem fordern wir einen Stopp für die Verbauung
wertvoller Ackerflächen mit Photovoltaikanlagen und die konsequente Verfolgung des
Zielpfades von 2,5 Hektar/Tag.
„Lieber Flächen nachhaltig nutzen, anstatt Flächen stillzulegen und Abhängigkeiten bei
Lebensmitteln, Rohstoffen und Energie weiter zu dulden“, sagt der Obmann der steirischen
Jungbauern Ralf Wagner.


Märkte stabilisieren
Da die Lage auf Grund des Krieges unsicher bleibt, braucht es klare politische Ansagen für
die in wenigen Wochen beginnende Aussaat. Sollten die Agrarmärkte weiterhin Achterbahn
fahren und heimische Landwirte ihre Rechnungen für Tierfutter oder Treibstoff nicht mehr
bezahlen können, soll der im Landwirtschaftsministerium eingerichtete Krisenstab rasch
eingreifen und stabilisieren.


Mehr Unterstützung für grüne Energie
Der Ukraine-Krieg verdeutlicht auch die drastische Import-Abhängigkeit von Russen-Gas.
Biogas könnte Energieversorgung in Österreich stützen, denn Biogasanlagen sind eine
strategische Kraftstoffreserve, da das nachhaltige Gas saisonal gespeichert werden kann und
flexibel nutzbar ist. Alleine mit organischen Abfällen wäre es möglich 20 Prozent des
inländischen Erdgasbedarfs zu ersetzen. Ca. 100 Millionen Kubikmeter Biomethan könnten
kurzfristig durch Umrüstung der bestehenden Biogasanlagen auf Gaseinspeisung zur
Verfügung gestellt werden. Wir fordern Energieministerin Leonore Gewessler auf, jetzt rasch
einen langfristigen gesetzlichen Rahmen für Biogas und grünes Gas zu schaffen und nicht bei
der erstbesten Gelegenheit die biogenen Energieträger aufs Abstellgleis zu stellen.

(c)STEIRISCHER BAUERNBUND

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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