VCÖ fordert Maßnahmenpaket zur Reduktion der Erdölabhängigkeit des Verkehrs

Angesichts der stark steigenden Spritpreise fordert der VCÖ die rasche Umsetzung eines Maßnahmenpakets, um die Erdölabhängigkeit des Verkehrs zu reduzieren. Im Vorjahr wurden im Schnitt jede Woche über 180 Millionen Liter Diesel und Benzin in Österreich getankt. Der VCÖ betont, dass bereits kurzfristig der Verbrauch deutlich reduziert werden kann. Wirksame Maßnahmen sind unter anderem zusätzliche Öffi-Verbindungen, Pop-Up-Radwege in Städten, temporär reduzierte Tempolimits sowie die Umsetzung der im Regierungsprogramm verankerte Mobilitätsgarantie.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine treibt die Spritpreise in Rekordhöhen. „In den vergangenen 50 Jahren haben immer wieder Kriege und globale Krisen zu sprunghaften Preisanstiegen beim Erdöl geführt. Anstatt das Problem zu lösen und die Erdölabhängigkeit des Verkehrs zu reduzieren, wurden lediglich Förderungen fürs Autofahren erhöht. Heute kommt es uns teuer, dass nicht schon viel früher wirksame Maßnahmen umgesetzt wurden. Umso wichtiger ist es, jetzt rasch zu handeln, und den Verkehr aus der Erdölfalle zu befreien“, drängt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer auf rasche Maßnahmen.

Allein im Vorjahr wurden in Österreich 9,7 Milliarden Liter Benzin und Diesel getankt. Rund ein Drittel davon flossen in die Tanks der Autos von Österreichs Haushalten. Der Rest verteilt sich auf betriebliche Fahrzeuge, auf Lkw, Busse und auf Fahrzeuge aus dem Ausland. „Der Trend der Autohersteller zu schweren und übergewichtigen Auto-Modellen kommt den Autofahrenden jetzt teuer. Wäre der schon Anfang der 90er Jahre versprochene 3-Liter Verbrauch heute Standard, würden die Autos mit einer Tankfüllung doppelt so weit kommen“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Mosshammer. Der reale Verbrauch der Diesel-Pkw von Österreichs Haushalten ist seit dem Jahr 2000 um nur einen halben Liter auf 6,5 Liter pro 100 Kilometer gesunken.

In Österreich tanken die wohlhabensten 10 Prozent der Haushalte 7 Mal so viel Sprit wie die 10 Prozent der Haushalte mit niedrigstem Einkommen, wie der Report „Klimagerechtigkeit“ von Greenpeace zeigt. Von einer Gießkannen-Förderung, wie eine Aussetzung der Mehrwertsteuer, profitieren damit Haushalte mit hohem Einkommen am stärksten. Fast die Hälfte des Einkommensviertels mit dem niedrigsten Einkommen besitzt kein Auto, wie Daten der Statistik Austria zeigen. Es braucht daher bessere Lösungen, betont der VCÖ.

Nötig ist ein Bündel von Maßnahmen, auch kleinere, die in Summe den Verbrauch deutlich reduzieren, betont der VCÖ. Kurzfristig wirksam zur Verringerung der Spritkosten sind temporäre Tempolimits wie Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen sowie Tempo 100 statt 130 auf Autobahnen.

Der VCÖ sieht sowohl den Bund, als auch die Länder, Städte und Gemeinden gefordert, Maßnahmen zu setzen, die es ihrer Bevölkerung einfacher machen autofrei mobil zu sein. Auf Bundesebene ist die im Regierungsprogramm verankerte Mobilitätsgarantie umzusetzen. Mobilitätsgarantie heißt, gut mobil sein zu können, ohne ein Auto besitzen zu müssen. Das öffentliche Verkehrsangebot ist sowohl in den Ballungsräumen als auch in den Regionen auszubauen. Neben häufigeren Verbindungen braucht es in den Regionen auch nachfrageorientierte Angebote, wie Anrufsammeltaxis und Gemeindebusse sowie Sharing-Angebote.

Der Ausstieg aus Diesel und Benzin ist bei Neuwagen zu beschleunigen. Im Februar waren 13 Prozent der Neuwagen reine Elektro-Autos, in Norwegen waren es bereits im Vorjahr über 60 Prozent. Derzeit gibt es in Österreich knapp mehr als 80.000 Pkw, die ausschließlich mit Strom fahren, das sind fast doppelt so viele wie Ende 2020.

Kurzstrecken sind besonders große Spritfresser. Vier von zehn Autofahrten in Österreich sind kürzer als fünf Kilometer. „Die Rad-Infrastruktur ist rasch zu verbessern und zwar so, dass Familien mit Kindern sicher unterwegs sein können. Eine Lehre aus der Covid-19 Pandemie ist, dass Pop-Up Radwege eine wirksame Maßnahme sind, die von Städten rasch umgesetzt werden können“, erinnert VCÖ-Expertin Mosshammer.

Betriebe und Unternehmen sind aufgerufen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Fahrten zur Arbeit zu unterstützen. Die möglichen Maßnahmen sind vielfältig: Öffi-Jobticket oder Jobrad zur Verfügung stellen und Homeoffice ermöglichen. Wer bei einer 5-Tageswoche einen Homeoffice Tag machen kann, reduziert seine Spritkosten für den Arbeitsweg um 20 Prozent, bei zwei Homeoffice-Tagen um 40 Prozent, verdeutlicht der VCÖ.

„Die Erdölpreise am Weltmarkt können wir nicht beeinflussen, sehr wohl aber können wir unseren Spritverbrauch reduzieren. Und je weniger Diesel und Benzin wir verbrennen, umso weniger Geld fließt in die Kassen despotischer Regime“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer. Als Einzelperson kann man mit spritsparendem Fahrstil den Verbrauch um 15 bis 20 Prozent senken, Fahrgemeinschaften bilden, kurze Strecken zu Fuß oder mit Fahrrad zurücklegen und,  wenn es möglich ist, auf Öffis umsteigen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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