Faschingdienstag im Ausseerland Salzkammergut: Arbeitertrommelweiber, Flinserln, Pless….

Der Faschingdienstag ist normalerweise der Höhepunkt des Fasching in der Region. Heuer hat zwar pandemiebedingt einiges gefehlt, nichtsdestotrotz gab es viel Sehenswertes.

Trommelweiber gehören im Ausseerland zum Fasching wie der Schnee zum Winter. Während sich Gäste rundum über die lauten Gestalten freuen, weiß der Ausseer, dass Trommelweib nicht gleich Trommelweib ist. Die Ausseer Arbeitertrommelweiber sind die zweitältesten. Im Gegensatz zu den schon seit 1767 durch die Stadt ziehenden „Markter Trommelweibern“ gibt es die Arbeitertrommelweiber erst seit 1928. Die „Markter Trommelweiber“ sind der Überlieferung nach aus dem Spott der Bürgersleute Aussees über deren Frauen entstanden. Diese haben die Männer spät nachts, gekleidet in ihren Nachtgewändern, förmlich aus den Wirtshäusern nach Hause „getrommelt“. 

Die Ausseer Flinserln präsentieren sich als das absolute Gegenstück zu den Trommelweibern. Während letztere derb und bieder sind, zeigen die Flinserln Hochmut und Eleganz. Männlein wie Weiblein verbergen sich hinter Larven, sind in kostbare Gewänder gehüllt, schreiten am Faschingsdienstag manierlich einher und werden von einer kleinen Musikantengruppe begleitet, die auf Geige und Flöte artige Weisen spielt. Dabei werden sie von einer einfachen Maske, dem „Zocherl“, gleichsam als Leibwächter begleitet. Er trägt an einem Stock mit Schnürl eine aufgeblasene Schweinsblase, mit der er das fürwitzig herandrängende gemeine Volk auf Respektabstand hält.

Ganz gelingt es einem Ausseer Flinserl aber doch nicht, kühle venezianische Distanz zu wahren, vor allem wenn die Kinder „Nuss, Nuss!“ rufen und die tänzendeln Flinserln ihre Gabensäcke öffnen müssen. – Ehe die Kinder aber etwas bekommen, haben sie einen der seit altersher überlieferten Faschingsverse fehlerfrei aufzusagen.

Jedes Flinserlkostüm ist ein wertvolles Einzelstück. Alle Figuren werden aus farbigen Stoffen ausgeschnitten, auf das Leinenkleid genäht und mit Silberplättchen verziert, die dem Kostüm einen besonderen Glanz verleihen. Ganz unten am Rocksaum oder an den Hosenbeinen befinden sieh rundum Figuren – zum Beispiel ein Altsteirer Tanz. Dann ziehen sich Ornamente hinauf bis über den Spenzer. Da gibt es den Mohrenkopf, Schmetterlinge, Blüten, Herzen, Gockelhahn und Gams, Äpfel, Möhren, Karo und Pick.

All dies wird in vielen Arbeitsstunden mit Silberplättchen umnäht, die den schimmernden Glanz ausmachen. Die vielfach gefältelte Halskrause, die über den Kopf gezogene Haube („Gugel“) mit Augenlöchern und aufgenähter Stoffnase, obenauf der Spitzhut mit Glanzstreifen vervollständigen das Kostüm des Flinserls.

Die Flinserln gibt es seit 1768, und es scheinen mit den Salzfuhrleuten venezianische Stilelemente ins Ausseerland gekommen zn sein; ganz verbürgt ist dies aber nicht.

Nur ein Ausseer Bürger darf sich anmaßen, als Flinserl aufzutreten, und die wertvollen Kostüme werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Pless ist eine Figur, dieam Faschingsdienstag auftritt. Sie symbolisiert den Winter. Ihr Kostüm besteht aus alten wattierten Kleidern und einem Bienenkorb, der auf dem Kopf getragen wird. In der Hand hat die Pless eine Stange, an der ein Fetzen befestigt ist, mit dem ZuseherInnen etwas abbekommen. Die Kinder versuchen unter lautem „Pless, Pless“-Rufen die Pless und somit den Winter mit Schneebällen zu verjagen.

Fotos:©ARF/Herbert Dobek

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Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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