VCÖ: Auf drei Viertel der steirischen Autobahnen und Schnellstraßen im Vorjahr bereits mehr Lkw-Verkehr als vor Covid-19-Pandemie

VCÖ fordert Klimabonus für Betriebe, die ihre Güter mit Bahn statt Lkw transportieren

VCÖ (Wien, 25. Februar 2022) – Der Lkw-Verkehr hat in der Steiermark im Vorjahr massiv zugenommen. Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt, dass auf vielen Abschnitten der steirischen Autobahnen und Schnellstraßen mehr Lkw unterwegs sind als vor der Covid-19 Pandemie. Die massive Zunahme des Lkw-Verkehrs führt zu mehr CO2-Ausstoß. Um die Klimaziele erreichen zu können, muss aber auch der Güterverkehr seine Emissionen deutlich reduzieren. Die Mobilitätsorganisation VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen zur Reduktion der Lkw-Lawinen, unter anderem einen Klimabonus für Betriebe, die ihren Transport von der Straße auf die Schiene verlagern.

Knapp mehr als drei Millionen Lkw wurden im Vorjahr auf der A9 bei Schwarzlsee gezählt, so viele wie sonst nirgendwo in der Steiermark. Hier waren um 14 Prozent mehr Lkw unterwegs als im Jahr 2020 und um elf Prozent mehr als im Vor-Covid-Jahr 2019, informiert die Mobilitätsorganisation „VCÖ – Mobilität mit Zukunft“. Ein Teil dieser Lkw-Transporte wird beim Terminal Graz auf Schiene gebracht. Bei Spielfeld waren auf der A9 mit 1,33 Millionen um fast zehn Prozent mehr Lastwagen unterwegs als im Jahr 2020.

Auf der A2 war bei Feldkirchen die Anzahl der Lkw mit über 2,8 Millionen am höchsten, eine Zunahme um rund 7 Prozent gegenüber dem Jahr 2020 und um rund sechs Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Auch auf den anderen Abschnitten der A2 in der Steiermark nahm der Lkw-Verkehr stark zu, etwa auf der Laßnitzhöhe um rund neun Prozent gegenüber dem Jahr 2019 auf über 2,6 Millionen, wie die VCÖ-Analyse zeigt.

Auch auf den steirischen Schnellstraßen nahm die Lkw-Belastung im Vorjahr deutlich zu, etwa auf der S35 bei Peggau auf 15 Prozent. Aber es waren auf der S6 und S35 noch weniger Lkw unterwegs als im Jahr 2019, auf der S36 hingegen mit rund 730.000 um fast 10.000 mehr als im Jahr 2019, berichtet der VCÖ.

„Mehr Lkw-Verkehr bedeutet mehr Lärm und mehr Schadstoffe für die Anrainerinnen und Anrainer, mehr Straßenschäden durch die Schwerfahrzeuge und damit häufigere Baustellen. In der Vergangenheit glaubte man mit Straßenausbau das Problem verringern zu können. Das Gegenteil war der Fall, der Lkw-Transit hat noch stärker zugenommen, weil die Lkw schneller vorangekommen sind. Deshalb braucht es endlich wirksame Maßnahmen, die die Lkw-Belastung verringern“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Ein zentraler Hebel ist die verstärkte Verlagerung auf die Schiene. Dafür ist es wichtig, dass Güter direkt vom Betrieb weg auf die Schiene kommen. In Österreich hat sich die Zahl der aktiven betrieblichen Gleisanschlüsse zwischen 2010 und 2020 um ein Drittel reduziert. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um eine Trendwende zu schaffen. So sollten Betriebe, die ihre Güter von der Straße auf die Schiene verlagern einen Klimabonus erhalten. Immerhin werden die CO2-Emissionen pro 1.000 Tonnenkilometer, die mit der Bahn statt dem Lkw transportiert werden, um 94 Prozent verringert. Zudem ist die bestehende Ungerechtigkeit, dass zwar die Straße zum Betrieb zur Gänze von der Öffentlichen Hand bezahlt wird, beim Gleisanschluss aber nur ein Teil davon, rasch zu beseitigen.

Auch mehr Lkw-Kontrollen sind wichtig, denn die Missachtung von arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen, macht den Lkw-Transport billiger und führt damit wiederum zu mehr Lkw-Verkehr, betont der VCÖ. Zudem ist dies unfair gegenüber jenen Frächtern, die sich an die Regeln halten. Auch ist die Einhaltung des Tempolimits – für Lkw gilt Tempo 80 – verstärkt zu kontrollieren, die Toleranzgrenze ist so wie in der Schweiz zu reduzieren.

Wesentlich sind auch Maßnahmen auf EU-Ebene. Derzeit verursacht der Lkw-Verkehr in der EU über 190 Milliarden Euro an Kosten, die nicht die verursachenden Lkw bezahlen, sondern auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. „Die fehlende Kostenwahrheit führt dazu, dass Waren kreuz und quer durch Europa transportiert werden und die rechte Spur auf Autobahnen zur rollenden Lagerhalle wird. Leidtragende sind auch regionale Produzenten und Landwirte. Die Politik muss hier zum Schutz der Bevölkerung endlich gegensteuern“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer, (0699)18932695

VCÖ: Auf der A2 beim Schwarzlsee waren im Vorjahr in der Steiermark die meisten Lkw unterwegs (Lkw im Jahr 2021 (Änderung zum Jahr 2020 / Änderung zum Jahr 2019))

A9 Schwarzlsee: 3,07 Millionen Lkw (plus 14,2 Prozent / plus 11,3 Prozent)

A2 Feldkirchen: 2,85 Millionen Lkw (plus 7,4 Prozent / plus 6,3 Prozent)

A2 ASt Laßnitzhöhe: 2,67 Millionen Lkw (plus 8,5 Prozent / plus 9,1 Prozent)

A2 Pirching An Der Raab: 2,45 Millionen Lkw (plus 7,5 Prozent / plus 8,7 Prozent)

A2 ASt Sinabelkirchen: 2,14 Millionen Lkw (plus 8,2 Prozent / plus 10,8 Prozent)

A9 Plabutschtunnel: 2,05 Millionen Lkw (plus 10,4 Prozent / plus 8,3 Prozent)

A9 Spielfeld: 1,33 Millionen Lkw (plus 9,8 Prozent / plus 9,4 Prozent)

S10 Götschka: 886.000 Lkw (plus 7,9 Prozent / keine Vergleichsdaten)

S36 Zmöllach: 730.000 Lkw (plus 4,9 Prozent / plus 1,2 Prozent)

S6 Niklasdorf: 728.000 Lkw (plus 4,2 Prozent / minus 15,8 Prozent)

S35 Peggau: 576.000 Lkw (plus 15,4 Prozent / minus 17,1 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2022

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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