Vor den Vorhang: Angelika und Karl Schlögel sind ARF – Unternehmer der Woche

Das Ausseer Regionalfernsehen setzt die Serie mit dem Titel „UnternehmerIn der Woche“ fort. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Werthaltungen.

Diesmal stellen wir Angelika und Karl Schlögel von der Bäckerei Schlögel in Bad Aussee vor. Der Betrieb ist seit vielen Generationen ein Familienunternehmen.

1. Könnt ihr euren bisherigen Lebensweg kurz darstellen?

Karl: Wir sind seit 1890 ein Familienbetrieb, und ich bin von klein auf in die Firma hineingewachsen. Unser Sohn ist mittlerweile auch fest im Betrieb verankert, es geht also weiter.

Angelika: Ich bin 1989 als Krankenschwester nach Bad Aussee gekommen, habe hier Karl Schlögel jun. kennen gelernt. Wir haben dann Karoline, unser erstes Kind bekommen. In weiterer Folge hat es sich ergeben, dass ich seit 1992 in die Bäckerei involviert worden bin. Eigentlich hat die Liebe diesen Lebensweg entschieden.

2. Wie groß ist euer Betrieb?

Karl: Derzeit haben wir 11 MitarbeiterInnen und würden uns aber über weitere MitarbeiterInnen freuen. Das ist leider sehr schwer geworden: Man bekommt keine Mitarbeiter.

Wir erzeugen im Schnitt 80-90 Kilogramm Brot, an die 1.000 Beigeln, verschiedenste Gebäcke, 1.000 Semmeln, Mehlspeisen und Schnitten…

3. Welche Eigenschaften muss eurer Meinung nach ein Unternehmer haben?

Karl: Man braucht viele – du musst Psychologe sein, man muss mit den Kunden gut umgehen können, man braucht einen eisernen Willen,Motivation und Freude mit dem Beruf. Und für uns das Wichtigste: Wir müssen in der Familie zusammenhalten, sonst ginge es nicht.

Angelika: Man darf nicht auf die Stunden schauen. Man muss der/die Erste sein, der/die kommt, und man muss der/die Letzte sein, der/die geht. Man darf als UnternehmerIn nicht auf die Zeit schauen, auch keinen Urlaubsanspruch als selbstverständlich erachten. Urlaub zu nehmen, ist derzeit sehr schwierig wegen des Arbeitskräftemangels. Manchen Menschen fehlt die Motivation zur Arbeit.

Im Verkauf haben wir flexible Arbeitszeiten. Die meisten wollen maximal 25 Stunden pro Woche arbeiten. Die hat man in 2,5 Tagen erreicht, hat also ab Mittwoch mittags frei. Eigentlich ein attraktives Modell mit sehr guter Bezahlung.

In der Bäckerei ist Arbeitsbeginn um 2 Uhr, die Arbeit ist aber um 8 Uhr beendet, den Beruf kann man also durchaus als familienfreundlich bezeichnen.

4. Was sind eure wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?

Karl: Ich möchte jetzt keine konkreten Entscheidungen nennen, aber es ist wichtig, in einen Betrieb immer wieder zu investieren. Hinzu kam eine Filiale in Grundlsee. Diesen beiden Geschäften, in Bad Aussee und Grundlsee, gilt unser Hauptaugenmerk.

6. Was kommt in Zukunft auf eure Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?

Karl: Die derzeitige Betriebsgröße werden wir in Zukunft so nicht halten können, man wird wohl ein bisserl kleiner werden müssen. Ich bin der letzte Bäcker in Bad Aussee. Früher hatten wir mit Klackl und Rauch eine gesunde Konkurrenz (beide haben aufgehört), jetzt haben wir an jedem Eck eine Konkurrenz, überall wird „aufgetaut“ – wie diese Qualität ausschaut, wird von vielen nicht hinterfragt. Aber Qualität wird sich in Zukunft durchsetzen, und die wird derzeit noch den Gästen stärker geschätzt als von den Einheimischen.

Angelika: Man darf nicht auf Masse setzen, sondern auf Qualität. Und die wird sich auch in unserer Branche durchsetzen. Unsere KundInnen wissen das und schätzen unsere Produkte genau deswegen.

7. Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?

Karl: Ich wünsche mir, dass die Lohnnebenkosten zurückgehen. Das wünsche ich mir aber bereits seit 30 Jahren.

Angelika: Man soll die belohnen, die arbeiten. Und ich haben den Eindruck, dass das so nicht der Fall ist. Und eine Aussage aus der Politik, dass die offenen Arbeitsstellen halt nicht attraktiv sind, enttäuscht mich besonders.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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