Der Arbeitsmarkt im Jahr 2021:
Arbeitsmarktbilanz im Bezirk Liezen

Auch das Arbeitsmarktgeschehen 2021 stand im Bezirk Liezen noch im Banne der Corona Pandemie. Speziell die Tourismusbranche war stark von Covid-bedingten Einschränkungen betroffen und wirtschaftliche Hilfen wie die Kurzarbeit sicherten weiterhin zahlreiche Arbeitsplätze in der Region.

7.417 Personen waren im Bezirk Liezen im letzten Jahr von Arbeitslosigkeit betroffen und zu mindestens einmal im Laufe des Jahres beim AMS als arbeitslos vorgemerkt. Im Gegenzug konnte in vielen Betrieben mit Kurzarbeit Arbeitsplätze gehalten und Arbeitslosigkeit vermieden werden.
Die Geschäftsstellenleitung des AMS Liezen, Helge Röder und seine Stellvertreterin Brigitte Wasmer, zieht mit den beiden Zweigstellen im Bezirk, in Bad Aussee und Gröbming, eine Bilanz am regionalen Arbeitsmarkt über ein weiteres Jahr, das ganz im Zeichen der Corona-Pandemie gestanden ist.

Dynamischer Arbeitsmarkt trotz Krise

Der Rückblick auf das Jahr 2021 zeigt einen außergewöhnlich turbulenten Arbeitsmarkt im Bezirk Liezen. „Wir sind mit einem Lockdown im Tourismus gestartet und blicken auf die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit über 30 Jahren im zweiten Halbjahr zurück“, informiert AMS Liezen Leiter Helge Röder. „Speziell über die Sommermonate hatten wir vier Monate in Folge eine Vollbeschäftigung und einen Rekordwert an offenen Stellen im Bezirk“, resümiert Röder.
So rasant die Arbeitslosigkeit zu Beginn der Krise angestiegen ist, so hat die wirtschaftliche Erholung deutlich schneller stattgefunden, wie es viele Expert_innen prognostiziert hatten. Aktuell wird nahezu in allen Bereichen Personal gesucht und in vielen Branchen macht sich bereits ein Arbeits- und Fachkräftemangel breit. Mit Ende des Jahres befanden sich viele Arbeitsmarktkenndaten unter dem Vorkrisenniveau und die Lage am regionalen Arbeitsmarkt hat sich wieder stabilisiert.

Die Arbeitslosigkeit ist im letzten Jahr um 723 Personen oder 26,4 Prozent auf 2.014 Personen im Jahresdurchschnitt gesunken. Das Angebot an offenen Stellen ist um 445 oder 45,5 Prozent angestiegen und betrug durchschnittlich 1.413 Jobs.
Die erste Hälfte des Jahres stand ganz stark im Zeichen der Corona Joboffensive der Bundesregierung. „Mit unseren Qualifizierungen setzten wir auf eine spezielle Ausbildungsoffensive, um die Zeit des Lockdowns sinnvoll zu nutzen und um den Menschen Perspektiven zu geben. Im Rahmen der Tourismusakademie Ennstal wurden Qualifizierungen auf die Bedürfnisse der Branche initiiert, um Arbeitskräfte mit einem Höherqualifizierungsangebot im Tourismus zu halten“, erklärt Röder. Weitere Kurse wurden in den Bereichen Sprachen, Pflege, Kinderbetreuung oder Digitalisierung gemeinsam mit Bildungspartnern umgesetzt. Insgesamt haben 1.229 Personen (+330 oder +36,7 Prozent) eine Schulung abgeschlossen. 362 Schulungsteilnehmer_innen besuchten im Schnitt eine Aus- und Weiterbildung über das AMS.

Mit durchschnittlich 32.350 unselbständig Beschäftigten ist auch die Zahl der Beschäftigten wieder angestiegen (+439 oder +1,4 Prozent). Die regionale Arbeitslosenquote ist wieder gesunken und betrug 5,9 Prozent (ein Minus von 2,0 Prozent) und lag unter dem steirischen Wert mit 6,5 Prozent und dem Österreichwert mit 8,0 Prozent. Das AMS Liezen wurde von den Unternehmen mit der Besetzung von insgesamt 6.094 offenen Stellen und Lehrstellen beauftragt.

Dynamik am Arbeitsmarkt mit vielen Jobchancen

3.790 Personen betrug aufgrund des Lockdowns im Tourismus bzw. der saisonalen Lage die Zahl der Arbeitslosen zu Beginn des Jahres. „Dieser Höchststand bei der Arbeitslosigkeit hat sich mit den Lockerungen im Frühjahr und spätestens im Mai wieder schneller reduziert, als es erwartet wurde. Während des Jahres gab es sogar die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit über 30 Jahren und wir hatten statistisch gesehen vier Monate mit Vollbeschäftigung“, informiert die stellvertretende Leiterin, Brigitte Wasmer des AMS Liezen. Insgesamt wurden im letzten Jahr 7.600 Anträge zur Existenzsicherung bearbeitet. „Alle Geldleistungen zur Existenzsicherung wurden pünktlich ausbezahlt“, so Wasmer. Im Jahresschnitt betrug die Bearbeitungsdauer 6,9 Tage.

Kurzarbeit ein bewährtes Instrument zur Sicherung von Arbeitsplätzen

Die Zahl der Personen in Kurzarbeit ist im Laufe des letzten Jahres zurückgegangen. Waren zu Beginn des Jahres noch rund 5.310 Personen von 713 Betrieben in Liezen zur Kurzarbeit angemeldet, hat sich diese Zahl ein Jahr später reduziert. Anfang dieses Jahres hatten rund 223 Betriebe vorsorglich um Kurzarbeit für 1.425 Personen beim AMS angesucht. Nach Branchen betrachtet, kamen die meisten Betriebe aus der Gastronomie, Hotellerie und dem Einzelhandel.

„Auch im letzten Jahr hat das AMS Liezen die vielen Aufgaben und Herausforderungen, in der für alle sehr belastenden Zeit, mit großem Einsatz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewältigt, wofür ich mich gemeinsam mit meiner Stellvertreterin Brigitte Wasmer herzlich bedanken möchte“, betont Röder. Strukturen und Abläufe haben sich im AMS weiterentwickelt und speziell die Digitalisierung begleitet den Beratungsalltag. „Viele unserer Dienstleistungen können über ein persönliches eAMS Konto abgewickelt werden. Von der Arbeitslosengeldbeantragung, der Abwicklung von Förderungen bis hin zu Beratungsgesprächen gibt es viele Angebote, die digital erledigt werden können und eine Ergänzung zum persönlichen Kontakt bieten“, erklärt Röder. Im Rahmen von eJobMeetings wurde verstärkt auch auf virtuelle Jobbörsen gesetzt.

Blick nach vorne: Vermittlung und wirtschaftsnahe Qualifizierung

Trotz der erfreulichen Entwicklung der letzten Monate und einer Stabilisierung am regionalen Arbeitsmarkt gibt es genug Herausforderungen für das AMS im Jahr 2022. „Neben der Existenzsicherung und Stellenvermittlung von arbeitsuchenden Menschen, der Sicherung von Arbeitsplätzen für die heimischen Betriebe mit Hilfe der Kurzarbeit, der Abwicklung von finanziellen Beihilfen, wie aktuell bei der Saisonstarthilfe, werden wir weiterhin ein besonderes Augenmerk auf die Integration von langzeitbeschäftigungslosen Personen richten. Im Rahmen des Sonderprogramms der Bundesregierung – der Aktion Sprungbrett, konnten bereits 78 Personen von uns auf ein neues Dienstverhältnis vermittelt und somit eine neue berufliche Perspektive gefunden werden“, freut sich Röder über die Erfolge für diese Zielgruppe und ist optimistisch, dass noch weitere Langzeitbeschäftigungslose am regionalen Arbeitsmarkt integriert werden können.

Aktuell liegt der Schwerpunkt in der Bearbeitung der Saisonstarthilfe. Die angebotene Unterstützung der Saisonstarthilfe nahmen die Saisonbetriebe im Tourismus sehr gut an. Im Bezirk Liezen wurden bis zum Ende der Frist am 31. Jänner exakt 1.294 Anträge für diesen speziellen Zuschuss gestellt. „Der Antrag an Förderbegehren zeigt, wie wichtig dieses Instrument war, damit Betriebe ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Beginn des Winters halten konnten und nun einsetzen können. Um eine rasche Prüfung sicher zu stellen, haben wir unsere Kräfte für die Bearbeitung gebündelt. Es wurden bereits 1.068 Förderansuchen positiv abgewickelt“, informiert Röder.

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die wirtschaftsnahe Qualifizierung mit Hilfe von Stiftungsausbildungen oder arbeitsplatznahen Qualifizierungen. „Wir beobachten weiterhin einen Engpass an Arbeits- und Fachkräften in vielen Bereichen und wollen mit zielgerichteten und wirtschaftsnahen Ausbildungen entgegenwirken“, so Röder über die wesentlichen arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkte im neuen Jahr. „Bereits im März startet wieder eine Ausbildung zur Pflegeassistenz im Rahmen der steirischen Pflegestiftung gemeinsam mit dem Land Steiermark und weitere Höherqualifizierungsangebote werden noch im Laufe des Jahres folgen“.

Weiteres vom Arbeitsminister angekündigt ist eine breite Arbeitsmarktreform rund um Themen wie Arbeitslosengeld neu, Zumutbarkeit oder zum Zuverdienst. „Hier soll es in den nächsten Wochen konkrete Schritte zur Planung und Umsetzung geben und wir können damit rechnen, dass sich so einiges rund ums Arbeitslosengeld bewegen wird“, gibt Röder einen Ausblick auf die nächsten Monate.

Der Arbeitsmarkt 2021 im Bezirk Liezen

Rückgang der Arbeitslosigkeit um Minus 26,4 Prozent

2.014 Personen waren im Jahresdurchschnitt 2021 im Bezirk Liezen arbeitslos gemeldet: Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein kräftiges Minus von 723 Personen oder -26,4 Prozent. Inklusive der 362 Schulungsteilnehmer_innen (+43 Personen oder +13,4%) waren damit im Schnitt 2.376 Personen ohne Job. Vom Rückgang bei der Arbeitsmarktentwicklung waren Frauen (-27,0% auf 998) stärker als Männer (-25,8% auf 1.016) betroffen.

Anstieg bei der Beschäftigung, Rückgang bei der Arbeitslosenquote und Monate mit Vollbeschäftigung

Die wirtschaftliche Erholung machte sich auch bei den Beschäftigtenzahlen, speziell im zweiten Halbjahr bemerkbar. Mit durchschnittlich 32.350 unselbständig Beschäftigten verzeichnete der Bezirk Liezen im Jahr 2021 wieder einen Anstieg um +439 Personen oder einem Plus von 1,4 Prozent. Das führt zu einer Arbeitslosenquote für 2021 von 5,9 Prozent (ein Rückgang um minus 2,0 Prozentpunkte gegenüber 2020). Besonders erwähnenswert ist die Entwicklung von Juni bis September, wo eine Vollbeschäftigung mit den niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit über 30 Jahren beobachtet werden konnten. Im Juli betrug die Arbeitslosenquote 3,3 Prozent.

Rekordwerte bei den offenen Stellen

9.264 Jobsuchende konnten 2021 ihre Arbeitslosigkeit mit einer Arbeitsaufnahme beenden. Über das AMS Liezen wurden 5.311 freie Stellen und Lehrstellen vermittelt – rund 47 Prozent innerhalb von 30 Tagen und weitere 31 Prozent innerhalb von 3 Monaten. Mit den Öffnungsschritten der Wirtschaft nahmen auch die Stellenmeldungen der Unternehmen wieder deutlich zu. Beim Stellenzugang wird ein Plus von 1.455 oder +33,2 Prozent auf 5.842 freie Jobs verzeichnet. Einen Rekordwert brachte der Oktober mit 1.973 gemeldeten offene Stellen. Im letzten Jahr fanden wieder 817 Betriebskontakte durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Service für Unternehmen statt.

Lehrstellenmarkt

24 Lehrstellensuchenden (-7 oder -24,0%) standen im letzten Jahr im Schnitt 252 (+17 oder +7,1%) Lehrstellen, verteilt über viele Ausbildungsbereiche zur Verfügung. Insgesamt wurden dem AMS Liezen 356 Lehrstellen (+3) gemeldet. Neben virtuellen Lehrstellenbörsen hat im letzten Jahr auch wieder die BuK.li – die Berufs- und Karrieremesse in Bad Aussee, Gröbming und Liezen stattgefunden.

Rückgang der Arbeitslosigkeit bei allen Personengruppen

Am stärksten war der Rückgang im Jahresdurchschnitt bei jungen Menschen (unter 25 Jahre) mit einem Minus von 38,0 Prozent auf 207 Vorgemerkte. Bei den Personen im Haupterwerbsalter (25 bis unter 50 Jahre) ist die Arbeitslosigkeit um -446 oder -29,9 Prozent auf 1.048 gesunken. Aber auch bei ausländischen Arbeitsuchenden (-28,9%), bei Personen älter als 50 (-16,5%) oder bei Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen (-13,3%) war die Arbeitslosigkeit rückläufig.

Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit

Mit einem Plus von 19,8 Prozent stieg die Arbeitslosigkeit von Personen, die bereits ein Jahr oder länger vom AMS Liezen betreut werden und von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffen sind um +54 auf 329 Personen im Jahresdurchschnitt. Bei rund 27 Prozent der Kundinnen und Kunden (543 Personen) standen gesundheitliche Probleme einer raschen Jobvermittlung im Wege. Knapp ein Drittel der arbeitslosen Kundinnen und Kunden im Bezirk (664 Personen) verfügten über nicht mehr als einen Pflichtschulabschluss.

Finanzielle Mittel für aktive und passive Arbeitsmarktpolitik

Im Rahmen der Existenzsicherung wurden im Jahr 2021 im Bezirk Liezen 7.600 Anträge, großteils für Arbeitslosengeld und Notstandshilfe bearbeitet. Die durchschnittliche Dauer von der Rücknahme bis zur Erledigung und Anweisung der finanziellen Leistung betrug 6,9 Tage. In Summe wurden im Jahr 2021 rund 34,6 Millionen Euro im Rahmen der passiven Arbeitsmarktpolitik ausbezahlt. Gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 1,9 Millionen Euro.
Zusätzlich investierte das AMS Liezen für Aus- und Weiterbildung und finanzielle Beihilfen rund 9,6 Millionen Euro im Bezirk Liezen.

Berufsinformation aus erster Hand im BIZ

Trotz eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten haben die Mitarbeiter_innen des Berufsinfozentrums (BIZ) zahlreiche Aktivitäten durchgeführt. Im Rahmen von 57 Veranstaltungen mit Schulklassen wurden 1.059 Schülerinnen und Schüler betreut. 258 Personen haben eine spezielle Bildungs- und Berufsberatung in Anspruch genommen.

Sozialpartner gestalten gemeinsam Arbeitsmarktpolitik

Die Umsetzung der regionalen Arbeitsmarktpolitik passiert mit den regionalen Vertretern der Sozialpartner Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung. Im letzten Jahr wurden, bei drei Regionalbeiratssitzungen und insgesamt 54 Ausschusssitzungen für die Bereiche Arbeitslosenversicherung sowie Ausländerbeschäftigung, die Weichen für die Umsetzung der regionalen Arbeitsmarktpolitik gestellt.

Fotocredit: © photoINstyle.at

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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