Servus Reportage: Pflege in Not! Hilfe für Helfer, Fehlanzeige?

Do., 10.02., ab 21:10 Uhr

Überstunden, Beschimpfungen, Personalnot – die Pflegekräfte sind am Limit. Bis 2030 werden in Österreich laut Berechnungen 75.000 Pflegekräfte fehlen. Die Corona Krise hat die Situation verschärft. Und: Etwa 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Die Familien kommen dabei oft physisch und psychisch an ihr Limit.
„Die Politik hat jahrelang zugeschaut. Sie befinde sich in einem Dornröschenschlaf“,  kritisiert Alexandra Gferer. Die diplomierte Krankenschwester hat gemeinsam mit ihrer Schwester eine Studie gemacht und knapp 2500 Gesundheits- und Krankenpfleger in ganz Österreich befragt. Die Ergebnisse: 45 Prozent denken immer wieder über einen Berufsausstieg nach. Ihr Blick in die Zukunft: „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, dann bricht die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zusammen. Dann ist das nicht mehr aufrechtzuerhalten oder zumindest nicht mehr in der Qualität, wie wir uns das wünschen.“ Personalengpässe hat es bereits vor Corona gegeben. Wie sich die Impfpflicht auf den Arbeitsplatz auswirkt, ist unklar. 78 Prozent des Personals im Gesundheits-und Sozialwesen sind laut aktuellen Studien geimpft. 

Pfleger aus dem Ausland – guter Ansatz oder Ausbeutung?
Weil so viele Pflegekräfte in Österreich fehlen, werden sie im Ausland angeworben. Sie sind vor allem in der 24h-Betreuung tätig. Mehr als 800 Agenturen vermitteln die Betreuerinnen, meist aus der Slowakei und Rumänien an Pflegebedürftige in Österreich. Für die Agenturen ist das ein profitables Geschäft, es handelt sich um ein freies Gewerbe. Jedoch: „Die Betreuerinnen sollen rund um die Uhr zur Verfügung stehen und werden mit Hungerlöhnen abgespeist“, kritisiert Jürgen Holzinger, Obmann des Vereins „Chronisch krank“. Auch im Krankenhaus setzen Betreiber häufig auf Pflegekräfte aus dem Ausland, weil sie in Österreich kein Personal finden. 

Eine Million pflegende Angehörige in Österreich
Etwa 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Österreich werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Die Familien kommen dabei physisch und psychisch oft an ihr Limit. Die Politik verspricht bestmögliche Unterstützung, bessere Arbeitsbedingungen, eine Imagekampagne – damit Pflege leistbar und kein Thema von Einkommen sein darf. 

© Picturedesk / Westend61 / Sergio Nievas

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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