Vor den Vorhang: Thomas Kumric/Radhaus ist der ARF – Unternehmer der Woche

Das Ausseer Regionalfernsehen startet mit heutigem Tag eine Serie mit dem Titel „Unternehmer der Woche“. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Meinungen.

Wir starten mit Thomas Kumric vom Radhaus Bad Aussee, der uns zu einem ausführlichen Interview zur Verfügung gestanden ist und einen weiteren großen Veränderungsschritt für Herbst 2022 ankündigt:

1. Kannst du deinen bisherigen Lebensweg kurz darstellen?

1964 geboren, 1979-1982 Einzelhandelslehre im Konsum Ausseerland, quasi im „Vrein“, in weiterer Folge Mitarbeiter bis 1984 ‚Wechsel zur ADEG AG in unterschiedlichen Funktionen, anfangs Marktleiterstellvertreter in Bad Aussee, dann im Vertrieb als Verkaufsberater, Marketingberater (Beratung für selbständige Kaufleute) und bis zuletzt als Filialverantwortlicher der ADEG Obersteiermark, zuständig für 10 Filialen.

1990 Wechsel zu dm Drogerie Markt, Beginn als Gebietsmanager mit der Zuständigkeit und wirtschaftlichen Verantwortung für 8 Filialen, 1997 Wechsel in die Zentrale nach Salzburg mit der Tätigkeit als Sortimentsmanager (Sortiment Baby und Tier) für Gesamtösterreich Dies dauerte 10 Jahre an, neben der Haupttätigkeit innerhalb der Funktion war ich für Personalentwicklung und Organisationsentwicklung im Unternehmen mitverantwortlich – infolge Berufung in die Geschäftsleitung dm Österreich, also von 2007 bis 2014, einer von 8 Geschäftsführern von dm Österreich, als Ressortleiter Marketing & Einkauf  auch mit der Zuständigkeit für Eigenmarken bei dm und  Dienstleistungen, also für 200 Friseurstudios, 180 Kosmetiksalons und knapp 50 Frischetheken und als Regionsverantwortlicher zuständig für eine Verkaufsregion mit ca. 65 Filialen/ ca. 1000 Mitarbeiter.

Neben dieser Tätigkeit in Österreich waren wir auch für den Aufbau der osteuropäischen Länder mitverantwortlich, so arbeitete ich am Aufbau von dm Bulgarien mit und war stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender für dm Tschechien.

2. Wie groß ist dein Betrieb?

Unser Betrieb ist mit Stand 2021 auf ca. 325m2 im Zentrum von Bad Aussee etabliert worden, dieser wurde Schritt für Schritt seit dem Jahr 2016 auf diese Fläche erweitert, für Ende 2021 erfolgt eine neuerliche Erweiterung an einem neuen Standort mit knapp 700m2, direkt neben dem Autohaus Bathelt.

Gestartet haben wir 2016 zu zweit, sprich gemeinsam mit einem Mitarbeiter absolvierten wir das erste Jahr, in weiterer Folge erweiterte sich das Team jährlich um einen Mitarbeiter in Vollzeit, 2021 waren wir somit insgesamt zu viert, 2022 kommt ein weiterer Mitarbeiter hinzu und wir werden zu fünft in die Zukunft „marschieren“.

Dies ging nur deswegen, weil gerade unsere Branche in den letzten Jahren enormen Zuspruch erhalten hat. Während wir uns zu Beginn 2016 ausschließlich auf EBIKES spezialisiert haben, ist es mittlerweile so, dass wir unser Angebot erweitert haben und Räder in unterschiedlichen Modellarten anbieten, von Kinderrädern für die Kleinsten, bis hin zu klassischen MTB, Rennräder, u.v.m. Um diesem Trend als Vollsortimenter im Bereich RAD und EBIKE auch für die Zukunft gerecht zu werden, benötigen wir die Fläche um unser Angebot auch attraktiv präsentieren zu können, ist nun eben der Schritt der Übersiedelung geplant, obwohl wir sehr gerne im Zentrum geblieben wären.

3. Was ist deine Motivation, Unternehmer zu werden, gewesen?

Wie im Punkt 1 ersichtlich durfte ich den Beruf des Verkäufers von der Pike auf erlernen, war zuerst sehr lokal verbunden im Bereich Lebensmittelhandel, direkt an der Verkaufsfront tätig, in weiterer Folge erhielt ich die Gelegenheit im zweistufigen Handel (ADEG)zu arbeiten und kam zuletzt in den filialisierten Fachhandel, in unterschiedlichsten Funktionen und Positionen wie Verkauf, Einkauf, Dienstleistung, Personalentwicklung, Organisationsentwicklung, Projektmanagement, Expansion, wie auch Tätigkeiten im Ausland. Als ich 2014 für mich entschieden habe, noch einmal etwas in meinem (beruflichen) Leben verändern zu wollen, zu diesem Zeitpunkt war ich 3 Jahrzehnte auf Achse, jährlich 50.000 bis 60.000km auf der Straße bzw. nicht in der Heimat beschäftigt, dies war auch zu meinem 50 Geburtstag, kam mir der Gedanke, was ich im Handel noch nicht erfahren habe, ist die Selbständigkeit.

Während ich viele Jahre in leitenden Funktionen tätig gewesen bin, mich also nie gescheut habe, Verantwortung zu übernehmen war es doch so, dass die Selbständigkeit als Unternehmer gefehlt hat. Auch war eines meiner Motive eine Metapher, im Sinne dessen, dass sich mein beruflicher Schaffenskreis eben mit der Selbständigkeit in der Heimat schließen könnte. Ja, und ich war überzeugt, dass ich dies schaffen kann, werde. Fazit: Ich wollte in der Heimat tätig sein, wollte mein erworbenes Wissen, meine Fähigkeiten anwenden und eben auch persönlich dafür geradestehen.

Auch hier spielte der Zufall eine gewisse Rolle, meine Tochter bzw. mittlerweile ihr Mann, Manuel Pliem (MTB Crack), sind bereits seit 2012 in der RADSPORTSZENE, dabei gründeten sie u.a. auch einen Onlineshop. Ich habe mich deshalb entschieden, ihnen beim Aufbau dieses Shops behilflich zu sein, so bin ich zum Thema Rad gekommen. Und eben in dieser Zeit reifte der Gedanke, dass ich eben Kontakt zu Kunden haben will, ja und dies geht eben nur in einem stationären Geschäft, dies war die Geburtsstunde vom RADHAUS. Onlineshop gibt es immer noch, nur dies ist die zweite Geige😊!

4. Welche Eigenschaften muss deiner Meinung nach ein Unternehmer haben?

Neben den Grundfähigkeiten und der Kernkompetenz eines Händlers/Unternehmers (das richtige Angebot zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben) braucht es vor allem eine innere Begeisterung, ein Brennen für eine Idee, Mut, eine klare Vorstellung, eine Vision, ein Bild wie es z.B. in 5-10 Jahre ungefähr sein sollte und natürlich Konsequenz und Disziplin.

Aber vor allem auch eine Riesenfreude an dem, was man tagtäglich tut, als Unternehmer eben nicht nur für sich, sondern für sein gesamtes Team. Dabei sind eben auch eigene Wertevorstellung wichtig, wie offen, transparent, aufrichtig man eben mit Kunden aber auch vor allem mit den eigenen Mitarbeitern, den Mitstreitern den Kontakt pflegt.

Hier hatte ich in meiner beruflichen Tätigkeit zahlreiche Kollegen, Vorgesetzte wie auch im Nachhinein betrachtet gute Lehrmeister. Auch wichtig, finde ich, ist die permanente Arbeit an sich, an der Weiterentwicklung, egal ob dies Prozesse oder die persönliche Entwicklung betrifft, gerade im Unternehmertum ist das elementar. Frei nach dem Motto. Neben diesen Eigenschaften braucht es auch den familiären Rückhalt, diesen habe ich dankenswerter Weise während meines bisherigen beruflichen Schaffens immer bekommen, vor allem von meiner Frau Waltraud, aber auch von den 3 Kindern.

5. Was sind deine wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?

Die wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen? Gute Frage – denke doch, die Gründung der IDEE Radhaus im Jahr 2015 sowie eine Vielzahl an kleineren dazugehörenden Entscheidungen wie Standortwahl, Firmenauftritt, Gestaltung des Logos, Sortimentszusammenstellung, Ladenbau, Werbung aber vor allem die richtige Wahl der Mitarbeiter, des Teams! Anmerkung: Als ich im Jahr 2015 die Idee RADHAUS geboren und entwickelt habe, erhielt ich zahlreiche Anrufe von sogenannten Headhuntern, diese boten mir neuerliche TOP JOB Angebote im österreichischen Handel an, aber ich denke, es war wichtig und richtig, dass ich mich damals für „meine Idee“, das RADHAUS, entschieden habe und dem Ruf nicht gefolgt bin.

Natürlich sind jedes Jahr von Neuem wichtige unternehmerische Entscheidungen zu treffen, vor allem wenn es um das Angebot von Rädern und EBIKES geht, hier geht es einerseits um große Mengen von mehreren hundert Modellen jedes Jahr, aber vor allem, dass wir vorausahnen, wofür eben im Folgejahr die entsprechende Nachfrage da sein wird. Dies auch deswegen, weil wir eben nur jene Modelle erhalten, die wir im Regelfall bis zur Mitte des Jahres bestellen, auch tatsächlich im Folgejahr bekommen, ergo unterjährig können wir hier nichts nachbestellen, dies ist nicht nur wegen Corona Jahr für Jahr eine größere Herausforderung, zumal die Räder/Ebikes auch zu bezahlen sind.

6. Was kommt in Zukunft auf deine Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?

Technische Veränderungen im Kleinen gibt es laufend, so wird industrieseitig ständig an der Weiterentwicklung von Komponenten wie Schaltwerke, Bremsen, etc. gearbeitet. Auch ist feststellbar, dass an der Weiterentwicklung und Leistungsfähigkeit der Akkus, damit verbunden der Erweiterung der Reichweite permanent Entwicklung passiert. Als wir 2016 gestartet haben, waren 400 WH bzw. 500 WH Akkus üblich, mittlerweile haben wir 750WH Akkus im Programm, 625WH sind mittlerweile der Mindeststandard.

Während bisher das EBIKE/ Fahrrad noch überwiegend in der Freizeit genutzt wird, ist doch feststellbar (dies erwarte ich auf für unsere Region) dass das RAD, das EBIKE, mehr und mehr als Transportmittel für den Weg in die Arbeit an Bedeutung gewinnt. Gerade bei unseren überschaubaren Distanzen am Weg von Zuhause in die Arbeit, angespannte Parkplatzsituation, Bewegung in der Natur, Gesundheitsbewusstsein u.v.m. spielen hier eine Rolle, ja und mit dem EBIKE komme ich auch ohne Schwitzen an meinen Arbeitsort. Laut Studien wie auch einschlägigen Prognosen zur Folge, wird der positive Trend in Richtung Fahrrad/ Ebike auch in den kommenden 10 bis 15 Jahren anhalten.

Sehr viel erwarte ich mir auch vom Themenbereich Dienstrad bzw. dem Thema BIKE bzw. EBIKE – Leasing, hier erwarten wir massiven Zuspruch auch heimischer Unternehmer, da dies sowohl für das Unternehmen aber vor allem für die Mitarbeiter eine außergewöhnliche Möglichkeit darstellt, um bis zu 35% der Anschaffungskosten zu ersparen.

7. Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?

Gerade beim Thema Bikeleasing, also mit Blick auf unsere Kunden (Anschaffungspreis) denke ich, hat der Staat erste, gute Voraussetzungen geschaffen, hier die Rahmenbedingungen zu verbessern. Mit der Steuerreform 2020 werden steuerliche Vorteile auch bei EBIKES gewährt, a) weil diese vorsteuerabzugsfähig sind,b) aber auch der Sachbezug trotz der Möglichkeit zur Privatnutzung befreit wurde. Daher ist auch meine Überzeugung, dass wir hier massive Zuwachsraten zu erwarten haben. Und gerade diese Zuwachsraten / Prognosen bedingen aus meiner Sicht weitere und vor alle rasche Handlungen des Staates, damit meine ich natürlich auch die Länder und zuletzt die Gemeinden.

Hier bräuchte es rasche Überlegungen um eben das Radwegenetz entsprechend auszubauen bzw. zu fördern. Wenn auf der einen Seite absehbar ist, dass diese Zuwachsraten in den kommenden 10-15 Jahren exorbitant sein werden, so ist doch die Folge, dass die verkauften Räder und EBIKES auch entsprechend genutzt werden, dazu braucht es Platz und Raum, braucht es Wege. Wenn gesunde Bewegung emissionsfrei auch am Weg zur Arbeit als sinnvoll erachtet wird, muss dies zwangsläufig planerisch vorausgedacht werden. Wenn sich mehr Menschen als heute mit dem Rad in den Ort bewegen, benötigt es sichere Abstellplätze für die Zweiräder u.v.m.

Ohne hier politisch versiert zu sein, die Gemeinden alleine werden dies nicht stemmen können, hier braucht es klare Bekenntnisse zum Förderwillen der Bundesregierung, zumal es hier auch um die Sicherheit aller geht. Es mag vielleicht naiv klingen, aber ich träume schon davon, dass ich dies noch erleben werde, dass wir auch innerhalb der 3 Ausseerlandgemeinden ein Radwegenetz auf die Beine stellen, welches eben ein Befahren fern der frequentierten Straßen möglich macht, auch dass unsere Schulkinder sicher mit dem Rad an ihren Arbeitsplatz gelangen😊! Darüber hinaus erspare ich mir politische Zurufe!

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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