Auf den steirischen Autobahnen im Vorjahr mehr Verkehr als 2020 – aber geringere Verkehrsbelastung als vor Covid-19

Verstärkte Maßnahmen nötig, um neue Verkehrslawinen zu verhindern

VCÖ (Wien, 7. Jänner 2022) – Im Vorjahr waren auf den steirischen Autobahnen und Schnellstraßen deutlich mehr Lastwagen und Autos unterwegs als im Jahr 2020, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. Während aber der Pkw-Verkehr noch deutlich unter den Werten des Vor-Covid-Jahres 2019 lag, war die Belastung durch den Lkw-Verkehr teilweise bereits höher als im Jahr 2019. Der VCÖ betont, dass es verstärkte Maßnahmen braucht, um den Lkw-Verkehr zu verringern. Für die Personenmobilität ist betriebliches Mobilitätsmanagement sehr wirksam.

Was Autofahrer und Anrainer subjektiv gefühlt haben, wird nun objektiv durch die Daten bestätigt: Der Verkehr hat im Vorjahr auf den steirischen Autobahnen und Schnellstraßen stark zugenommen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt.

Auf der A2 auf der Laßnitzhöhe waren im Vorjahr im Schnitt rund 59.500 Kfz pro Tag unterwegs, um rund 5.000 pro Tag mehr als im Jahr 2020, aber um rund 5.000 weniger als im Vor-Covid-Jahr 2019, berichtet der VCÖ. 87 Prozent der Kfz waren Pkw. Doch während der Pkw-Verkehr hier um neun Prozent unter dem Niveau des Jahres 2019 lag, war die Lkw-Belastung bereits um acht Prozent höher als im Vor-Corona-Jahr 2019. Ähnlich auf der A9. Bei Gratkorn fuhren im Vorjahr um rund elf Prozent mehr Pkw als im Jahr 2020, aber um fast neun Prozent weniger als im Jahr 2019, während der Lkw-Verkehr bereits knapp über dem Vor-Corona-Niveau war.

Auf der S6 bei Kindberg wurden im Vorjahr um sieben Prozent mehr Autos gezählt als im Jahr 2020, aber um fast zehn Prozent weniger als im Jahr 2019. Der Lkw-Verkehr lag nur mehr um rund zwei Prozent über dem Vor-Corona-Niveau und hat gegenüber dem Jahr 2020 um über fünf Prozent zugenommen, so die VCÖ-Analyse. Auf der S36 bei Zmöllach nahm der Autoverkehr um elf Prozent zu, es fuhren aber um fünf Prozent weniger Pkw als im Jahr 2019, während der Lkw-Verkehr bereits knapp über dem Jahr 2019 lag.

„Es braucht verstärkte Maßnahmen, um die Verkehrsbelastung für Anrainer und Umwelt zu reduzieren. Die Klimaziele sind nur mit weniger Lkw- und weniger Pkw-Verkehr erreichbar“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Ein großes Potenzial liegt im betrieblichen Mobilitätsmanagement. Betriebe und Unternehmen setzen dabei Maßnahmen, damit Beschäftigte verstärkt mit dem Öffentlichen Verkehr oder bei kürzeren Strecken mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen oder Fahrgemeinschaften bilden.

Im Güterverkehr ist eine verstärkte Verlagerung auf die Schiene wichtig, insbesondere, dass Güter direkt von produzierenden Betrieben auf die Schiene kommen. Dafür braucht es eine gerechtere Förderung der Betriebe für Gleisanschlüsse, betont der VCÖ. Derzeit werden österreichweit Betriebsgelände zwar mit einem öffentlich finanzierten Straßenanschluss ausgestattet, aber für Anschlussbahnen besteht eine Förderobergrenze von 40 Prozent. Bundesländer können Anschlussbahnen zusätzlich unterstützen, wie es beispielsweise Salzburg macht. Auch regionale Verlagerungscoaches sind wichtig. Diese eruieren und beraten Unternehmen, die das Potenzial haben, Güter auf die Schiene zu verlagern. Dass die Verlagerung von der Straße auf die Schiene erfolgreich ist, zeigt beispielsweise das Schotterunternehmen Bernegger in Molln in Oberösterreich, die rund 20.000 Lkw-Fahrten pro Jahr von der Straße auf die Schiene verlagern.

Die Bundesregierung ist auch gefordert, die Steuerbegünstigung von Diesel – dem Treibstoff der Lkw- endlich abzuschaffen, wie das beispielsweise in der Schweiz der Fall ist. Und auch das Konsumverhalten hat Einfluss auf den Lkw-Verkehr: Wer langlebige Produkte statt Wegwerfartikel und regionale Produkte kauft, trägt zur Verringerung des Lkw-Verkehrs bei.

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer (0699)18932695

VCÖ: Pkw- und Lkw-Verkehr hat im Vorjahr massiv zugenommen (1.1. bis 30.11.2021 im Vergleich zu 1.1.-30.11.2020/1.1.-30.11.2019)

A2 Laßnitzhöhe:
52.120 Pkw pro Tag (plus 9,4 Prozent /minus 9,4 Prozent)
7.410 Lkw pro Tag (plus 9 Prozent / plus 8,2 Prozent)

A9 Gratkorn:
38.310 Pkw pro Tag (plus 11,4 Prozent / minus 8,6 Prozent)
5.680 Lkw pro Tag (plus 9,1 Prozent / plus 1,1 Prozent)

S6 Kindberg:
22.220 Pkw pro Tag (plus 7,2 Prozent / minus 9,6 Prozent)
1.900 Lkw pro Tag (plus 5,6 Prozent / minus 1,8 Prozent)

S35 Röthelstein:
14.360 Pkw pro Tag (plus 6,7 Prozent / minus 16,7 Prozent)
1.390 Lkw pro Tag (plus 6,7 Prozent / minus 12,6 Prozent)

S36 Zmöllach:
19.030 Pkw pro Tag (plus 11,2 Prozent / minus 5,6 Prozent)
2.030 Lkw pro Tag (plus 4,4 Prozent /plus 0,6 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2022

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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