Ausseerland: Der 5. Jänner gehört den Glöcklern und Berigeln

Im Ausseerland ziehen schon in den frühen Morgenstunden Kinder mit weißen Leinensäcken die sogenannten „Glöckler“ von Haus zu Haus. Sie läuten mit hellen und dumpfen Glocken und rufen: ”Bitt gar schen um an ”Glöcklkrapfn”. In den Abendstunden ziehen dann die vermummten Gestalten der ”Berigln” – andernorts Perchten genannt – durch die Straßen. Sie beenden damit die Zeit der Rauhnächte im Ausseerland.

Man kann annehmen, dass sich der Glöcklerlauf aus mehreren Brauchtumselementen entwickelt hat. Da ist zum einen das „Glöckeln“ (oder Klöckeln) wie es im Ausseerland und in Neukirchen bei Altmünster heute noch üblich ist. Das Wort „klöckeln“ stammt von „klocken“ und bedeutet „anklopfen“. Dabei gehen verkleidete Gruppen von Haus zu Haus und klopfen an die Türen um beschenkt zu werden.  Im Laufe der Zeit dürften zu diesem Zweck auch Glocken mitgenommen worden sein, wie ein Bericht aus dem Jahre 1898 schildert: „Personen, die mit Kuhglocken um den Hals, verkleidet und vermummt am 5. Jänner von Haus zu Haus zogen und gleich Berchta die fetten Krapfen abverlangten.“ Im Laufe der Zeit sind es im Ausseerland vor allem Kinder geworden, die von Haus zu Haus ziehen und mit Klöcklkrapfen beschenkt werden, in Grundlsee und Obertressen aber schon tagsüber von den Perchten begleitet werden.

Der Abend und die letzte „Rauhnacht“ gehört den „Berigln“ ‑ den Perchten. Diese vermummten Gestalten ziehen durch das Dorf und kehren in bestimmten Häusern ein. Vor den Häusern versuchen Kinder und Jugendliche die „Berigln“ mit Glockenläuten herauszuholen, um dann, wenn diese herauskommen schnell davon zu laufen. Die „Berigln“ versuchen ihrerseits die Kinder zu erwischen und in den Schnee zu werfen. (Percht = bohrt = Bertha = die Glänzende). Ein(e) Percht (Plural: Perchten) ist eine Gestalt des baierisch-österreichischen alpenländischen Brauchtums, von der es, vor allem in der Zeit von Ende November bis Januar, mehrere verschiedene Varianten unterschiedlichen Charakters gibt, die sich wiederum zwei Gruppen zuordnen lassen: den „guten“ Schönperchten und den „bösen“ Schiechperchten, die mit ihren umgehängten Glocken nach einer Sage den Winter – bzw. die bösen Geister des Winters – austreiben sollen (Winteraustreiben bzw. Austreiben des alten Jahres).

Dieses Brauchtum gibt es zwischen dem Ennstal und dem oö Salzkammergut in vielen Variationen, hinzu kommen die Glöcklerläufe, die in OÖ ihren Ursprung haben.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at