Hagelversicherung zu Weltbodentag: Gebäude und Verkehrsflächen in der Steiermark benötigen bereits mehr als 950 Quadratkilometer

VCÖ / Hagelversicherung: In Österreich laut MARKET-Umfrage vier Fünftel der Bevölkerung gegen Zersiedelung

VCÖ (Wien, 3. Dezember 2021) – Bodenverbrauch und Bodenversiegelung sind eines der großen Umweltprobleme der heutigen Zeit, erinnern VCÖ und Hagelversicherung anlässlich des Weltbodentags am kommenden Sonntag. In der Steiermark benötigen Gebäude und Verkehr eine Fläche von 952 Quadratkilometer. Österreichweit hat der Bodenverbrauch in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Eine repräsentative Umfrage des Instituts MARKET zeigt nun, dass Österreichs Bevölkerung mit großer Mehrheit für Maßnahmen gegen den Flächenfraß ist. 84 Prozent sind dafür, durch eine gemeindeübergreifende Raumplanung weitere Zersiedelung zu verhindern.

Im Zeitraum 2015 bis 2020 wurden in der Steiermark laut Umweltbundesamt im Schnitt drei Hektar pro Tag verbaut. Das entspricht der Fläche von fünf Fußballfeldern, verdeutlicht der VCÖ. Insgesamt nehmen Gebäude (inklusive Betriebsflächen) und Verkehrsflächen bereits 952 Quadratkilometer des Landes in Anspruch, davon sind 360 Quadratkilometer Verkehrsflächen. „Gemeinden, die Wohnraum in den Ortskernen schaffen und die Nahversorgung stärken statt Supermärkte auf der grünen Wiese zu bauen, beleben ihren Ort, stärken die lokale Wirtschaft und reduzieren den Bodenverbrauch. Zudem wird der Bevölkerung dadurch ermöglicht, mehr Alltagserledigungen klimafreundlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu machen statt mit dem Auto“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Bodenverbrauch und Flächenversiegelung sind ein österreichweites Problem. Allein der Verkehr verbraucht in Österreich bereits eine Fläche von rund 2.080 Quadratkilometer, machen VCÖ und Hagelversicherung aufmerksam. Der Flächenverbrauch des Verkehrs hat in Österreich seit dem Jahr 1990 um 460 Quadratkilometer auf bereits 2.080 Quadratkilometer zugenommen. 96 Prozent der Flächen nimmt der Kfz-Verkehr für Straßen und Parkplätze in Anspruch. „Als heutige Erwachsenen-Generationen haben wir die Verantwortung, sorgsamer mit unserer wertvollen Ressource Boden umzugehen. In der Vergangenheit wurden durch Zersiedelung und Straßenausbau große Flächen zubetoniert und produktive Böden zerstört. Wir sind es den kommenden Generationen schuldig, beim Flächenfraß die Notbremse zu ziehen“, stellen der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung Kurt Weinberger und VCÖ-Experte Michael Schwendinger gemeinsam fest.

Die große Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher spricht sich für Maßnahmen gegen den massiven Bodenverbrauch durch den Kfz-Verkehr aus, wie eine repräsentative Umfrage von MARKET im Auftrag des VCÖ zeigt. 64 Prozent der Bevölkerung stimmen der Forderung zu, überdimensionierte Straßen zu verschmälern, um Platz für mehr Grün sowie für Infrastruktur zum Gehen und Radfahren zu schaffen. Dass der Rückbau von Straßen gut funktioniert, zeigen bereits einige Beispiele in Österreich. Beispielsweise wurde eine überdimensionierte Landesstraße in Kärnten, die B83 bei Arnoldstein, von 9 auf 7,5 Meter verschmälert, ein Sicherheitsstreifen abgefräst und begrünt, der verbleibende Asphaltstreifen ist nun ein Radweg.

Sogar 84 Prozent von Österreichs Bevölkerung befürworten, dass das Zubetonieren von Grünflächen durch eine Versieglungsabgabe verteuert und die Schaffung von Grünflächen gefördert wird. Ebenfalls 84 Prozent sprechen sich dafür aus, dass eine weitere Zersiedelung durch gemeindeübergreifende Raumplanung verhindert werden soll. „Wenn wir nicht die Ursachen des Verkehrs lösen, werden Staus trotz Straßenbau und der damit verbundenen Naturzerstörung fortschreiten. Und in ein paar Jahren brauchen wir dann eine neue Umfahrung von der Umfahrung. Wir brauchen weitere Anreizsysteme, um den Autoverkehr zu reduzieren“, weist Weinberger auf ein rasches Umdenken zu umweltgerechterer Mobilität hin.

„Die heutige Siedlungsentwicklung und der Infrastrukturausbau sind ein Vermächtnis an unsere Kinder und Enkelkinder. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise sind wir es den kommenden Generationen schuldig, die Infrastruktur- und Wohnbaupolitik in Einklang mit den Klimazielen zu bringen“, erinnert VCÖ-Experte Schwendinger.

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer 0699 18932695

VCÖ: Zwei Drittel wollen Verschmälerung überdimensionierter Straßen

Überdimensionierte Straßen sollen schmäler gemacht werden, um mehr Platz für Grünstreifen, Geh- und Radwege zu haben

Stimme sehr zu: 34 Prozent
Stimme ziemlich zu: 30 Prozent

Stimme wenig zu: 21 Prozent
Stimmer gar nicht zu: 11 Prozent

Keine Angabe: 4 Prozent
Quelle: MARKET, VCÖ 2021

VCÖ: Vier Fünftel der Österreicherinnen und Österreicher wollen weniger Bodenverbrauch

Das Zubetonieren weiterer Grünflächen soll finanziell durch eine Abgabe verteuert, die Schaffung von Grünflächen dafür gefördert werden.

Stimme sehr zu: 56 Prozent
Stimme ziemlich zu: 28 Prozent

Stimme wenig zu: 9 Prozent
Stimmer gar nicht zu: 4 Prozent

Keine Angabe: 2 Prozent
Quelle: MARKET, VCÖ 2021

Weitere Zersiedelung soll durch gemeindeübergreifende Raumplanung verhindert werden.

Stimme sehr zu: 51 Prozent
Stimme ziemlich zu: 33 Prozent

Stimme wenig zu: 9 Prozent
Stimmer gar nicht zu: 3 Prozent

Keine Angabe: 5 Prozent
Quelle: MARKET, VCÖ 2021

Information zur Umfrage: Durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut MARKET, Kombination von telefonischer CATI-Erhebung mit Online Interviews, repräsentativ für Österreichs Bevölkerung ab 16 Jahre, Sample 1.220 Personen, maximale statistische Schwankungsbreite +/- 2,86 Prozent

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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