Schwacher Rückgang der Bodenvibrationen durch Lockdown

Die Erdbebenmessgeräte der ZAMG registrieren derzeit stärkere Bodenschwingungen durch menschliche Aktivitäten als in den bisherigen Lockdowns.
Erdbebenmessgeräte (Seismometer) messen Bodenschwingungen, die von Erdbeben, Explosionen und Vulkanausbrüchen verursacht werden. Sie registrieren aber auch Einwirkungen auf die Erdoberfläche durch menschliche Aktivität, wie zum Beispiel durch Verkehr und Industrie. Die Seismometer der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) registrieren Bodenbewegungen mit Nanometergenauigkeit, das sind Bewegungen von einem Millionstel eines Millimeters pro Sekunde.
Derzeit fünf Prozent weniger Bodenschwingungen in Wien
Der aktuelle Lockdown ist in den Daten der Seismometer erkennbar. „Im Vergleich zu einer durchschnittlichen Woche sind die Bodenvibrationen in Österreich derzeit um ein paar Prozent geringer“, sagt ZAMG-Seismologin Maria-Theresia Apoloner, „in Wien zum Beispiel messen wir diese Woche um etwa fünf Prozent weniger Bodenschwingungen als in den beiden Vorwochen.“
Herbstferien waren etwas ruhiger
Dieser Rückgang ist deutlich geringer als in den bisherigen Lockdowns. „Am stärksten war der Effekt im ersten Lockdown im März 2020. Er reduzierte die Bodenschwingungen in Österreich um rund 25 Prozent“, sagt ZAMG-Expertin Apoloner, „auch in den Herbstferien, vor ein paar Wochen, war der Boden etwas ruhiger als jetzt.“
Natürliche Signale noch besser erkennbar
Die während der Lockdowns gemessenen Daten sind für viele Bereiche wichtige Referenzwerte. Die durch Menschen verursachte seismische Bodenunruhe ist störend bei Erdbebenmessungen und muss mit aufwändigen Verfahren herausgerechnet werden. Die neuen Daten helfen, industrie- und verkehrsbedingte Erschütterungen besser zu quantifizieren, sowie weniger gestörte Messsignal von kleinen Beben zu messen, und können in Zukunft für automatische Erdbebendetektoren verwendet werden.
Außerdem zeigen die Daten den Forscherinnen und Forschern Gebiete mit sehr geringer Bodenunruhe, die optimale neue Standorte für Seismometer sind.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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