Bergwelten: Schwabenkinder – Als ich meine Heimat in den Bergen verlor

Die bittere Armut in vielen Bergregionen Österreichs, der Schweiz und Südtirols zwang Menschen jahrhundertelang, ihre Kinder in die Fremde zu schicken. Ihr beschwerlicher Weg führte sie über die Berge, um auf den Bauernhöfen im Schwabenland als billige Arbeitskräfte zu dienen. Tobias Moretti erzählt in dieser „Bergwelten“-Sendung die berührende Geschichte der „Schwabenkinder“.

Mo., 20.12., ab 20:15 Uhr

Alljährlich im März machten sich Scharen von Kindern, zwischen sechs und 15 Jahre alt und oftmals nur in unzureichendem Schuhwerk und Kleidung, auf einen beschwerlichen Fußmarsch. Ihr Weg führte sie über tief verschneite Berge hin zur Bodensee-Region und darüber hinaus ins Schwabenland. Hilfsgeistliche, sogenannte “Kooperatoren“, führten diese Kindergruppen. Sie sollten sie sicher zu ihren Arbeitsstätten, reichen Bauern in Oberschwaben, bringen.

Billige Arbeitskräfte ohne Rechte
Nach den Naturgewalten am Weg – Schnee, Lawinen, Unwetter – erwarteten die Kinder oftmals Gewalt und Ausbeutung am fremden Hof. Denn in der oberschwäbischen Reichstadt Ravensburg wurden sie auf einem “Hütekindermarkt“ – nichts anderes als ein Sklavenmarkt für Kinder – als billige Arbeitskräfte angepriesen und verkauft, ohne Rechte, ohne die Möglichkeit eine Schule zu besuchen, ohne Kontakt zu den Eltern.

Manche Kinder trafen es gut, sie fanden nette Bauersleute. Für viele begann nun aber ein bitterer Leidensweg. Sie wurden schlecht behandelt und waren schutzlos den Launen ihrer “Eigentümer“ ausgeliefert. Viele blieben für ihr ganzes Leben traumatisiert. Eines hatten aber alle gemeinsam: bitteres Heimweh nach Eltern, Geschwistern und – die Sehnsucht nach der Heimat in den Bergen.

Erinnerung an traurige Schicksale
Bis ins 20. Jahrhundert gab es diese Art von Kinderhandel, geboren aus Not und Verzweiflung. Die letzten Zeitzeugen sind noch nicht lange tot, und seit einiger Zeit wird vor allem in den betroffenen Gebieten an die traurigen Schicksale dieser Kinder erinnern, die in den Familien häufig aus Scham verschwiegen wurden. Doch ihre Geschichten gehören zum historischen Erbe unseres Landes. Sie sollten immer in Erinnerung bleiben.

Im erfolgreichen Spielfilm “Schwabenkinder“ verkörperte Tobias Moretti eine der Hauptrollen. In dieser “Bergwelten“-Sendung erzählt er – zusammen mit Betroffenen und Fachleuten – die berührende Geschichte der Schwabenkinder, die lange keine Stimme hatten.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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