Rudi Knoll: 6-Seenwanderung auf der Tauplitzalm

Bad Goisern, am 08. November 2021

Nach einiger Zeit, die ich in unserem gemütlichen Zuhause und auf unserem sonnigen Balkon verbracht habe, packte mich am Freitag, 29. Oktober 2021, wieder der Bewegungsdrang! Auslöser war das wunderschöne Herbstwetter, das ich für eine ausgedehnte Foto-Tour nützen wollte. Zwei Ziele standen mir vor Augen, entweder über die Mautstraße zum Loser, oder über die Alpenstraße auf die Tauplitzalm. Da ich schon ewig nicht mehr auf der „Tauplitzalm“ gewesen bin, wählte ich diese als Ziel aus. Ich beschloss, die schon lange geplante „6-Seenwanderung“ zu absolvieren. Dieser Beschluss sollte sich als goldrichtig erweisen!

Gleich nach dem Frühstück holte ich mein Auto aus der Tiefgarage und fuhr über den Pötschenpass in Richtung Bad Mitterndorf (ca. 32 km). Bei der Mautstelle in Thörl angekommen, löste ich ein Ticket für die Alpenstraße, übrigens eine der schönsten Alpenstraßen Europas. Nach 10 Kilometer, mit einem teils herrlichen Ausblick auf die umliegende Bergwelt, erreichte ich den Parkplatz auf der Tauplitzalm. Nachdem ich meinen Wagen geparkt hatte und alles Notwendige in meinen Fotorucksack gepackt hatte, startete ich meine Wanderung.

Sogleich kam ich zu einem Wegweiser, der mich in Richtung der „6-Seenwanderung“ leitete. Nach ca. 10 Minuten über einen breiten Weg, erreichte ich mein erstes Ziel, den „Krallersee“. Dieser nicht allzu große See liegt am Fuße des „Lawinensteins“ und befand sich teilweise noch im Schatten. Das Eis an einigen Stellen, ließ die frostigen Temperaturen in der vergangenen Nacht erahnen.

Weiter ging es vorbei an einigen Hotels und Gastbetrieben auf einem breiten Weg bis zur nächsten Anhöhe. Dort zeigte der Wegweiser die Richtung zum „Großsee“ an. Der Weg wurde nun schmäler und führte steil hinab zum idyllisch gelegenen „Großsee“. Beim Erreichen des Seeufers wies mich der Wegweiser nach links, zum nahegelegenen „Märchensee“. Dieser kleine aber wunderschön gelegene „Märchensee“ hat einen ganz besonderen Eindruck bei mir hinterlassen. Umrahmt von Lärchen und Latschen liegt er vor der gewaltigen Gebirgskulisse des „Toten Gebirges“. Die Sonne lachte über diesem Karsee und die „Goldenen Lärchen“ spiegelten sich in seinem Wasser.

Dann das kurze Stück retour und am Nordufer des „Großsees“, über dem die Sonne strahlte, am gut begehbarem Weg weiter. Mein Blick zurück richtete sich immer wieder auf den imposanten „Lawinenstein“. Am See-Ende angelangt, führt der Pfad weiter zum nicht weit entfernten „Tauplitzsee“. Dieser dunkel schimmernde Moorsee ist zwar nicht der größte See, hat aber auch seine Reize. Entlang am Ufer ging ich weiter vorbei an der „Grazer Hütte“. Hier hat der berühmte Bergsteiger Heinrich Harrer in den 1930-er Jahren als Hüttenwart gearbeitet.

Nach kurzer Gehzeit erwartete mich schon der nächste Wegweiser, der mir die Richtung zum „Steirersee“ zeigte, dem größten See auf dieser Wanderung. Vorerst führt der Weg über Wiesengelände, geht dann in einen etwas breiteren Weg über, ehe er steil nach unten, in Richtung der Almhütten führt. Vorher erreicht man aber noch einen Aussichtspunkt, von dem man über die malerischen Almhütten den „Steirersee“ erblickt. Ein sensationeller Platz für jeden Fotografen. Nachdem ich bei den Almhütten angelangt war, führte mich der Pfad weiter, bis zu der Stelle, ab der das Radfahren verboten ist. Von dort geht es auf einem schmalen Bergpfad hoch über dem „Steirersee“ durch eine spektakuläre Gebirgslandschaft. Bergwärts blickte ich zum „Sturzahn“ und zum „Kleinen Tragl“, zwei imposante Gebirgsstöcke. Wenn ich über den See blickte, hatte ich den mächtigen „Grimming“ im Auge.

Und schon führte mich der Pfad weiter zum „Schwarzensee“, einmal bergauf, dann wieder bergab. Oberhalb des Sees befinden sich gemütliche Rastplätze, von denen man einen wunderschönen Blick auf diesen romantischen See genießen kann. Da der Seeanfang schon etwas im Schatten lag, macht ich mich auf den Weg zum See-Ende, an dem die Sonne noch schien. Am Weg entlang des Seeufers war Vorsicht geboten, da es bereits einige vereiste Flächen gab, die ich jedoch locker umgehen konnte. Zu meiner Überraschung traf ich am Ende des Sees eine Frau mit ihren zwei Hunden, die die letzten Sonnenstrahlen genossen.

Nun stand mir der Rückweg zu meinem Ausgangspunkt bevor. Ich beschloss, den gleichen Weg zurück zu gehen, da ich alle Seen in einem anderen Licht sehen wollte. Obwohl ich auch eine Abkürzung hätte wählen können, war meine Entscheidung wieder einmal die Richtige. Nachdem ich bei den Almhütten über dem Steirersee angekommen war, suchte ich mir ein gemütliches Platzerl und ließ mir meine mitgebrachte Jause schmecken. Vorbei an den restlichen Seen, erreichte ich müde aber glücklich und voller unvergesslicher Eindrücke, mein Auto.

Der Föhn hat übrigens dafür gesorgt, dass Millionen von „Lärchennadeln“ durch die Lüfte schwirrten. Zu den Seen ist noch festzuhalten, dass alle „Trinkwasserqualität“ aufweisen. Die artenreiche „Hochkarst-Flora“ auf der „Tauplitzalm“ ist in Europa einzigartig. Die farbenprächtigen „Lärchenwälder“ schmücken im Herbst diese alpine Landschaft. Bei diesem einzigartigen „Seenplateau“ handelt es sich um das schönste und hochgelegenste in Europa. Die Spazier- und Wanderweg befinden sich in ausgezeichnetem Zustand, die Beschilderung lässt keine Wünsche offen. Je nach Lust und Kondition kann man die „Seenwanderung“ auch in kleinen Etappen, ab 1 Stunde, gehen. Für die gesamte „6-Seenwanderung“ sollte man ca. 6 Stunden einplanen, eine zusätzliche Stunde, für den Anstieg zur „Leistalm“. Zu empfehlen sind gutes Schuhwerk und eine geeignete Bergausrüstung. Ich war mit meinen leichten Wanderschuhen unterwegs, aber auch meine leichten Bergschuhe wären eine Option gewesen. Es erwartet dich ein unvergleichliches Panorama, mit dem „Grimming“ im Süden, dem „Toten Gebirge“ im Norden, dem „Dachsteinmassiv“ im Westen und den Bergen des „Gesäuses“ im Osten.

Ich habe bei dieser Wanderung mit 30.828 Schritten, von denen ich keinen einzigen bereut habe, da sich mit jedem neue landschaftliche Schönheiten aufgetan haben, 17,9 Kilometer zurückgelegt und war fast sieben Stunden unterwegs. Fotografen brauchen bekanntlich etwas länger!  

Es war für mich heute ein denkwürdiger Tag, den ich ganz sicher nicht so schnell vergessen werde! Danke, dass ich in meiner wunderschönen Heimat leben darf!

 (Alle Fotos: © by Rudi Knoll)

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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