Steigende Inzidenz: „Bei der Impfung zuzuwarten bedeutet, sich einem großen Infektionsrisiko auszusetzen“

Graz, am 22. Oktober 2021.- Beim 33. Impf-Update des Landes Steiermark informierten heute Vormittag (22.10.2021) der steirische Impfkoordinator Michael Koren, Landesamtsdirektor-Stellvertreter Wolfgang Wlattnig und Test- und Impfstraßenkoordinator Harald Eitner über den Stand der Corona-Schutzimpfung in der Steiermark. Als medizinischer Experte war Robert Krause von der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der Medizinischen Universität Graz zu Gast. 

Impfkoordinator Michael Koren: „Wir halten derzeit bei 816.555 Erstimpfungen und 783.100 Zweitimpfungen in der Steiermark. Ziel der nächsten Wochen muss es sein, alle davon zu überzeugen, zu den Drittimpfungen zu gehen. Wissenschaftliche Daten weisen darauf hin, dass die Mehrzahl der Impfdurchbrüche in den Krankenhäusern darauf zurückzuführen ist, dass die betreffenden Personen noch keine Drittimpfung erhalten haben. In der Impfkoordination erreichen uns derzeit auch zahlreiche Fragen bezüglich der Antikörpertests. Dazu möchte ich unterstreichen, dass die Titer-Werte keine Auswirkungen darauf haben können, wann jemand einen Termin zur dritten Impfung bekommt beziehungsweise ob die Auffrischung notwendig ist. Es gilt, sich an die Vorgaben des Nationalen Impfgremiums zu halten – alle Personen, die bei uns angemeldet sind, erhalten zeitgerecht die Einladung zur dritten Impfung.“ Von den steirischen Pflegeheimen liegen laut Koren derzeit von 180 Einrichtungen Bestellungen von rund 11.000 Dosen für die Drittimpfung vor. „Die ausstehenden 43 Heime werden dieser Tage seitens der Abteilung 8 des Landes kontaktiert“, erklärt Koren.

Bezüglich des weiteren Impffortschritts verweist Koren auf das freie Impfen an den Impfstraßen, das weiterhin jeden Dienstag und Freitag angeboten wird sowie die beiden Impfbusse, die an sechs Tagen in der Woche unterwegs sind. Es seien viele kleine Schritte, durch die die Quote weiter gesteigert wird: „Ein kleiner Erfolg waren beispielsweise kürzlich 90 Impfungen von Jugendlichen bei der Berufsinformationsmesse in Graz“, freut sich Koren. Dank einer Kooperation mit der Ärztekammer sei es jetzt auch gelungen, die steirischen Arztpraxen mit  mehrsprachigem Informationsmaterial auszustatten.

„Die Impforganisation in der Steiermark funktioniert klaglos. Die Abläufe an den Impfstraßen und in den Impfordinationen sind gut eingespielt. Die Vorbereitungen für die rund 30.000 kürzlich vergebenen Impftermine für die Kalenderwochen 43 bis 45 laufen“, berichtete Landesamtsdirektor-Stellvertreter Wolfgang Wlattnig zu Beginn seiner Ausführungen und ergänzte: „Am 26. Oktober, dem Nationalfeiertag, findet an den Impfstraßen wieder das freie Impfen mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Johnson&Johnson statt. Ergänzend werden aktuell auch verschiedene regionale Impfaktionen durchgeführt. Hervorzuheben ist etwa die Initiative ,Geh bitte‘ im Bezirk Weiz. Hinsichtlich der Impfquote befindet sich der Bezirk Weiz derzeit an vorletzter Stelle in der Steiermark. Man erkennt mittlerweile eine Korrelation zwischen niedriger Impfquote und hoher Inzidenz. Umso mehr Bedeutung kommt solchen Initiativen zu.“ Bei „Geh bitte“ handelt es sich um eine Initiative zur Erhöhung der Impfquote im Bezirk Weiz. Personen aus der Region sprechen sich in Videos für die Impfung aus und appellieren, sich impfen zu lassen. Weitere Informationen zur Initiative finden Sie  hier.

Rund 65,5 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Steiermark hat die Erstimpfung bereits erhalten. Dies entspricht rund 73,5 Prozent der impffähigen Personen ab zwölf Jahren bzw. rund 77,5 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren. Die Zweitimpfung hat rund 62,8 Prozent der steirischen Gesamtbevölkerung erhalten. Dies entspricht rund 70,5 Prozent der impffähigen Personen ab zwölf Jahren bzw. rund 74,5 Prozent der Erwachsenen ab 18 Jahren.

Von vergangenen Freitag bis zu diesem Freitag wurden in der Steiermark, so Wlattnig, rund 18.900 Impfungen durchgeführt. Auch in dieser Woche überwiegten erneut die Drittimpfungen (10.087), gefolgt von den Zweitimpfungen (5.734). Mit nur 3.127 durchgeführten Erstimpfungen habe man – trotz aller Maßnahmen – einen Tiefstand bei den Erstimpfungen erreicht. „Die schlimmen Szenen, die sich derzeit etwa in Rumänien abspielen, zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, sich jetzt impfen zu lassen. Sich nicht impfen zu lassen ist kein Ausdruck von Freiheit, sondern von faktenverdrängender Unvernunft. Dementsprechend begrüßen wir die Einführung von 3G am Arbeitsplatz und hoffen, dass sich dadurch noch mehr Personen impfen lassen werden“, appelliert Wolfgang Wlattnig an die Steirerinnen und Steirer.

Geplant sei es, so Wlattnig weiter, dass die dritten Impfungen schnellstmöglich durchgeführt werden. Man gehe davon aus, dass die vierte Welle in der älteren Generation damit gedämpft werden kann. Bei den über 90-Jährigen wurden in der Steiermark bereits 7.217 Personen, umgerechnet rund 54 Prozent dieser Altersgruppe, mit der dritten Dosis geimpft. In der Gruppe der über 80-Jährigen sind es 27.311 Personen bzw. 34,7 Prozent. Das entspricht österreichweit dem zweithöchsten Wert.

Einen Überblick über das Geschehen an den steirischen Impfstraßen gab Harald Eitner, Test- und Impfstraßenkoordinator: „In der vergangenen Woche (KW 41) haben 6720 Impfungen an den Impfstraßen stattgefunden, wobei davon 351 Impfungen in den Impfbussen verabreicht wurden.“ Insgesamt, so Eitner, beobachte man weiterhin einen Trend zu sinkenden Impfzahlen: „In der KW 40 konnten in den Impfbussen noch 472 Impfungen durchgeführt werden, in der KW 41 waren es 351 Impfungen und in dieser Woche stehen wir aktuell bei 203 Impfungen. Obwohl heute und morgen noch geimpft wird, gehen wir davon aus, dass der Trend anhält und wir, im Vergleich zur Vorwoche, wiederum mit niedrigerer Teilnahme rechnen müssen.“ Ein eklatanter Unterschied zeige sich auch bei den geladenen Impfterminen: „Die Wahrnehmungsquote – also die Anzahl jener Personen, die Termineinladungen an den Impfstraßen auch tatsächlich nachkommen – ist mit 86 Prozent der 1.457 für den 18. Oktober eingeladenen Personen beziehungsweise 81 Prozent der 1.008 am 20. Oktober Eingeladenen vergleichsweise sehr hoch. Dies liegt daran, dass bei den Termineinladungen mittlerweile die dritten Impfungen, die derzeit an die ältere Generation verabreicht werden, deutlich überwiegen. Dabei zeigt sich, dass diese Personengruppe die Impftermine auch tatsächlich wahrnimmt und in diesem Zusammenhang vorbildlich agiert.“

Für die kommende Woche (KW 43) seien 3.514 Einladungen erfolgt: „Die im Vergleich zu den Vorwochen geringere Zahl erklärt sich durch die nunmehr erfolgte Ausfilterung jener Personen, die trotz mehrmaliger Einladung ihre Impftermine nicht wahrgenommen haben. Der überwiegende Teil der für die nächste Woche zugeteilten Termine sind dritte Impfungen, weshalb wir davon ausgehen, dass wir auch in der KW 43 wieder eine sehr hohe Wahrnehmungsquote haben werden“, so Harald Eitner abschließend.

Infektiologe Robert Krause von der Medizinischen Universität Graz unterstrich die Bedeutung der dritten Impfung: „Die dritte Impfung ist auf jeden Fall notwendig und wichtig. Die neuesten internationalen Studien zeigen, dass der Immunschutz mit der Zeit abnimmt, die Schutzwirkung kann durch die dritte Impfung aber wieder gesteigert werden. Die Schutzwirkung gegen schwere Verläufe bleibt zwar auch ohne die Auffrischung relativ gut, aber man kann davon ausgehen, dass der Schutz gegenüber einer Infektion in den ersten sechs Monaten nach der Zweitimpfung von 90 Prozent auf 50 Prozent absinkt. Mit der Auffrischung steigert sich der Schutz vor einer Infektion wieder auf 90 Prozent. Da wir derzeit eine viel zu hohe Infektionsrate haben, ist die Auffrischungsimpfung auch in diesem Zusammenhang besonders wichtig“, so Krause. Aus Sicht der Krankenhäuser verwies Krause darauf, dass die kommenden Monate mehrere Herausforderungen bringen: „Die Influenza ist zwar noch nicht da, wird aber kommen. Mit dem RS-Virus und zusätzlich steigenden Sars-CoV-2-Zahlen sind wir dann mit drei Infektionskrankheiten gleichzeitig konfrontiert, bei denen bei stationärer Aufnahme die Isolation der Betroffenen notwendig ist. Wir dürfen bei der Betrachtung der Kapazitäten des Gesundheitswesens also nicht nur auf die Covid-19-Zahlen schauen, das zeitliche Zusammentreffen der drei Krankheiten kann schwierig werden“, erklärte Krause. Der Experte nahm auch zur Diskussion um die Bedeutung der Titer-Werte Stellung: „Tatsache ist, dass es noch keine wissenschaftlich definierten Referenzwerte gibt, die aussagekräftig genug sind, welche Titer-Werte vonnöten sind. Daher kann es natürlich auch keine Antworten darauf geben. Es gilt, den Vorgaben des Nationalen Impfgremiums nachzukommen und die Drittimpfung völlig unabhängig von allfällig vorhandenen Titer-Werten wahrzunehmen“, so Krause.

Von politischer Seite wünsche er sich Maßnahmen, durch die die Impfquote weiter gesteigert werden kann, um das derzeit zu hohe Infektionsgeschehen wieder zu reduzieren, so Krause. Einen dringenden Appell zur Impfung richtet der Wissenschaftler an alle Menschen mit Kinderwunsch: „Die Studienlage ist international klar: Die Impfung hat keinerlei Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Personen, egal welchen Geschlechts. Wissenschaftlich gesichert ist zudem: Die Impfung ist für Schwangere absolut unbedenklich. Daher ist es sehr wichtig, dass sich diese Personengruppen impfen lassen. Wir haben jetzt leider immer wieder ungeimpfte Schwangere mit Infektionen, die schwer erkranken. Dadurch kann das Leben des Kindes und jenes der Mutter gefährdet sein.“

Ganz allgemein rät Krause auch davon ab, auf weitere Impfstoffe zu warten, wie das immer wieder von Personen artikuliert werde: „Das ist keine sinnvolle Strategie. Alle vorhandenen und zugelassenen Impfstoffe haben eine hohe Schutzwirkung und gute Verträglichkeit. Sie sind übrigens ebenso Totimpfstoffe wie jene, auf die manche noch warten wollen. Jeder, der wartet, setzt sich einem großen Risiko einer Infektion und eines schweren Verlaufs aus“, warnt der Experte.

Das 33. Impf-Update kann  hier als Video nachgesehen werden.

Graz, am 22. Oktober 2021

Quelle: Kommunikation Land Steiermark

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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