Neuer WWF-Report zeigt enormen Flächenfraß in der Steiermark

Bodenverbrauch im Ländervergleich: Nachhaltigkeitsziele nach wie vor deutlich verfehlt – WWF fordert verbindlichen Bodenschutzvertrag von Bund, Ländern und Gemeinden Graz/Wien, am 17. Oktober 2021 – Angesichts des bevorstehenden Bodenschutzgipfels von Bund, Ländern und Gemeinden am 20. Oktober weist die Naturschutzorganisation WWF Österreich in einer neuen Analyse auf den besonders hohen Bodenverbrauch in der Steiermark hin und fordert verbindliche Maßnahmen, um den Flächenfraß zu begrenzen.

Mit einem Bodenverbrauch von durchschnittlich 3,3 Hektar pro Tag verbaut die Steiermark alleine deutlich mehr als das Nachhaltigkeitsziel für ganz Österreich vorsieht. Insgesamt ist in der Steiermark bereits eine Fläche von rund 101.300 Hektar produktiver Böden verloren gegangen. Bodenfressende Mega-Projekte wie das geplante Amazon-Lager nahe Graz zeigen, dass es nach wie vor kein Umdenken gibt“, kritisiert WWF-Bodenschutzsprecherin Maria Schachinger und fordert einen verbindlichen Bodenschutzvertrag für ganz Österreich sowie ein umfassendes Maßnahmenpaket auf allen Ebenen. „Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer muss daher beim Bodenschutz-Gipfel am 20. Oktober für eine verbindliche Obergrenze beim Flächenfraß eintreten“, fordert Maria Schachinger.Die neue WWF-Analyse zeigt, dass alle Bundesländer noch weit von einer nachhaltigen Bodennutzung entfernt sind. Während die Steiermark beim täglichen Bodenverbrauch mit 3,3 Hektar Spitzenreiter ist, liegt das Burgenland bei der pro Kopf versiegelten Fläche mit 510 Quadratmetern an vorderster Stelle. Gleichzeitig haben die kleinsten Bundesländer Wien und Vorarlberg am meisten für Landwirtschaft und Siedlungszwecke nutzbare Flächen verbaut (Vorarlberg 30 Prozent, Wien 79 Prozent).

Die hohe Versiegelung zeigt sich auch im Straßennetz, das bundesweit mehr als ein Drittel des gesamten Bodenverbrauchs verursacht und im Burgenland mit 31 Metern pro Kopf am dichtesten ist. „Der Flächenfraß hat massive Folgen für Mensch und Natur. Und obwohl es immer noch tausende Hektar ungenutzten Leerstandes gibt und in vielen Gemeinden die Ortskerne veröden, wird landauf, landab weiter auf der grünen Wiese gebaut“, kritisiert WWF-Expertin Schachinger.Insgesamt ist der Flächenfraß in Österreich mit 11,5 Hektar pro Tag mehr als viermal so hoch wie das offizielle Nachhaltigkeitsziels des Bundes von 2,5 Hektar. Seit der Jahrtausendwende ist der Bodenverbrauch fast dreimal so schnell gewachsen wie die Bevölkerung. „Die Verantwortung für den Bodenschutz darf nicht mehr länger auf die jeweils andere politische Ebene geschoben werden. Daher braucht es auf der politischen Raumordnungskonferenz am 20. Oktober endlich verbindliche Ziele statt Lippenbekenntnisse, die nie umgesetzt werden“, fordert Schachinger. Eine repräsentative market-Umfrage zeigt, dass sich drei Viertel der Bevölkerung einen Bodenschutz-Vertrag mit einer verbindlichen Obergrenze wünschen. Zudem befürworten vier von fünf Menschen in Österreich bei größeren Bauprojekten eine strengere Prüfung der Folgen für das Klima und den Bodenschutz.Die WWF-Petition „Natur statt Beton – Stoppt die Verbauung Österreichs!“ wurde bereits von mehr als 44.000 Menschen unterstützt und kann hier unterzeichnet werden.
 

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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