Auf den steirischen Autobahnen heuer so viel Lkw-Verkehr wie noch nie

Verstärkte Anreize zur Verlagerung auf Schiene nötig, Dieselprivileg abschaffen

VCÖ (Wien, 8. Oktober 2021) – Der Lkw-Verkehr auf den Autobahnen in der Steiermark hat heuer massiv zugenommen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt. So wurden auf der A2 Laßnitzhöhe um 14 Prozent mehr Lkw gezählt als im Vorjahr, auf der A9 bei Schwarzlsee nahm der Lkw-Verkehr sogar um fast 17 Prozent zu. Und: Die Lkw-Belastung ist bereits höher als im Vor-Coronajahr 2019. Um die Klimaziele im Verkehr erreichen zu können, braucht es eine verstärkte Verlagerung der Güter auf die Bahn, betont der VCÖ. Und die Steuerbegünstigung von Diesel ist endlich auch in Österreich zu streichen.

„Auf den steirischen Autobahnen sind heuer so viele Lkw wie noch nie unterwegs“, macht VCÖ-Experte Michael Schwendinger aufmerksam. Wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt, waren in den ersten acht Monaten des heurigen Jahres auf der A2 bei Laßnutzhöhe mit fast 1,8 Millionen um rund 14 Prozent mehr Lkw unterwegs als zur gleichen Zeit des Vorjahres, auf der A9 bei Schwarzlsee mit zwei Millionen um fast 17 Prozent mehr, auf der A9 bei Spielfeld gab es mit 890.000 eine Zunahme um rund 18 Prozent und auf der A2 bei der Zählstelle Flughafen Graz mit über 1,8 Millionen sogar eine Zunahme des Lkw-Verkehrs um fast 19 Prozent, informiert der VCÖ.

Auch auf den steirischen Schnellstraßen waren heuer deutlich mehr Lkw unterwegs als im Vorjahr. Auf der S6 bei Natschbach wurden um über fünf Prozent mehr Lkw gezählt, auf der S36 um rund sechs Prozent und auf der S35 um rund elf Prozent. Während die Lkw-Belastung auf den Schnellstraßen niedriger war als im Vor-Corona-Jahr 2019, waren auf den Autobahnen die Lkw-Lawinen bereits größer als vor der Covid-19-Pandemie, macht der VCÖ aufmerksam.

„Mit mehr Lkw-Verkehr wird aber Österreich seine Klimaziele verfehlen. Und dieses Verfehlen würde sehr teuer kommen“, warnt VCÖ-Experte Schwendinger. Der Rechnungshof hat in einem Bericht festgestellt, dass Österreich bei Verfehlen der Klimaziele im Jahr 2030 bis zu rund neun Milliarden Euro bezahlen muss.

„Der Transport von Güter ist unverzichtbar, aber ebenso ist es angesichts der sich verschärfenden Klimakrise unverzichtbar, diesen Transport so klimaverträglich wie möglich abzuwickeln. Anstatt Strafe zu zahlen, sollte Österreich beispielsweise verstärkt in betriebliche Gleisanschlüsse investieren“, betont VCÖ-Experte Schwendinger. Während die Anbindung der Betriebe an das Straßennetz im Regelfall vollständig durch die öffentliche Hand finanziert wird, bleiben die verladenden Unternehmen trotz Förderung auf einen großen Teil der Kosten für die Gleisanschlüsse sitzen. Diese Benachteiligung der Gleisanschlüsse gegenüber der Straße ist rasch zu beseitigen. Verlagerungswillige Unternehmen sind stärker als bisher zu unterstützen, finanziell und mit Know-How, etwa durch Verlagerungscoaches, so der VCÖ.

Werden Güter mit der Bahn statt mit Lkw-Sattelzügen transportiert, werden die durch den Transport verursachten CO2-Emissionen um 95 Prozent reduziert, wie die Daten des Umweltbundesamts zeigen. Zudem verursachen schwere Lkw nehmen den Abgasen auch Straßenschäden und erhöhen das Unfallrisiko.

„Letztlich geht es um die Frage, in welchem Zustand die heutige Erwachsenengeneration unsere Umwelt den Kindern und Enkelkindern hinterlässt““, erinnert VCÖ-Experte Schwendinger. Jeder und jede Einzelne kann durch das Konsumverhalten einen Beitrag zur Reduktion des Lkw-Verkehrs leisten. Langlebige Produkte aus der Region statt Wegwerfware aus fernen Kontinenten reduzieren Transportwege und stärken die regionale Wirtschaft. Bei Lebensmitteln saisonal und regional einkaufen und auch reparieren statt wegwerfen trägt zur Verkehrsvermeidung bei, so die Tipps des VCÖ.

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer, (0699) 18932695

VCÖ: Lkw-Verkehr auf steirischen Autobahnen und Schnellstraßen gestiegen (Lkw in den ersten acht Monaten 2021 – Änderung gegenüber Jänner bis August 2020 / Änderung gegenüber Jänner bis August 2019)

A9 Schwarzlsee: 2,00 Millionen Lkw (plus 16,9 Prozent / plus 8,4 Prozent)

A2 Flughafen Graz: 1,87 Millionen Lkw (plus 18,9 Prozent / plus 11,5 Prozent)

A2 Laßnitzhöhe: 1,78 Millionen Lkw (plus 14,3 Prozent / plus 8,6 Prozent)

A9 Spielfeld: 0,89 Millionen Lkw (plus 18,2 Prozent / plus 9,2 Prozent)

S36 Zmöllach: 0,49 Millionen Lkw (plus 6,2 Prozent / plus 1,6 Prozent)

S6 St. Marein: 0,46 Millionen Lkw (plus 7,1 Prozent / minus 3,3 Prozent)

S6 Natschbach: 0,46 Millionen Lkw (plus 5,4 Prozent / minus 2,2 Prozent)

S35 Peggau: 0,38 Millionen Lkw (plus 11,4 Prozent / minus 7,6 Prozent)

Quelle: Asfinag, VCÖ 2021

Der „VCÖ – Mobilität mit Zukunft“ ist eine auf Mobilität und Transport spezialisierte, gemeinwohlorientierte Organisation. Ziel des VCÖ ist ein ökologisch verträgliches, ökonomisch effizientes und sozial gerechtes Verkehrssystem. Die Sichtweise des VCÖ ist global orientiert, themenübergreifend und berücksichtigt die Interessen zukünftiger Generationen.
     

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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