Offener Brief: SHV-Verbandsversammlung: Schulsozialarbeit Liezen

Wie ich erfahren habe, ist in den nächsten Tagen die nächste Verbandsversammlung des Sozialhilfeverbands Liezen anberaumt. 
Diese Sitzung ist insbesondere für die Schulsozialarbeit, die betreuten Schulen und allen voran für die betroffenen Kinder und Jugendlichen von besonderer Bedeutung, weshalb ich mir erlaube Sie im Vorfeld zu kontaktieren.

Bitte betrachten Sie dieses E-Mail als einen „Offenen Brief“, der auch an das Schulqualitätsmanagement, Schulleitungen, Elternvertreter*innen, die Schulpsychologie, die ehemaligen Schulsozialarbeiterinnen und andere, in enger Kooperation mit der Schulsozialarbeit stehende, Personen ergeht.

Mir ist bekannt, dass es einen Grundsatzbeschluss der Verbandsversammlung gibt, der Fortführung der Schulsozialarbeit zuzustimmen, wenn das Land ausständige Zahlungen an den SHV tätigt.

Aus Medienberichten (Kleine Zeitung vom 24.09.) ist mir ebenso bekannt, dass die Zahlung offenbar nicht in erwarteter Höhe ergangen ist, jedoch die Landesrätin Bogner-Strauß zusichert, dass das Land bis Ende des Jahres selbstverständlich seinen Verpflichtungen nachkommen wird. In demselben Artikel wurde auch erwähnt, dass sich die Oppositionsparteien geschlossen für eine Wiederaufnahme ausgesprochen haben und die Thematik in der Landtagsitzung vom 28.09. aufgreifen wollen. Gemäß Tagesordnung der gestrigen Sitzung ist zwar eine Anfrage zurückgezogen worden, jedoch wurde die Thematik dennoch diskutiert. Die Diskussion lässt sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen: Das Land steht hinter der Schulsozialarbeit, der Finanzierungsanteil des Landes ist fixiert. Im konkreten Fall läge aber die Entscheidung beim SHV Liezen.

Aus einem ebenfalls gestern geführten ausführlichen Gespräch mit der für die Schulsozialarbeit zuständigen Abteilung 6, konkret mit Frau HR Mag.a Nagl und Mag.a Pieber, weiß ich, dass seitens des Landes der Beschluss zur Fortführung bereits vorliegt und die Vertragserstellung daher sehr schnell erfolgen würde, sofern es eine Zustimmung des SHV gäbe.

Mir ist bewusst, dass sich der Sozialhilfeverband in einer prekären wirtschaftlichen Lage befindet. Ich weiß nicht, was die Gründe dafür sind und maße mir dazu auch kein Urteil an. Ganz im Gegenteil, habe ich Verständnis dafür, dass der SHV seine wirtschaftliche Situation bereinigen muss.

Mir fehlt allerdings das Verständnis dafür, dass eine Dienstleistung nicht fortgeführt werden soll, die wirtschaftlich seit Jahren gut planbar ist, die in Folge korrekter und wirtschaftlicher Umsetzung in den letzten Jahren auch weniger gekostet hat, als veranschlagt und bei der es auch im laufenden Schuljahr keinerlei corona-bedingten Mehrkosten gibt und geben wird, wenn auch der gegebene Bedarf bereits bisher nicht gedeckt werden konnte und – darauf sei nochmals explizit hingewiesen – die Folgen der Corona-Pandemie gerade bei Kindern und Jugendlichen uns als Gesellschaft in den nächsten Jahren noch sehr beschäftigen werden. Mir fehlt das Verständnis auch deshalb, weil es offensichtlich eine breite und sehr hohe Zufriedenheit mit der Umsetzung durch die Schulsozialarbeiterinnen gibt.

Nicht zuletzt ist offensichtlich der eigentliche Gegenstand der politischen Auseinandersetzung zwischen SHV und Land völlig von der Schulsozialarbeit unabhängig. Daher halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Einsparung des Kostenanteils des SHV Liezen für die Schulsozialarbeit in der Höhe von rund 100.000 EUR für das Schuljahr 2021/ 2022 den Haushalt des SHV sanieren würde.

Die Schulsozialarbeit stellt, wie Sie wissen, vor allem eine Präventivleistung dar, die Schüler*innen frühzeitig Unterstützung bietet, noch bevor es zu massiven psychosozialen Belastungen kommt. Sie richtet sich damit an alle Schüler*innen an den betreuten Schulstandorten und stellt eine – insbesondere in Krisenzeiten – besonders wichtige Ressource dar. Wenn Belastungen schon frühzeitig bearbeitet und gemildert werden können, werden Eskalationen (wie bspw. Suizidversuche o.Ä.) reduziert und gravierende Langzeitfolgen vermindert, was sich volkswirtschaftlich jedenfalls mittel- und langfristig rechnet. Aber abseits dieser abstrakten Überlegungen, geht es schlussendlich immer auch um das individuelle Wohl eines Kindes oder Jugendlichen und seiner ganzen Familie. Die Schulsozialarbeit stellt durch ihre leichte Erreichbarkeit und Präsenz an der Schule oft die erste Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche dar, wenn bereits – mitunter schwerwiegende – Belastungen vorliegen. In diesem Fällen bietet die Schularbeit Einzelfallhilfe mit dem Ziel die Belastungen zu mildern oder ggfs. auch das vorhandene Unterstützungssystem zu aktivieren.

Ergänzend darf ich die Tätigkeit der Schulsozialarbeiterinnen noch kurz in statistischen Daten zusammenfassen:

Im Bezirk Liezen wurden im Schuljahr 2020/ 2021 zehn Mittelschulen und Polytechnischen Schulen von der Schulsozialarbeit von Sera Soziale Dienste gGmbH betreut. Demnach hatten1.445 Schüler*innen direkt am Schulstandort die Möglichkeit, das Angebot der Schulsozialarbeit in Anspruch zu nehmen. 

Insgesamt haben 240 Schüler*innen das Angebot einer (längerfristigen) Beratung in Anspruch genommen. Im Vergleich zum Schuljahr 2019/20 stieg die Anzahl der Einzelberatungen mit Schüler*innen (+58,6 Prozent) und der Elternberatungen (+45,3 Prozent) stark an. Wobei es sich vermehrt um komplexe Problemkonstellationen handelt. Die Bearbeitung dieser bedurfte durchschnittlich mehr Beratungseinheiten bzw. einer intensiven Einzelfallhilfe.

In 71 von 82 Schulklassen wurden Projekte und Workshops zu unterschiedlichen Themen wie z.B.: GesundheitskompetenzSoziales Lernen und Persönlichkeitsstärkung oderKinderrechte und Jugendschutz umgesetzt. 

Ergänzend dazu sind die Schulsozialarbeiterinnen in niederschwelligen Angeboten (bspw. Pausenangeboten oder Ähnliches) und in fixen Sprechstunden ansprechbar.

Abschließend ersuche ich Sie alle dringend, konstruktiv mitzuwirken, dass das Angebot der Schulsozialarbeit im laufenden Schuljahr doch noch wieder aufgenommen werden kann.

Sollte das in gemeinsamer Anstrengung gelingen, ist es aber mindestens genauso wichtig, über das laufende Schuljahr hinaus zu blicken und das Angebot der Schulsozialarbeit auch nachhaltig abzusichern, ansonsten wird es nächstes Jahr ein für Alle unliebsames Déjà-vu geben, wenn es zur Neuvergabe kommen soll. Ich denke Planungssicherheit wäre für alle handelnden Personen von Vorteil.

Zuletzt darf ich noch deponieren, dass ich – wenn gewünscht – jederzeit bereit bin zu einer Lösung beizutragen und mitzuwirken, wenn ich auch derzeit die Verantwortung auf politischer Ebene verorte.

Mit freundlichen Grüßen
Gregor Hoffmann

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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