Ausseerland: Wildnisgebiet Totes Gebirge- was steckt dahinter?

Ziemliche Diskussionen gibt es gegenwärtig über den Versuch, im Toten Gebirge ein Wildnisgebiet zu installieren. Derzeit existiert zwar eine entsprechende Studie (offenbar auf Wunsch der Bundeskoalition), sie liegt aber laut Auskunft von Bgm. Steinegger weder Land Stmk. noch Gemeinden vor. In Österreich gibt es bereits mehrere Regelungen zum Schutz der Natur, z.B. Natura 2000, Naturschutzgebiet, Nationalpark, Naturdenkmäler (schützen Einzelobjekte), Naturpark…. und eben das Wildnisgebiet. Die ablehnende Haltung im Grundlseer Gemeinderat hat offenbar damit zu tun, dass man entsprechende Einschränkungen befürchtet.

Ein steirische Wildnisgebiet gibt es bereits

Seit dem Sommer gibt es in der Steiermark bereits ein Wildnisgebiet (Dürrenstein-Lassingtal), die höchstmögliche Schutzgebietskategorie. Für die steirische Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner war es damals, laut einer Aussendung des Landes, ein „Meilenstein für den Naturschutz“.  Das Gebiet im Norden der Steiermark rund um den weitgehend unregulierten Lassingbach in den Gemeinden Landl und Wildalpen umfasst etwa 3.500 Hektar unberührte Natur, die seit 1. August 2021 unter Schutz gestellt worden sind. Durch den Zusammenschluss mit dem direkt angrenzenden, ebenso großen Wildnisgebiet Dürrenstein (Niederösterreich) entsteht ein europaweit einmaliges Schutzgebiet mit dem größten noch vorhandenen Urwald des Alpenbogens. Für die steirische Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner ein echter Meilenstein: „Jahrelang wurde verhandelt, jetzt ist es uns gelungen: Wir haben unser steirisches Wildnisgebiet! Ein echtes Vermächtnis, dass wir den kommenden Generationen hinterlassen“.

Klar ist, dass man derzeit noch nicht weiß, wie groß das Wildnisgebiet im Toten Gebirge sein soll, aber man kann sich vorstellen, dass in erster Linie der Jagdbetrieb betroffen sein wird. Inwieweit das nur die ÖBf berührt, ist derzeit nicht klar. Die Almrechte der Bauern scheinen weiterhin gewährleistet. Zum Thema “ Betretung eines Wildnisgebietes“ findet sich für das Wildnisgebiet Dürrenstein – Lassingtal folgende Anmerkung:

Darf man das Wildnisgebiet betreten?

„Ja und nein. Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal erstreckt sich über 3.500 Hektar. Den interessierten Besuchern steht daher eine große Anzahl an gut markierten, anspruchsvollen Wanderwegen und Gipfelzielen offen. Der Zutritt zum 400 Hektar großen Rothwald, dem eigentlichen UNESCO Weltnaturerbe, ist aus verständlichen Naturschutzgründen und aufgrund des uns auferlegten, wissenschaftlichen Forschungsauftrages leider nicht möglich.“

Aufklärung gewünscht

Das, was nun gefragt ist, wäre einmal eine entsprechende Aufklärung. Mangelnde Information hat bereits in der Vergangenheit dazu geführt, dass manche Vorhaben gescheitert sind, so wurde z.B. der Antrag, weite Teile des Gemeindegebietes von Altaussee als Weltnaturerbe auszuweisen, in den 90er Jahren abgelehnt. Auch dem Versuch der Ausdehnung des Nationalparkes Kalkalpen bis in die Region ist selbiges Schicksal beschieden gewesen.

Bei aller Forderung nach Aufklärung wird man aber auch etwas anderes diskutieren müssen, nämlich die Frage, ob die bisherigen Regelungen nicht ausreichen, die Natur zu schützen. Immerhin kostet der Schutz der Natur Geld und da könnte man ja auch die bereits bestehenden Töpfe besser füllen und Sinnvolles umsetzen. Das Tote Gebirge ist ja bereits Naturschutzgebiet und Natura 2000 Region.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Comments

  1. Das Wildnisgebiet Totes Gebirge ist wieder einmal ein Projekt das bereit angekündigt wird ohne die Betroffen zu Informieren. In diesem Gebiet haben wir bereits ein Naturschutzgebiet und Natura 2000, beide haben Einschränkungen sowohl für die Forstwirtschaft als auch die Almwirtschaft gebracht. Man sollte endlich daran denken das all diese Einschränkungen Eingriffe in unsere 200 Jahre alten Verträge bedeuten die ein wesentlicher Bestandteil unserer Höfe sind.All jene die solche Maßnahmen anregen sollten einmal mit offenen Augen durch unsere Landschaft gehen dann werden sie merken wie viele Flächen zuwachsen und wie viel Holz in unseren Wäldern liegen bleibt weil die Arbeitskräfte fehlen. Viele Bauern die früher diese Flächen bearbeitet haben haben ihre Höfe aufgelassen und die großen haben auch nur zwei Hände, also bleibt vieles liegen.Egal wo man hinfährt sind die Almen mit Forstwegen erschlossen bei uns sind solche Aktionen fast unmöglich. Man wird uns in unserer Arbeitsweise so lange einschränken bis der letzte kleine Bauer seinen Stall zusperrt, all die steilen und kleinen Flächen werden dann von der öffentlichen Hand gepflegt werden müssen, woher das Geld kommen soll weis ich nicht. Naturschutz ja aber bitte zuerst mit den Betroffenen reden.
    Franz Köberl Obmann der Einforstungsgenossenschaft Bad Aussee

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