Bezirk Liezen: Sozialhilfeverband streicht die Schulsozialarbeit

Grüne machen Aus für Schulsozialarbeit zum Thema in der kommenden Landtagssitzung – sofortige Wiederaufnahme gefordert

Die „empörende Vorgangsweise rund um das Aus für die Schulsozialarbeit im Bezirk Liezen“, wie es die Grüne LAbg. Lara Köck formuliert, wird Thema in der kommenden Landtagssitzung am nächsten Dienstag. Denn die Grünen werden dabei per Antrag die „sofortige Wiederaufnahme“ von Landesrätin Bogner-Strauß verlangen: „Offenbar wird ein politisches Muskelspiel zwischen Landesregierung und dem finanziell schwer angeschlagenen Sozialhilfeverband Liezen auf dem Rücken der Schulkinder ausgetragen“, so Köck und fügt hinzu: „Dies hat nach monatelangem Verzögerungsspiel dazu geführt, dass hunderte Schulkinder im Bezirk Liezen ohne die gerade jetzt dringend notwendige und stark nachgefragte Unterstützung im Stich gelassen werden.“ Köck spricht von einer „ungeheuerlichen“ Vorgangsweise – im Grünen Antrag im Landtag nächste Woche wird sie die Landesregierung ganz konkret auffordern, „die bis zum Schuljahr 2020/2021 bestehende Schulsozialarbeit im Bezirk Liezen ohne weitere Verzögerungen sicherzustellen.“

Bezirk Liezen: Junge Menschen nicht im Stich lassen!- Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ) zur Streichung der Schulsozialarbeit: Unterstützung für Kinder und Jugendliche jetzt besonders wichtig!

Seit 1. September gibt es im Bezirk Liezen keine Schulsozialarbeit mehr. Aus Geldmangel im Sozialhilfeverband wurde sie für das ganze Schuljahr gestrichen. Durch die Pandemie sind Hilfsangebote für junge Menschen jedoch wichtiger denn je. KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler appelliert an die politisch Verantwortlichen im Land, Kinder und Jugendliche in der Region nicht im Stich zu lassen.

„Schulsozialarbeit fungiert als Schnittstelle zwischen Bildung und Jugendhilfe. Ziel ist es, durch konkrete Angebote der Prävention und der Intervention eine Verbesserung der individuellen Lage einzelner Schülerinnen und Schüler (…), aber auch des gesamten Schulklimas, zu erreichen.“ – so beschriebt das Land Steiermark auf seiner Webseite die wichtige Funktion der Schulsozialarbeit.

Streit mit den Eltern, Wut, Langeweile, Essprobleme und Unsicherheit treten seit Beginn der Corona-Pandemie verstärkt auf. Dass die Krise besonders sozial benachteiligten Kindern zu schaffen macht, zeigen alarmierende Erhebungen wie jene der Volkshilfe Österreich und der Universität Salzburg: Jedes fünfte Kind gibt an, trauriger und einsamer als vor der Pandemie zu sein. Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten sind dreimal so häufig betroffen. In einer Studie der Donau-Universität Krems, bei der 3000 Jugendliche befragt wurden, wies mehr als die Hälfte depressive Symptome auf, jede/r sechste Befragte hat suizidale Gedanken. Symptome und Ängste haben sich verzehnfacht.

Liezen ist somit der einzige Bezirk in der Steiermark, in dem es keine Schulsozialarbeit gibt. Dabei ist mit einer Zunahme von Problemen junger Menschen zu rechnen. Bisher gab es Schulsozialarbeit in Form von zwei bis drei Sprechstundentagen direkt an den Schulen und zusätzlichen Einzelterminen. Laufende Betreuungen wurden eingestellt. Im vergangenen Schuljahr nahmen über 70 Schulklassen das Angebot in Anspruch.

Claudia Klimt-Weithaler: „Kinder und Eltern dürfen nicht mit ihren Problemen im Stich gelassen werden. Sie sind nicht für die finanziellen Probleme in der Verwaltung verantwortlich. Ich appelliere an die Landesrätinnen Juliane Bogner-Strauß und Doris Kampus, gemeinsam eine Sonderlösung für den Bezirk Liezen zu finden. Immerhin geht es um junge Menschen, die nun keine Anlaufstelle mehr haben, wenn sie nicht weiter wissen.“

FPÖ

Obmann Mario Kunasek Gerade angesichts der Corona-Krise ist es unverantwortlich, dass die Schulsozialarbeit nun gestrichen wird. Der Bezirk Liezen ist somit der einzige in der Steiermark, der nicht mehr über ein solches Angebot verfügt. Klar ist, dass wir die Finanzprobleme des Verbandes weiter genauestens im Auge behalten werden und die Wiederaufnahme der Schulsozialarbeit mit finanzieller Unterstützung der Landesregierung einfordern. „

NEOS Befragung an Bogner-Strauß: Warum werden Liezener SchülerInnen zurückgelassen?

Klubobmann Niko Swatek: “Finanzielle Streitereien der Verwaltung dürfen nicht zu Lasten unsere Kinder gehen und ihre Bildungschancen schmälern. Bogner-Strauß muss dringend handeln und ihr Versprechen von finanzieller Hilfe für Schulsozialarbeit in Liezen einhalten!”

NEOS werden mittels Befragung der Landesrätin Bogner-Strauß bei der kommenden Landtagssitzung herausfinden wo das versprochene Geld für die Schulsozialarbeit in Liezen geblieben ist. Weiters fordern NEOS von Bogner-Strauß eine Garantie, dass jeder steirische Bezirk über ausreichend SchulsozialarbeiterInnen verfügt.

Der Sozialhilfeverband in Liezen musste das Angebot von SchulsozialarbeiterInnen im Bezirk einstellen. Liezen ist damit der einzige steirische Bezirk ohne Schulsozialarbeit. Grund dafür ist die finanzielle Notlage des Verbands, die auch wegen fehlenden Zahlungen der Landesregierung entstanden ist.(1) Denn die Kosten für die Schulsozialarbeit zahlt zu 40 Prozent der lokale Sozialhilfeverband, und zu 60 Prozent das Land Steiermark. Die zuständige Landesrätin Bogner-Strauß ist seit mehreren Wochen über die problematische Situation in Liezen informiert. Laut eines medialen Berichts habe Bogner-Strauß bereits Anfang September eine Zahlung veranlasst, auf diese wartet man in Liezen allerdings bis heute vergeblich. Aus einem Schreiben der Bezirkshauptmannschaft Liezen an betroffene Eltern geht klar hervor, dass man bis dato auf über 100.000 Euro vom Land wartet.

“Bildung darf keine Frage der Postleitzahl sein! Doch Liezener Schüler und Schülerinnen, ihre Eltern und Lehrkräfte werden momentan mit ihren Herausforderungen im Stich gelassen. Die Sozialarbeit ist allerdings enorm wichtig für unsere Schulen. Sie kann Probleme abbauen und durch Prävention gar nicht erst entstehen lassen. Weiters spielt die Sozialarbeit die engagierten Lehrkräfte frei, damit sie sich wieder ihren Kernaufgaben, der Kompetenz- und Wissensvermittlung, widmen können”, so Swatek.

NEOS fordern eine Garantie der Landesrätin dafür, dass die Schulsozialarbeit in jedem steirischen Bezirk angeboten wird: “Finanzielle Streitereien der Verwaltung dürfen nicht zu Lasten unsere Kinder gehen und ihre Bildungschancen schmälern. Heute gesetzte Maßnahmen und Hilfen der Schulsozialarbeit wirken sich enorm auf das künftige Leben der SchülerInnen aus. Hier einzusparen oder fahrlässig mit versprochenen finanziellen Mitteln umzugehen, ist einer Landesregierung unwürdig. Eine Bildungslandesrätin die es nicht mal schafft das gering bestehende Angebot aufrecht zu halten wäre fehl am Platz. Das ist das Mindeste! Bogner-Strauß muss also endlich alle Hebel in Bewegung setzten und die Schulsozialarbeit in Liezen wieder ermöglichen”, so Swatek abschließend.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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