Die Steiermark bündelt Initiativen in einer eigenen Gewaltschutzstrategie

Gewaltschutzbeirat trat im Zeichen zunehmender Gewalttaten gegen Frauen zusammen
Die Steiermark bündelt Initiativen in einer eigenen Gewaltschutzstrategie

Graz (20. September 2021).- Bereits 21 Frauen sind seit Jahresbeginn in Österreich von ihren ehemaligen oder aktuellen Partnern getötet worden. Diese Fälle von entsetzlicher Gewalt sind aber nur die Spitze eines dramatischen Eisberges an häuslicher Gewalt, die von Einschüchterungen, Drohungen über körperliche Gewalt bis zu Tötungen reicht. So ist laut Statistiken jede fünfte Frau ab 15 Jahren seelischer und körperlicher sowie sexueller Gewalt ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund trat heute Montag (20.9.2021) der Gewaltschutzbeirat des Landes Steiermark auf Einladung von Soziallandesrätin Doris Kampus und Frauenlandesrätin Juliane Bogner-Strauß zusammen.

Bei der Zusammenkunft wurde Übereinstimmung erzielt, dass das Land Steiermark unter Einbindung von Expertinnen und Experten eine Gewaltschutzstrategie ausarbeiten und beschließen wird.„Der Schutz vor häuslicher Gewalt, Prävention und Therapie sind seit Jahren für uns politisch sehr wichtig. Es ist sinnvoll und notwendig, für alle diese Initiativen der vergangenen Jahre und Monate eine gemeinsame Basis zu schaffen. Langfristige Ziele und Maßnahmen werden wir in einer eigenen Gewaltschutzstrategie des Landes Steiermark beschreiben“, erläutern die Landesrätinnen Kampus und Bogner-Strauß das Ziel des Entschlusses im Gewaltschutzbeirat, der Expertinnen und Experten aus Betreuung und Beratung sowie der Polizei und Justiz und des Landesdienstes versammelt.

Die Steiermark selbst ist in vielen Bereichen des Gewaltschutzes vorbildlich: So gibt es ein eigenes Gewaltschutzeinrichtungsgesetz, das einen eigenen Rechtsanspruch für Opfer von häuslicher Gewalt auf Schutz (zum Beispiel in einem der beiden Frauenhäuser) festschreibt. In den vergangenen drei Jahren gab es weitere Meilensteine mit der Gründung des Gewaltschutzbeirates sowie speziellen Maßnahmenpaketen wie Ausweitung der Kinderschutzzentren in der gesamten Steiermark, Krisenwohnungen in allen Regionen, Übergangswohnungen in Graz und breit angelegte Sensibilisierungskampagnen mit Stakeholdern. Die Steiermark zeichnet sich zudem durch best-practice-Projekte wie opferschutzorientierte Täterarbeit aus.„Gewalt gegen Frauen ist eine der hässlichsten Seiten unserer Zeit“, hebt Soziallandesrätin Doris Kampus in ihrem Statement hervor. „Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Hinschauen statt wegschauen muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein.“ Kampus verweist auf jährlich 6,5 Millionen Euro aus dem Sozialbudget, die für den Gewaltschutz von Frauenhäusern über Gewaltschutzzentren bis hin zu regionalen Krisenwohnungen aufgewendet werden. Somit geht das Angebot in der Steiermark über das Niveau anderer Bundesländer – ergänzt mit Fallkonferenzen und Ausbau der Angebote für Gewalttäter – deutlich hinaus.„Der Schutz vor Gewalt betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Kinder, Jugendliche und Männer. Gewalt passiert in allen gesellschaftlichen Schichten, daher muss Gewaltprävention aus der Perspektive der gesamten Gesellschaft gesehen werden. Die Steiermark ist hier seit Jahren Vorreiter und es gibt viele wichtige Maßnahmen. Ich begrüße daher die Initiative, eine ganzheitliche Gewaltschutzstrategie zu entwickeln.

Damit hat die Steiermark – neben der Gleichstellungsstrategie, die bereits definierte Handlungsfelder im Bereich der Gewaltprävention enthält – ein weiteres gutes Instrument zur Verfügung, um Gewalt in der Gesellschaft keinen Platz zu geben“, unterstreicht Frauenlandesrätin Juliane Bogner-Strauß.

Titelbild: Soziallandesrätin Doris Kampus
© Bild: Land Steiermark/Peter Drechsler

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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