VCÖ: Im Vorjahr in der Steiermark deutlich weniger Fußgängerunfälle, aber jeder 3. passierte auf einem Schutzweg!

VCÖ: Mehr Verkehrsberuhigung und mehr Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet

VCÖ (Wien, 3. September 2021) – Der Verkehrsrückgang infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie hat in der Steiermark im Vorjahr zu rund einem Viertel weniger Fußgängerunfälle geführt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Aber jeder dritte Fußgängerunfall passierte im Vorjahr auf einem Schutzweg, 95 Fußgängerinnen und Fußgänger wurden dabei verletzt. Auch aufgrund des baldigen Schulanfangs ist erhöhte Aufmerksamkeit der Kfz-Lenkenden sehr wichtig. Darüber hinaus ist mit verstärkter Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 die Sicherheit der Fußgängerinnen und Fußgänger zu erhöhen, betont der VCÖ.

„Im Vorjahr wurden zwar mehr Alltagswege zu Fuß zurückgelegt, aber durch den Rückgang des Kfz-Verkehrs infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie ist die Zahl der Fußgängerunfälle zurückgegangen“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Bei einer repräsentativen Umfrage sagten 45 Prozent der Steirerinnen und Steirer, dass sie infolge der Covid-19 Pandemie mehr Alltagswege zu Fuß zurücklegten. Gleichzeitig verunglückten aber in der Steiermark mit 290 um 28 Prozent weniger Fußgängerinnen und Fußgänger im Straßenverkehr.

Aber jeder dritte Fußgängerunfall passierte auf einem Schutzweg. 95 Fußgängerinnen und Fußgänger wurden dabei verletzt, weist der VCÖ auf die Daten der Statistik Austria hin. Auch die Schutzwegunfälle gingen zurück von 147 im Jahr 2019 auf 97 im. Zu oft wird der sehr eindeutige Paragraph 9 der StVO missachtet. In diesem heißt es: „Der Lenker eines Fahrzeuges darf sich einem Schutzweg nur mit einer solchen Geschwindigkeit nähern, dass er das Fahrzeug vor dem Schutzweg anhalten kann.“

„Wo Menschen unterwegs sind passieren Fehler. Deshalb muss ein Verkehrssystem so gestaltet werden, dass ein Fehler nicht die Gesundheit oder gar das Leben eines anderen Verkehrsteilnehmers gefährdet“, spricht sich VCÖ-Experte Schwendinger für verstärkte Maßnahmen für ein fehlertolerantes Verkehrssystem aus.

Die Geschwindigkeit ist dabei ein zentraler Faktor. Ein Pkw, der bei 30 km/h einen Anhalteweg (Reaktions- und Bremsweg) von elf Metern hat, steht bei 50 km/h erst nach 24 Metern und hat nach elf Metern noch eine Geschwindigkeit von 49 km/h. Wird ein Fußgänger mit diesem Tempo niedergefahren sind schwerste Verletzungen die Folge. Mit Verkehrsberuhigung, baulichen Maßnahmen wie Aufpflasterungen und Gehsteigvorziehungen sowie mehr Tempo 30 statt 50 können Gemeinden und Städte die Sicherheit für die schwächsten Verkehrsteilnehmer deutlich erhöhen.

Wichtig ist auch das Umfeld von Schutzwegen so zu gestalten, dass Autofahrende eine gute Sicht auf Personen haben, die die Straßen überqueren möchten. Das bestehende Halte- und Parkverbot vor Schutzwegen ist von derzeit fünf auf mindestens zehn Meter zu erweitern, betont der VCÖ.

Auch Maßnahmen, die die Aufmerksamkeit erhöhen, sind wichtig, wie etwa verstärkte Kontrollen gegen Handy am Steuer. Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert etwa eine halbe Sekunde verspätet. Vor allem für ältere Menschen ist es wichtig, dass es erst gar nicht zu einem Unfall kommt. Seniorinnen und Senioren haben ein vielfach höheres Risiko bei einem Fußgängerunfall tödlich verletzt zu werden.

Für die eigene Sicherheit ist sehr wichtig, vor dem Überqueren eines Schutzweges immer darauf zu achten, dass ein herannahendes Fahrzeug reagiert, möglichst Blickkontakt mit dem Kfz-Lenkenden herstellen. Angesichts des bevorstehenden Schulanfangs sind alle zu erhöhter Aufmerksamkeit im Straßenverkehr aufgerufen. Auch das Vermeiden von Autofahrten ist wichtig, Elterntaxis verschärfen nicht nur Verkehrsprobleme im Schulumfeld, sondern schaden auch dem eigenen Kind.

VCÖ: Jeder 3. Fußgängerunfall in der Steiermark auf einem Schutzweg (Anteil Unfälle am Schutzweg an den Fußgängerunfällen im Jahr 2020, in der Klammer Anzahl der Schutzwegunfälle)

Österreich: 32,0 % (863)

Vorarlberg: 43,7 % (62)

Wien: 36,6 % (332)

Steiermark: 32,6 % (97)

Kärnten: 30,1% (49)

Tirol: 28,2 % (75)

Oberösterreich: 28,0 % (104)

Salzburg: 27,0 % (47)

Niederösterreich: 26,3 % (88)

Burgenland: 24,3 % (9)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2021

VCÖ: Fast 100 Fußgängerinnen und Fußgänger wurden in der Steieramrk am Schutzweg verletzt (Anzahl verletzte Fußgängerinnen und Fußgänger bei Unfällen am Schutzweg, in Klammer Todesopfer, Jahr 2020)

Österreich: 873 (9)

Wien: 338 (0)

Oberösterreich: 106 (1)

Steiermark: 95 (0)

Niederösterreich: 93 (0)

Tirol: 74 (4)

Vorarlberg: 61 (3)  

Kärnten: 50 (0)

Salzburg: 47 (1)

Burgenland: 9 (0)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2021

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at