VCÖ: Lkw-Verkehr hat im 1. Halbjahr auf den steirischen Autobahnen und Schnellstraßen massiv zugenommen

Die Lkw-Lawinen rollen wieder auf den steirischen Autobahnen und Schnellstraßen. Im 1. Halbjahr hat der Lkw-Verkehr im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen, auf einigen Abschnitten fuhren sogar mehr Lkw als vor der Coronakrise, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Um die Klimaziele im Verkehr erreichen zu können, muss der Güterverkehr einen stärkeren Beitrag zum Klimaschutz leisten als bisher, betont der VCÖ. Nötig sind verstärkte Anreize zur Verlagerung von Güter auf die Bahn.

Der subjektive Eindruck vieler Autofahrerinnen und Autofahrer, dass der Lkw-Verkehr auf den Autobahnen wieder stark zugenommen hat, wird durch die objektiven Daten bestätigt. Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Asfinag zeigt, dass heuer im 1. Halbjahr in der Steiermark deutlich mehr Lkw unterwegs waren als im 1. Halbjahr 2020. Und nicht nur das: Es waren auf etlichen Abschnitten sogar mehr Lkw unterwegs als vor Covid-19. „Mit mehr Lkw-Verkehr wird Österreich seine Klimaziele verfehlen. Und dieses Verfehlen würde, wie der Rechnungshof bereits festgestellt hat, sehr teuer kommen“, warnt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

In der Steiermark waren auf der A9 bei Schwarzlsee mit über 1,4 Millionen die meisten Lkw unterwegs, um 17 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2020, berichtet der VCÖ. Auf der A2 beim Flughafen Graz nahm der Lkw-Verkehr sogar um fast 20 Prozent auf fast 1,4 Millionen zu, auf der A2 Laßnitzhöhe gab es eine Zunahme um über 15 Prozent auf 1,3 Millionen. Damit nimmt der Lkw-Verkehr deutlich stärker zu als die Wirtschaft wächst, was keine positive Entwicklung ist.

Und: Auf vielen Abschnitten sind so viele Lkw wie noch nie unterwegs, die bisherigen Rekordwerte des 1. Halbjahres 2019 wurden überschritten, macht der VCÖ aufmerksam.

Für die Anrainerinnen und Anrainer bedeutet das: Mehr Belastung durch Lärm und Abgase. Deshalb braucht es verstärkte Maßnahmen, die den Lkw-Verkehr reduzieren und Güter auf die Schiene verlagern. „Der Ausbau von Straßen würde übrigens das Gegenteil bewirken: Der Transport auf der Straße wird dadurch beschleunigt, mehr Lkw-Transit ist dann die Folge“, erklärt VCÖ-Experte Schwendinger. Wie Daten des Umweltbundesamts zeigen, können in Österreich mit der Verlagerung von Lkw-Sattelzügen auf die Schiene die CO2-Emissionen des Transports um 95 Prozent reduziert werden. Vor allem das Potenzial der betrieblichen Gleisanschlüsse ist stärker zu nutzen.

Benachteiligungen der Gleisanschlüsse gegenüber der Straße sind rasch zu beseitigen. Während die Anbindung der Betriebe an das Straßennetz im Regelfall vollständig durch die öffentliche Hand finanziert wird, bleiben die verladenden Unternehmen trotz Förderung auf einem großen Teil der Kosten für die Gleisanschlüsse sitzen. Wo Gleisanschlüsse nicht möglich sind, braucht es Anreize und Förderungen für kombinierten Güterverkehr, etwa terminalautonome Umschlagsysteme vom Lkw auf die Bahn. „Verlagerungswillige Unternehmen sind stärker als bisher zu unterstützen, finanziell und mit Know-How, etwa durch Verlagerungscoaches“, fordert VCÖ-Experte Schwendinger.

Jeder und jede Einzelne kann durch das Konsumverhalten einen Beitrag zur Reduktion des Lkw-Verkehrs leisten. „Langlebige Produkte aus der Region statt Wegwerfware aus fernen Kontinenten reduzieren Transportwege und stärken die regionale Wirtschaft. Bei Lebensmitteln saisonal und regional einkaufen und auch reparieren statt wegwerfen trägt zur Verkehrsvermeidung bei“, nennt VCÖ-Experte Schwendinger ein paar Beispiele.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at