Grünerlen-Äste auf Haufen werfen und Alm „zusammenräumen“. Linzerin reist dafür in die Steiermark.

Eine Gruppe von naturbegeisterten Familien unterstützt die Almbauern bei ihrer Arbeit. Organi- siert wird das Bergwaldprojekt vom Österreichischen Alpenverein.

St. Nikolai im Sölktal. 20 Teilnehmende aus Berlin, Heidelberg, Wien, Innsbruck, St. Pölten und Linz kommen zum Familien-Projekt des Österreichischen Alpenverein in den Naturpark Sölktäler. Sie treffen sich vom 18. bis zum 24. Juli, um mit einem kompetenten Betreuer*innen- team gemeinsam Almen zu schwenden.

Das bedeutet im Detail, Äste von Grünerlen auf der Winkleralm zusammenzutragen und auf der Bräualm Äste und Steine, die eine Lawine eingebracht hat, zu beseitigen. Kühe und Pferde können dann die Futterfläche wieder voll nutzen.
Auch das Beseitigen von Beikräutern, die für das Vieh giftig sind und nicht gefressen werden, ist wesentlich, damit diese nicht überhandnehmen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene leisten die wertvolle Arbeit mit viel Hingabe und Sinn für Gemeinschaft.

Tage draußen

Morgens nach dem Frühstück und Qi Gong macht sich die Gruppe auf den Weg zur Arbeits- fläche. Das generationenübergreifende Team investiert Ehrgeiz,Teamgeist und Freude in die kör- perlich durchaus anstrengende Arbeit. Schön ist es, zu beobachten, wie auch die Kinder kräftig mitanpacken. Der Geäst-Haufen wächst und mit ihm der Stolz über die geleistete Handarbeit. Elena K., eine Jugendliche aus Linz, ist zum ersten Mal dabei. Sie genießt die ansteckende Be- geisterung der Erwachsenen und die lebensfrohe Leichtigkeit der Kinder, die dem gemeinsamen Arbeiten so viel Freude gibt. „Besonders leicht ging die Arbeit von der Hand, als wir uns zu einer Kette formierten und das Geäst von Person zu Person weitergaben. Durch das gemeinsamTun sind wir schnell ins Gespräch gekommen. Ich habe mich auch als „Neue“ gleich in der Gruppe aufgenommen gefühlt. Es war bereichernd, so viele verschiedene Menschen kennenzulernen und eine Woche lang miteinander ein Ziel zu verfolgen.“

Für die Teilnahme ist nicht notwendig, professionelles Alm-Wissen mitzubringen. Rücksicht auf Groß und Klein ist für die gesamte Gruppe selbstverständlich. Die Helfer*innen lernen innerhalb der Woche außerdem einiges über die Almwirtschaft, Flora und Fauna. Alminspektor Franz Berg- ler und Veronika Schachner-Berger, Geschäftsführerin des Naturparks Sölktäler, teilen ihr Wissen und bringen zu ihrenVorträgen sogar Pflanzenexemplare und ein Quiz mit.Disteln beispielsweise müssen samt Wurzeln entfernt werden, mähen alleine reicht nicht aus.

Auch für Freizeit ist gesorgt

Der arbeitsfreie Tag in der Mitte der Woche verbringt ein Teil der Gruppe mit einer Wande- rung zum Hohensee. Der andere Teil nimmt im Jesuitengarten vom Schloss Großsölk an einer Kräuterführung teil.Außerdem nehmen sie die Trögermühle in Betrieb, um dort Mehl zu mahlen. Jede*r bäckt ein kleines Brot im gemauerten Ofen.

Für die Familien ist die Arbeitswoche in der Steiermark auch irgendwie Urlaub. Das ergibt sich aus einem Gespräch am Lagerfeuer, als ein paar Teilnehmende über den Tag reflektieren. Es tut gut, etwas selbst mit den Händen zu machen und bei der Arbeit den eigenen Körper zu spüren. Für viele der freiwilligen Helfer*innen bringt die Zeit hier Abwechslung und Ausgleich zum Stadt- alltag. Die Bewegung draußen und die Umgebung der grünen Berge und Wasserfälle gibt Kraft. Der Bezug zur Natur – das ist, was viele der Eltern mit der Teilnahme am Bergwaldprojekt an ihre Kinder weitergeben wollen.

Ein sorgfältiger Umgang mit der Kulturlandschaft und eine nachhaltige Bewirtschaftung sind we- sentliche Werte vom Naturpark und werden von den Helfenden weitergetragen. Das freiwillige Engagement ist eine große Hilfe für die Bauersfamilien. Sie danken den Helfer*innen täglich mit herzlicher Gastfreundschaft. Besonders wertvoll macht das Projekt der Austausch von Menschen aus der Großstadt mit der lokalen Bevölkerung.

© Elena Kappler
© Elena Kappler

Dipl.-Ing. Franz Bergler, Alminspektor Land SteiermarkInformation für Pressegespräch am 22.07.2021: ÖAV Familienprojekt St. Nikolai

„In meiner Funktion als Alminspektor der Agrarbezirksbehörde für Steiermark unterstütze ich natürlich gerne das ÖAV-Familienprojekt im Sölktal. Nach der Anreise und der Begrüßung der teilnehmenden Familien gebe ich einen Einblick in die Arbeiten und Tätigkeiten auf der Alm. Dabei wird natürlich die Wichtigkeit der Erhaltung der Kulturlandschaft „Alm“ erläutert. Mich fasziniert die Leichtigkeit und vor allem der Spaß mit welchem die Jugendlichen und Eltern dabei sind, wenn es darum geht, mit den eigenen Händen die Almlandschaft zu erhalten. Dabei ist natürlich auch das richtige Verhalten der Besucher und Gäste auf der Alm mit den

Tieren wichtig. Ich erkläre den Teilnehmern, wie eine Kuh sieht und warum die Weidetiere neugierig sind und manchmal auch auf die Besucher zugehen. Der Hintergrund ist, dass sie vom Halter bzw. vom Bauern Salz bekommen und die Tiere den Menschen als Betreuungsperson sehen, von dem sie was Gutes bekommen.

Ein Teil meines Fachvortrages befasst sich mit Almpflanzen. Pflanzen wie das Alpen-Kreuzkraut und der Weiße Germer, die für das Weidevieh unverträglich und giftig sind, werden den Teilnehmern gezeigt.

Ein Teil der Sträucher wie Weiden, Erlen und Zwergwacholder, die zu viel auf den Almflächen sind, wird von der Projekt-Gruppe entfernt. So haben die Weidetiere weiterhin gutes Gras zur Verfügung und die schön strukturierte Almlandschaft bleibt in ihrer Vielfalt mit hoher Biodiversität erhalten. Selbstverständlich werden diese Maßnahmen immer im Zusammenhang mit der Ökologie und dem Naturschutz durchgeführt.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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