SOKO Wald: Bundesforste starten Suche nach verschollenem Baumschläfer

Auftakt für bundesweites Citizen-Science-Projekt mit Naturschutzbund und Institut Apodemus – Auf Spurensuche mit Nistkästen, Kamerafallen und Tunneln – Erster Nachweis in Salzburg gelungen 

Es ist ein Fall für viele: Gemeinsam mit der Bevölkerung starten die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund und dem privaten Institut für Wildtierbiologie apodemus dieser Tage eine aufwändige Suche nach dem heimischen Baumschläfer. Das kleine Säugetier aus der Familie der Bilche oder Schläfer gilt als extrem selten und ist europaweit streng geschützt. Durch seine versteckte Lebensweise ist er schwer zu entdecken und seine Verbreitung in Österreich weitgehend unbekannt – viele der letzten Meldungen sind mehr als 100 Jahre alt. Der rund neun Zentimeter kleine Bilch mit grauem Rückenfell, weißlichem Bauch, leicht buschigem Schwanz und maskenhaft dunkler Färbung um Augen und Nase lebt in naturnahen Laub- und Mischwäldern und bewegt sich bevorzugt kletternd im Geäst. Sein Überleben ist somit untrennbar mit dem Lebensraum Wald verbunden. „Als größter Naturraumbewirtschafter des Landes setzen wir uns für Artenvielfalt und Naturschutz ein. Wir arbeiten beständig daran, die Vielfalt an Arten, Lebensräumen und die genetische Vielfalt zu erhöhen – und zwar nicht nur in Schutzzonen, sondern auf allen unseren Flächen. Ziel ist eine integrierte, ökologisch orientierte Waldbewirtschaftung, denn Ökologie und Ökonomie schließen sich nicht aus. Und auch wenn es auf den ersten Blick kurios anmutet: Die Suche nach noch so seltenen Arten ist wichtig, denn jede einzelne Art trägt zur Biodiversität unserer Natur bei und macht sie widerstandfähiger“, so Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager.

Bundesweite Suche nach Superheld im Schlafmodus
„Wir wollen mehr über den kleinen Kletterkünstler und seine Lebensraumbedürfnisse herausfinden, um ihn bestmöglich zu schützen. Der Baumschläfer kann leicht mit dem Siebenschläfer oder der Haselmaus verwechselt werden. Darum bitten wir die Bevölkerung um möglichst viele Meldungen von Bilche-Sichtungen“, so Naturschutzbund-Präsident Roman Türk. Mit seiner schwarzen Augenmaske sieht der Baumschläfer zwar aus wie ein Superheld in Aktion, tatsächlich verbringt er aber einen Großteil des Jahres ganz schlafmaus-typisch im Winterschlaf. Und auch wenn er aktiv ist, führt er ein sehr verstecktes Leben zwischen Zweigen oder in sein Nest gekuschelt. „Wir suchen in allen Bundesländern und freuen uns über tatkräftige Unterstützung von möglichst vielen Naturbegeisterten.“ Unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus und der Europäischen Union.

600 Nistkästen ausgebracht – erster Nachweis in Salzburg gelungen
Um zu erforschen, wie der Lebensraum für diese Tierart erhalten werden kann und festzustellen, in welchen Gebieten Österreichs der Baumschläfer noch vorkommt, hat das Projektteam auf Bundesforste-Flächen mehr als 600 wetterfeste Holzquartiere – spezielle Baumschläfer-Nistkästen – installiert. Ein erster, wichtiger Erfolg hat sich nach ein paar Monaten im Bundesforste-Forstrevier St. Michael in der Nähe von Tamsweg (Salzburg), eingestellt: Ein Baumschläfer-Weibchen hat den Nistkasten bereits angenommen.

Wer sich am Citizen-Science-Projekt beteiligen möchte, kann sich unter www.baumschlaefer.at informieren und dort auch Sichtungen melden. Veranstaltungen, Mitmach-Aktionen, Informationsmaterialien und Anleitungen, wie zum Beispiel zum Bau eines Spurentunnels mit einer „Tinte“ aus Aktivkohle und Speiseöl oder für die Installation von Beobachtungskameras, laden zur Freilandforschung ein. Das Projektteam sammelt alle Meldungen, steht für Anfragen und Informationen zur Verfügung und wird in Veranstaltungen sein Wissen teilen. Darüber hinaus entwickelt die Gruppe einen Leitfaden für die naturnahe Bewirtschaftung von Waldflächen, die auf seltene Arten Rücksicht nimmt und für genügend Verstecke und geschützte Räume wie Hecken, Sträucher, Totholz und Jungwald sorgt. „Was einer nicht schafft, schaffen viele“, so Rudolf Freidhager optimistisch. „Wir laden alle ein, die Augen und Ohren offen zu halten und auf die Spuren des kleinen Baumschläfers zu gehen. Es wäre tatsächlich eine Sensation, wenn wir ihn finden – egal wo in Österreich.“

Foto:
(c) Lubomir Hlasek, ÖBf-Archiv

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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