VCÖ: Mehr als 200 Quadratkilometer der Steiermark durch Verkehrsflächen versiegelt

VCÖ: Entsiegelungsprogramm insbesondere bei Pkw-Parkplätzen starten

VCÖ (Wien, 19. Juli 2021) – Die Hochwasser-Katastrophe führt drastisch vor Augen, dass es rasch verstärkte Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen braucht, betont der VCÖ. Starkregen-Ereignisse, wie wir sie in Mitteleuropa in den vergangenen Tagen erlebt haben, werden künftig zunehmen. Versiegelte Flächen verhindern, dass das Wasser im Boden versickern kann. In der Steiermark sind bereits rund 215 Quadratkilometer durch Verkehrsflächen versiegelt, macht der VCÖ aufmerksam. 97 Prozent der versiegelten Flächen sind Straßen und Parkplätze. Der VCÖ fordert Entsiegelungsmaßnahmen insbesondere bei Pkw-Parkplätzen.

„Die vergangenen Tage haben drastisch vor Augen geführt, dass auch in Mitteleuropa die Klimakrise zur Klimakatastrophe werden kann. Die Warnungen der Klimawissenschaft und Meteorologie sind eindeutig: Wir brauchen sowohl eine raschere Reduktion der Treibhausgas-Emissionen als auch verstärkte Klimawandel-Anpassungsmaßnahmen“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Bodenversiegelung verschärft die Folgen von Starkregen. Versiegelte Böden können kein Wasser aufnehmen. Der VCÖ weist darauf hin, dass in der Steiermark allein wegen der Verkehrsflächen rund 215 Quadratkilometer des Landes versiegelt sind. 97 Prozent davon sind Straßen und Parkplätze, wie Daten des Umweltbundesamts zeigen. „Allein seit dem Jahr 2012 sind in der Steiermark fast 600 Hektar durch Straßen und Parkplätze zusätzlich versiegelt worden, das entspricht der Fläche von 1.000 Fußballfeldern“, verdeutlicht VCÖ-Experte Schwendinger. Wegen Verkehrsflächen sind in der Steiermark rund 215 Quadratkilometer versiegelt, in ganz Österreich sind es insgesamt rund 1.240 Quadratkilometer.

Infolge der massiven Erwärmung in der Arktis wird der Jetstream schwächer. Dadurch halten sich die Wetterlagen länger an einem Ort, also auch Gewitter und damit verbundener Starkregen. Die Wassermassen, die an einem Ort niedergehen, sind entsprechend größer.

Der VCÖ betont, dass eine rasche Umsetzung eines Entsiegelungsprogramms dazu beitragen kann, die negativen Folgen von Starkregen zu minimieren. Gerade bei Parkplätzen kann durch eine andere Oberfläche das Versickerungsvolumen vergrößert werden. Besonders bei großen Parkplätzen, etwa bei Supermärkten, Einkaufszentren oder Firmen, besteht akuter Handlungsbedarf. Während Asphaltbeton kein Wasser durchlässt, kann beispielsweise bei Rasengittersteinen und Kalkschotterdecken viel Wasser in die Böden versickern. „Die Entsiegelung von Pkw-Parkplätzen wirkt zusätzlich bei Hitzewellen gegen das massive Aufheizen der Parkplätze. Asphaltdecken verursachen Hitzestaus, Parkplätze werden regelrecht zu Backöfen, die die Umgebung noch stärker aufheizen“, betont VCÖ-Experte Schwendinger.

Neben den Parkplätzen verschärft auch Straßenbau das Problem der Bodenversiegelung. Anstatt weitere Flächen durch breitere oder neue Straßen zu versiegeln, wird es in Zukunft wichtiger werden, überbreite Straßen rückzubauen, wie das beispielsweise in Kärnten bereits gemacht wird. So wurde aus der neun Meter breiten Kärntner Straße B83 bei Arnoldstein ein eineinhalb Meter breiter Grünstreifen gefräst und ein Teil der Straße auch in einen Radweg umgewandelt. Zusatzvorteil von Straßenverschmälerungen: Die Erhaltungskosten für Straßen reduzieren sich um bis zu 30 Prozent.

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Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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