Bürger außerhalb von Graz, wie im Murtal, haben auch ein Recht auf Mobilität

Umdenken zu umweltverträglicher Mobilität hat in der Steiermark anscheinend noch nicht stattgefunden!

In der Steiermark scheint es eine merkwürdige Zuordnung der Wichtigkeit von Menschen in den Köpfen der Politiker zu geben. Mit der Entfernung zur Landeshauptstadt sinkt die Wertigkeit der Bürger. Wählerstimmen werden allerdings immer gerne 1:1 genommen. Lebensqualität, Umweltschutz und Mobilität dürften, sehr zentralistisch gedacht, nur im Raum Graz Bedeutung haben. Nur so ist es zu verstehen, dass bestehende Bahninfrastruktur, abseits von Graz, von diversen Politikern sogar noch im 21. Jahrhundert, in Frage gestellt werden.

Das Märchen vom „billigeren Bus“

Das Märchen vom „billigeren Bus“ wird immer noch gerne erzählt und manchmal auch noch geglaubt. Längst nachgewiesen ist, dass bei allen Modernisierungsanstrengungen von Buslinien nur maximal 6% der Bevölkerung dazu bewogen werden können, auf den Bus umzusteigen. Bei modernen Schienenbahnen können 25-35% der Bevölkerung (Modal Split) zur täglichen Benützung angesprochen werden. Die Kosten für den gefahrenen Kilometer liegen beim Bus knapp bei 3,- Euro, bei der Bahn mit der größeren Kapazität bei 4,- bis 5,- Euro. Jeder Verstärkerbus für den Schülerverkehr macht das System Bus teurer, als die Bahn! „Der Bus“ ist also nur der mobile Notnagel für Leute, die kein Auto haben!

Obersteiermark soll verkehrspolitisches Entwicklungsgebiet werden?

Obwohl Schladming und das Ausseerland hochkarätige Tourismusgebiete sind, können die Ennstalbahn Bischofshofen – Selzthal bzw. die Salzkammergutbahn im Ausseerland im Nahverkehr als Niemandsland betrachtet werden. Auf der Murtalbahn wird zumindest ein konsequenter 2 (!) Stunden „Takt“ gefahren, auch wenn das viel zu wenig ist. Nun gibt es ein fatales Phänomen bei Eisenbahnen, nämlich dass zum Zeitpunkt von Modernisierungs-notwendigkeiten von kurzsichtigen Politikern gedacht wird, man spare sich Geld, wenn man stattdessen, die Bahn einfach zerstört.

Auf diese Art und Weise wurden bereits viele potentielle Regionalbahnen, wie die weltberühmte „Ischlerbahn“, sinnlos demoliert und damit Volksvermögen vernichtet! Diese verkehrspolitischen Fehler werden leider erst danach erkannt. Dabei wird allerdings, immer erst im Nachhinein, erkannt, dass das nicht nur das Todesurteil für die Bahn, sondern für die gesamte Region bedeutet, die dann in die Bedeutungslosigkeit abrutscht, was keine noch so gute Tourismuswerbung je wieder auffangen kann.

Wenn der Landeshauptmann der Steiermark die Murtalbahn sinnlos zerstören will, muss ihm und der Region Murtal klar sein, dass sie ins touristische Nirvana abtriften werden. Es ist eine logische Konsequenz, wenn die Bahnhöfe der Murtalbahn aus den internationalen Kursbüchern und Fahrplanabfragen verschwinden, dass die Orte an der Bahn touristisch wertlos werden! Viele Menschen, die kein Auto haben und besonders die, die umweltbewußt dieses für die Fahrt in den Urlaub nicht verwenden wollen, sind ohne Schiene für die Tourismus-region Murtal unwiederbringlich verloren. Der Regionalbus kommt für die touristische Anreise so gut wie gar nicht in Frage.

Aufschrei aus Salzburg!

Die mutwillige Zerstörung der Murtalbahn durch den Steiermärkische Landeshauptmann ist keine reine Angelegenheit des Landes Steiermark. Wenn dieses Bundesland den eigenen Tourismus ruinieren will, könnte das deren Angelegenheit sein. Dabei wird geflissentlich vergessen, dass die Murtalbahn von Kendlbruck bis Mauterndorf auf fast 25 Kilometern auf Salzburger Gebiet verläuft. Der Lungau wird aus dem Osten Österreichs über Unzmarkt und Murau, also über die Murtalbahn erreicht. Die Salzburger Landespolitik muss in Richtung Landeshauptmann von der Steiermark einen gewaltigen Aufschrei starten, weil hier ist der Tourismus des Salzburger Lungaus betroffen und schwersten gefährdet. Die Verluste der touristischen Betreiber im Lungau müssten auf jeden Fall als Schadenersatzansprüche an den Landeshauptmann der Steiermark gestellt werden.

Die Zukunft des Murtals liegt in der Modernisierung der Murtalbahn

Am 19. Oktober 2019 fand in Murau, im Rahmen 125 Jahre Murtalbahn, ein hochkarätiger zukunftsorientierter Eisenbahn-Kongress statt.

In diesem Kongress wurden die Möglichkeiten der Modernisierung aufgezeigt, wobei ein Vertreter der schweizerischen Rhätischen Bahn deren Zukunftsstrategien aufgezeigt und für die Murtalbahn vergleichbar gemacht hat. Ein wichtiger Punkt ist die, bereits jetzt stattfindende, Zusammenarbeit zwischen der Pinzgauer Lokalbahn und der Murtalbahn. Die gemeinsame Fahrzeugbeschaffung dieser beiden Bahnen, v.a. im Hinblick auf das europäischen Fahrzeug-Beschaffungsprogramm VDV-TramTrain (es geht lediglich um Drehgestelltausch auf 760mm Schmalspur) und auf die Elektrifizierung hat eindeutige Synergieeffekte zwischen der Pinzgauer Lokalbahn und der Murtalbahn. Die fragwürdige Diskussion über Wasserstoffantrieb oder die Umspurung auf Normalspur haben der Zukunft der Murtalbahn schwer geschadet, weil damit Modernisierungsschritte und Investitionen ledig hinausgeschoben werden.

Die Salzburger Landespolitik ist aufgerufen, mit dem Land Steiermark Kontakt aufzunehmen und dort zu deponieren, dass die Zerstörung der Murtalbahn keine Option ist und dass es für das Bundesland Salzburg, v.a. für den Lungau, nur die Realisierung eines Modernisierungskonzeptes der Murtalbahn geben kann. Die Eckpfeiler dieses Modernisierungsprogrammes heißen Elektrifizierung, gemeinsame Fahrzeugbeschaffung mit der Pinzgauer Lokalbahn und Infrastrukturanpassung für einen durchgängigen Stundentakt tagsüber von Unzmarkt über Murau und Tamsweg bis Mauterndorf. Dieses Realisierungs-Konzept muss mit den Ländern Salzburg und Steiermark gemeinsam umgesetzt werden!

Quelle: in-motion.me / Richard Fuchs

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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