VCÖ: In der Steiermark hat sich Zahl der neuzugelassenen E-Pkw im 1. Halbjahr verdreifacht – bereits jeder 10. Neuwagen fährt nur mit Strom

VCÖ: Neben Energiewende ist Verkehr auch zu vermeiden und zu verlagern, um Klimaziele erreichen zu können

VCÖ (Wien, am 9. Juli 2021) – Bereits 10,6 Prozent aller in der Steiermark im 1. Halbjahr neuzugelassenen Pkw fahren ausschließlich mit Strom. Während die Zahl der neuzugelassenen Diesel-Pkw in der Steiermark gesunken ist, hat sich die Zahl der neuen E-Pkw verdreifacht, macht der VCÖ aufmerksam. Um die Klimaziele erreichen zu können, braucht es neben mehr Tempo bei der Energiewende im Verkehr vor allem auch Maßnahmen zur Verringerung des Verkehrsaufwands und zur Verlagerung von Autofahrten auf öffentliche Verkehrsmittel und bei kürzeren Strecken auf das Fahrrad, betont der VCÖ.

Bei den Neuzulassungen von E-Pkw wurden in der Steiermark im 1. Halbjahr neue Rekordwerte erreicht: 2.077 Pkw, die ausschließlich mit Strom fahren, wurden im 1. Halbjahr in der Steiermark neu zugelassen, weist der VCÖ auf heute veröffentlichte Daten der Statistik Austria hin. Die Anzahl der neuen E-Pkw hat sich im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 verdreifacht, mit 10,6 Prozent Anteil an den Pkw-Neuzulassungen haben die E-Pkw erstmals die Zehn-Prozent-Marke übersprungen, macht der VCÖ aufmerksam. Während die Zahl der neuzugelassenen E-Pkw in der Steiermark um fast 1.500 gegenüber dem 1. Halbjahr 2020 gestiegen ist, ist die Zahl der neuen Diesel-Pkw um rund 950 gesunken.

„Die Hersteller bringen zunehmend mehr E-Pkw-Modelle auf den Markt. Die Auswahl nimmt sowohl bei den Kleinwagen als auch bei größeren Modellen zu. Damit steigt auch die Anzahl der Neuzulassungen, denn das Angebot bestimmt die Nachfrage“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Immer mehr Hersteller geben den Ausstieg aus den Verbrennungsmotor bekannt. Umso wichtiger ist, dass Österreich mit seiner starken Zulieferindustrie bei der E-Mobilität sich an Europas Spitzenreiter orientiert. In Norwegen war bereits im Vorjahr mehr als die Hälfte der Neuzulassungen reine E-Pkw.

In Österreich wird der Kauf von E-Pkw insgesamt mit 5.000,- Euro gefördert, zusätzlich sind die E-Pkw von der NoVA (Normverbrauchsabgabe) und der Motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Die NoVA-Reform, die mit 1. Juli in Kraft getreten ist, gibt den E-Autos zusätzlichen Rückenwind. Für Pkw mit einem hohen CO2-Ausstoß ist die NoVA nun höher.  

„Wichtig ist, dass bei E-Pkw nicht der gleiche Fehler begangen wird wie bei den Verbrennern, nämlich, dass die Autos immer größer und schwerer werden. Denn damit nimmt der Energieverbrauch zu, die Umweltbilanz verschlechtert sich. Bei neun von zehn Autofahrten sitzt nur eine Person im Auto. Wir brauchen daher schlanke, smarte Fahrzeuge“, betont VCÖ-Experte Schwendinger. Deshalb ist auch die Förderung für Plug-In-Hybride rasch zu beenden, umso mehr als der reale CO2-Ausstoß im Schnitt um ein Vielfaches höher ist, als die Herstellangaben vermuten lassen.

Elektroautos sind für Regionen besonders gut geeignet, da auch hier über 90 Prozent der Autofahrten kürzer als 50 Kilometer sind und die Reichweite von Batterien ein Vielfaches davon beträgt. Zudem ist die Anzahl der Einfamilienhäuser hoch, das Stromtanken ist damit einfach. „Anstatt von Erdölimporten abhängig zu sein, kann mit einer Photovoltaikanlage am Dach die Energie für das Auto selber erzeugt werden“, so VCÖ-Experte Schwendinger. Wird Ökostrom getankt, sind die gesamten Treibhausgas-Emissionen inklusive Fahrzeug- und Batterie-Herstellung sowie Energiebereitstellung von E-Pkw laut Umweltbundesamt mit durchschnittlich 49 Gramm pro Personenkilometer um 77 Prozent niedriger als von Diesel- und Benzin-Pkw. Je kleiner das Auto, umso besser die CO2-Bilanz.

Klimafreundlicher als mit dem E-Pkw ist man aber mit der Bahn und bei kürzeren Strecken mit dem Fahrrad unterwegs, betont der VCÖ. Wer mit der Bahn statt mit dem Verbrenner-Auto fährt, reduziert in Österreich die Emissionen sogar um 94 Prozent. Der VCÖ weist daraufhin, dass neben dem Antriebswechsel bei Pkw noch weitere Schritte nötig sind, um die Klimaziele erreichen zu können. Es braucht vor allem auch Maßnahmen, die den Verkehrsaufwand für die Bevölkerung reduziert, etwa durch die Stärkung der Ortskerne und der Nahversorgung. Auch Home-Office und Videokonferenzen statt Geschäftsreisen tragen zur Verkehrsmeidung bei. Und es sind mehr Autofahrten auf Öffentliche Verkehrsmittel und bei kürzeren Strecken auf das Fahrrad zu verlagern. In der Steiermark sind sechs von zehn Autofahrten kürzer als zehn Kilometer, ruft der VCÖ in Erinnerung.

VCÖ: Anzahl und Anteil der E-Pkw in der Steiermark im 1. Halbjahr stark gestiegen (Anteil Pkw, die ausschließlich mit Strom fahren, an Pkw-Neuzulassungen in der Steiermark – in Klammer Anzahl neuzugelassene E-Pkw)

1.Halbjahr 2021: 10,6 Prozent (2.077)

1.Halbjahr 2020: 3,8 Prozent (582)

1.Halbjahr 2019: 3,3 Prozent (755)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2021

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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