VCÖ: Steiermark hat dritthöchsten Anteil autofreier Haushalte – mehr als 100.000 Haushalte autofrei

In der Steiermark kommt jeder 5. Haushalt ohne Auto aus, in Summe sind das 105.000 autofreie Haushalte, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis der Daten der Statistik Austria zeigt. Im Bundesländer-Vergleich ist das der dritthöchste Anteil. Der VCÖ betont, dass noch deutlich mehr Haushalten die Kosten des Autobesitzes erspart werden kann. Wichtig ist ein verstärktes Carsharing-Angebot, die weitere Verbesserung der öffentlichen Verkehrsverbindungen und der weitere Ausbau der Rad-Infrastruktur.

19 Prozent der Haushalte in der Steiermark haben kein Auto, das ist im Bundesländer-Vergleich gemeinsam mit Vorarlberg der dritthöchste Anteil autofreier Haushalte, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Einsamer Spitzenreiter ist die Millionenstadt Wien, wo bereits 47 Prozent der Haushalte autofrei sind. Der VCÖ weist darauf hin, dass in anderen Großstädten der Anteil autofreier Haushalte höher ist, etwa in Paris mit 66 Prozent, im über drei Millionen Einwohnerinnen und Einwohner umfassenden Inner-London sind es 62 Prozent und in Zürich 53 Prozent.

Außerhalb Wiens hat in Österreich Tirol mit 21 Prozent den höchsten Anteil autofreier Haushalte, berichtet der VCÖ. Am niedrigsten ist der Anteil autofreier Haushalte in Niederösterreich und Oberösterreich mit jeweils 13 Prozent. Insgesamt kommen in der Steiermark 105.000 Haushalte ohne eigenes Auto aus, zum Vergleich in Niederösterreich sind es 95.000, in Oberösterreich 83.000.

Die Steiermark profitiert von der Landeshauptstadt Graz, wo auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner nur 477 Pkw kommen, der Österreich-Schnitt liegt bei 570, im gesamten Bundesland Steiermark sind es 622 Pkw pro 1.000 Personen. „Auch am Motorisierungsgrad und am Anteil autofreier Haushalte ist die Qualität des Mobilitätsangebots zu messen. Ein höherer Anteil autofreier Haushalte und ein niedrigerer Pkw-Motorisierungsgrad zeugen von einem besseren und vielfältigeren Mobilitätsangebot“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Das Potenzial für mehr autofreie Haushalte ist in der Steiermark groß. So sind die Erstautos der steirischen Haushalte durchschnittlich 14.300 Kilometer pro Jahr unterwegs. „Das bedeutet, dass die Autos im Schnitt nur eine Stunde pro Tag fahren und die restlichen 23 Stunden ungenützt herumstehen. Sie sind also eher Stehzeuge als Fahrzeuge“, verdeutlicht VCÖ-Experte Schwendinger. Noch weniger im Einsatz sind die rund 275.000 Zweitautos, die im Schnitt 7.300 Kilometer pro Jahr gefahren werden.  

Durch ein verstärktes Carsharing-Angebot kann deutlich mehr steirischen Haushalten die Kosten für den Autobesitz erspart werden. Carsharing ist die optimale Ergänzung zum Öffentlichen Verkehr. Daher ist die Verknüpfung von Carsharing mit der Jahreskarte des Öffentlichen Verkehrs sinnvoll, wie es in Tirol der Fall ist. Mit einem Aufpreis von nur 100 Euro pro Jahr auf die Öffi-Jahreskarte steht ein Carsharing-Angebot mit Standorten in bereits 24 Orten in Tirol zur Verfügung. Auch das Rail & Drive Angebot der ÖBB, das es mittlerweile österreichweit mit 360 Fahrzeugen an Bahnhöfen von 31 Städten gibt, unterstützt Haushalte dabei, sich die Kosten eines eigenen Autos zu ersparen.

„Durch ein verstärktes Carsharing-Angebot auch in den Regionen können mehr städtische Haushalte ohne eigenes Auto mobil sein. Die Haushalte sparen sich Kosten und in den Städten wird mehr Platz frei“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest. Dort, wo jetzt Autos abgestellt sind, können dann vermehrt schattenspendende Bäume gepflanzt werden und kühlende Grünflächen entstehen, um Straßen abzukühlen und damit die in der Klimakrise steigende Hitze erträglicher zu machen. Gerade in Graz beanspruchen abgestellte Autos sehr viel Platz: 92 Prozent des vom ruhenden Verkehr, wie Parkplätze, Öffi-Haltstellen, Fahrradabstellplätze, Sitzbänke, vebrauchten Platzes nehmen parkende Autos in Anspruch.

Wesentlich ist darüber hinaus die Verbesserung des öffentlichen Verkehrsangebots in den Regionen, um die Mobilitätskosten auch für die Bevölkerung zu reduzieren. Es braucht mehr Bahn- und Busverbindungen sowie ergänzend zum Linienverkehr Anrufsammelstaxis und Gemeindebusse. Und sowohl in den Städten als auch in den Regionen ist die Rad-Infrastruktur stark auszubauen. „Baulich getrennte und ausreichend breite Radwege bringen Sicherheit und ermöglichen auch Familien mit Kindern mehr Alltagswege gesund, umweltfreundlich und kostensparend mit dem Fahrrad zurückzulegen. Gerade in den Regionen kann damit die Abhängigkeit vom Auto verringert werden“, betont VCÖ-Experte Schwendinger.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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