Wie nah Armut und Reichtum in unserer Gesellschaft beieinanderliegen, zeigt eine Installation im Park des Stiftes Admont

Sechs Silhouetten aus Stahl – Kinder, junge Erwachsene, ältere Erwachsene – jeweils als Paar dargestellt, als arm und reich vereint. Diese Kunstinstallation „Reichtum versus Armut“ des Familienreferats der Katholischen Kirche Steiermark und „RAINBOWS“ sowie fünf weiteren Organisationen ist bis 30. Juni im Park des Stiftes Admont zu sehen. Danach wird die Installation als Wanderausstellung nach St. Lambrecht weiterziehen. Als Zeichen, wie nah arm und reich zusammenliegt und wie schnell aus einem guten Leben ein schwieriges werden kann.

Die Grundlage des Projektes sind 20 Lebensläufe, die aus dem Beratungsalltag der beteiligten Organisationen stammen. Die Ausstellung erzählt exemplarisch Geschichten von Teilzeit arbeitenden Alleinerzieherinnen, von Langzeitarbeitslosen, von chronisch Kranken, von kinderreichen Familien, von Menschen mit Migrationshintergrund, von „working poor“ Familien und von deren Kindern. „Geschichten, die bestürzen und nachdenklich stimmen. Die zeigen, wie schnell Brüche im Leben passieren, z.B. durch Scheidung oder Jobverlust, auf die Armut folgt. Jede und jeden von uns kann es treffen, jeden Tag“, so die Projektleiterinnen Katrin Windischbacher (Familienreferat der Diözese Graz-Seckau) und Dagmar Bojdunyk-Rack (RAINBOWS). Sie hoffen, dass Passant*innen Teil der Ausstellung werden, etwa durch Selfies mit den Figuren und sich bewusstwerden, dass Armut nicht mit Schuld in Verbindung zu bringen sondern als strukturelles Problem zu sehen sei, welches ein Teil unserer Gesellschaft ist. Ziel dieser interaktiven Wanderausstellung ist es, Betroffenheit, Verständnis, Sensibilität für das Thema zu schaffen.

Die Künstler*innen, die die Figuren entworfen haben, wurden von den Auswirkungen des Corona-Virus selbst in eine prekäre Situation gedrängt. „Wir alle kennen inzwischen die Situation, viele Monate hindurch weder etwas verdienen zu können, noch durch soziale Auffangnetze ausreichend unterstützt zu werden. Wer Glück hat, hat Ersparnisse, wer Pech hat – und das sind sehr viele unter uns – muss Sozialhilfe beantragen“, so die Künstler*innen Jelena Ristic und Rainer Juriatti. In diesem Projekt sehen sie die Chance, dass Menschen, die zufrieden und mit einem ausreichenden Einkommen beschenkt sind, ein paar Sekunden nachdenken, auf welcher „Seite“ der Armutsgrenze sie selbst stehen – oder bald stehen könnten.

„Ein leidvoller Dauerbrenner – Reichtum – Armut, in der Corona Zeit vermehrt spürbar, nach der Corona Zeit schmerzlich sichtbar.

Jeder und jede ist aufgerufen, je nach Möglichkeiten, dem anderen Menschen zu helfen, der Hilfe benötigt, materiell oder seelisch soll die Unterstützung sein.

„Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von Euch zu Ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt Euch!, ihr gebt ihnen oder nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das?“

(Jakobusbrief 2, 15.16)

Solidarität und Empathie sind dem Christen kein Fremdwort“, so Abt Gerhard Hafner O.S.B.

Zur Ausstellung gibt es vor Ort eine Broschüre mit den Biografien hinter den abgebildeten Personen und vielen Hilfsangeboten für Betroffene.

Installation Arm & Reich

Armutsgefährdet sind Personen, deren Haushaltseinkommen kleiner ist als 60 Prozent des durchschnittlich gewichteten Medianeinkommens.

Jede/r Siebente (1.472.000 Menschen, das sind 16,9 % der Gesamtbevölkerung) ist in Österreich armutsgefährdet oder arm. 303.000 Kinder und Jugendliche leben österreichweit in Haushalten mit Armutsgefährdung. (Quelle: Statistik Austria, Mai 2020)

Ein Projekt von: Familienreferat Katholische Kirche Steiermark, RAINBOWS, Armutsnetzwerk Steiermark, Caritas der Diözese Graz-Seckau, , Fonds für Arbeit und Bildung der Diözse Graz-Seckaz, Projekt Alleinerziehende, Referat für Diakonie im Fachbereich Pastoral & Theologie

Gefördert aus den Mitteln des Innovationstopfes der Diözese Graz-Seckau.

Text: Dagmar Bojdunyk-Rack (RAINBOWS-Österreich)

Fotos:
Stift Admont

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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