Forschungs-Update zum Welt-Multiple-Sklerose-Tag: Forscher*innen widmen sich „verborgenen“ Symptomen der MS

Der Welt-MS-Tag (30. Mai 2021) soll das Bewusstsein für die Probleme von Multiple Sklerose (MS) Betroffenen erhöhen. MS stellt die häufigste neurologische Erkrankung des jungen Erwachsenenalters dar. In Österreich leben mehr als 13.500 Menschen mit MS. Bei MS handelt es sich um eine autoimmunologische, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS; dh. von Gehirn und Rückenmark).

Verborgene Symptome bei MS

Die MS kann viele verschiedene Beschwerden hervorrufen („Krankheit der 1.000 Gesichter“), die davon abhängen, an welchen Stellen Entzündungsherde auftreten. Während einige Symptome gut sichtbar und neurologisch erfassbar sind (z.B. Seh-, Bewegungs-, Koordinationsstörungen), bleiben andere wie exzessive Ermüdbarkeit („Fatigue“) oder subtile Mobilitätseinschränkungen häufig unbemerkt. Gerade diese beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen jedoch enorm.

Forschung an der MS-Ambulanz Graz

An der MS-Ambulanz der Universitätsklinik für Neurologie (Leiter: Christian Enzinger) an der Medizinischen Universität Graz werden jährlich ca. 2.000 MS Betroffene behandelt. Im Rahmen interdisziplinärer Studien werden mögliche Risikofaktoren, Entstehungsmechanismen, Biomarker, strukturelle und funktionelle Veränderungen des Gehirns, sowie aktuelle Therapie- und Behandlungsansätze bei MS eingehend untersucht. Aktuell wird im Rahmen von zwei laufenden Doktorarbeiten an der „Forschungseinheit für Neuronale Plastizität und Reparatur“ (Leitung: Daniela Pinter) der Med Uni Graz aus oben genannten Gründen der Fokus auf diese „verborgenen“ Symptome der MS gelegt, um eklatante Wissenslücken zu schließen.

Mechanismen der Fatigue

Das häufigste „verborgene“ Symptom der MS ist die Fatigue. Sie betrifft 70-95% der Patient*innen und bezeichnet anhaltende physische und/oder mentale Erschöpfung, welche die Funktionstüchtigkeit im Alltag erheblich beeinträchtigt. Die Dissertantin Stefanie Hechenberger erforscht die unzureichend bekannten neurobiologischen Ursachen der Fatigue. Bisherige Ergebnisse aus umfassenden MRT Untersuchungen deuten darauf hin, dass Änderungen in Struktur und Funktion des Gehirns in weiten (kortiko-striato-thalamokortikalen) Netzwerken der Fatigue zugrunde liegen dürften. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Störungen früh zu identifizieren und Behandlungsansätze zu entwickeln.

Frühe Erfassung und Training eingeschränkter Gehfähigkeit

Der Erhalt der Gehfähigkeit ist für Menschen mit MS sehr wichtig, aber spezifischen Maßnahmen dazu sind nicht bekannt. Herkömmliche Skalen zur Erfassung diesbezüglicher Einschränkungen erfassen diese zu spät, wie Erkenntnisse aus einem aktuellen Forschungsprojekt der MS-Ambulanz Graz zeigen. Standardisierte Tests zur Erfassung der Gehgeschwindigkeit scheinen hier überlegen. Im nächsten Schritt wird nun im Rahmen einer Kooperation der Med Unis Graz und Innsbruck mit dem Reha-Zentrum Münster von Birgit Helmlinger die Wirksamkeit von drei unterschiedlichen Gang-Trainings mit Musik auf die Gehfähigkeit bei MS untersucht. Grundlage dafür sind rezente Hinweise aus der Forschung, dass Musik und mentales Training hilfreich sein können, um Gangrhythmus und Gehgeschwindigkeit zu verbessern. An der Med Uni Graz wird zusätzlich untersucht, welche strukturellen und funktionellen Änderungen im Gehirn einem Trainingserfolg zugrunde liegen.

Zielsetzung

Nach dem Leitsatz der Med Uni Graz „Pioneering Minds“ haben die gebündelten Forschungsbemühungen zum Ziel, sich jenseits medikamentöser Therapieansätze jenen Forschungsfragen zu stellen, die nachhaltig die Lebenssituation von MS Betroffenen verbessern helfen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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