AKW Krško: Atommüll dümpelt seit Jahrzehnten schlecht gesichert im Abklingbecken


Fertigstellung des Trockenlagers aus finanziellen Gründen verzögert – zu wenige abgebrannte Brennelemente sollen entfernt werden – kein Konzept für dauerhafte Lagerung =

Wien/Krško (OTS) – Beim kürzlich abgehaltenen Lokalaugenschein im slowenischen  Atomreaktor Krško bekamen ExpertInnen der österreichischen  Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 einen Eindruck
vom tatsächlichen  Zustand des bereits fast 40 Jahre betriebenen Reaktors und der Lagerung  des Atommülls auf dem Gelände. Wie befürchtet, ist insbesondere die  Lagerung des Atommülls im so
genannten „Nasslager“ für abgebrannte  Brennelemente kritisch, auch in Hinblick auf die große Erdbebengefahr am  Reaktorstandort.

 Mit Stand Ende 2020 liegen [1322 abgebrannte Brennelemente] (https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/themen/energie/kernene  im Pool direkt
beim Reaktor. „Was passiert, wenn die Stromversorgung  ausfällt und damit die permanente Kühlung des, immer noch große Hitze  entwickelnden Atommülls, hat der Brand des Abklingbeckens und die 
Explosion des Fukushima-Reaktors 4 vor zehn Jahren gezeigt“, erklärt Dr.  Reinhard Uhrig, Atom-Sprecher von GLOBAL 2000. „Die Trödelei bei der  Sicherung des Atommülls ist unverantwortlich: Aus
wirtschaftlichen  Gründen sollen laut aktuellen Plänen der Betreibergesellschaft große  Mengen Atommüll weiterhin schlecht gesichert im Pool lagern.“ 

 In Fukushima war Reaktor 4 zum Zeitpunkt des Erdbebens und Tsunami am  11.03.2011 für Revisionsarbeiten heruntergefahren. Durch die Zerstörung  der Stromversorgung und Pumpen versagte die Kühlung der 1331  abgebrannten Brennelemente im Abklingbecken, das Kühlwasser verdampfte, ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch explodierte nach vier Tagen, zerriss  das Gebäude und schlug das jetzt unter freiem Himmel liegende  Abklingbecken leck. Bis zu 210.000 Liter Wasser mussten
täglich auf die  Brennelemente gespritzt werden, dieses dann hochradioaktive Wasser  verdampfte oder versickerte. Das durch die Explosion geneigte  Reaktor-Gebäude drohte bei weiteren Nachbeben
einzustürzen und [eine noch viel größere Strahlungsfreisetzung zu verursachen als die Explosionen davor] (https://bellona.org/news/nuclear-issues/nuclear-meltdown-in-japan/20 erst am 22.12.2014 konnten alle Brennelemente aus der Ruine entfernt und in ein Trockenlager gebracht werden.

 Als Lehre aus der Fukushima-Katastrophe beschloss Slowenien, den  Atommüll aus dem permanent aktiv zu kühlenden Abklingbecken in ein  sichereres passiv gekühltes Trockenlager am Standort umzulagern, das  2020 fertig gestellt werden sollte. Nach aktuellem Plan verzögert sich  die Fertigstellung auf mindestens 2022, die Umlagerung des Atommülls  soll 2023 beginnen – in einem ersten Schritt sollen aus finanziellen  Gründen auch nur 592 Brennelemente überführt werden, obwohl technisches  Potenzial für mindestens 1000 Brennelementen gegeben ist.

  „Die fortlaufende Verzögerungstaktik der Betreibergesellschaft, die aus  finanziellen Gründen sogar die etwas bessere Sicherung des Atommülls  verhindert, ist schärfstens zu verurteilen“, stell Uhrig
klar. „Ganz zu  schweigen davon, dass es auch 40 Jahre nach Inbetriebnahme des  Krško-Reaktors keinerlei Plan für eine sichere dauerhafte Lagerung des  hochradioaktiven Mülls für mindestens 240.000 Jahre gibt. Im Zuge der  kommenden grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung muss auch  die schnellstmögliche Sicherung des Atommülls am Standort geprüft  werden.

Credit: Nuklearna elektrarna Krško

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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