Naturschutzbund zum Internationalen Tag der Biodiversität: Die nächsten Wochen werden entscheidend

Es steht schlecht um die Biodiversität – auch in Österreich. Hauptverantwortlich für den Rückgang und das Aussterben wilder Tiere und Pflanzen ist der Mensch. Wie es in Sachen Biodiversität für das nächste Jahrzehnt weitergeht, legt der Staat de facto jetzt fest: In den nächsten Wochen und Monaten wird entschieden, wie die EU-Agrarmilliarden künftig in Österreich verteilt werden. Auch die Nationale Biodiversitätsstrategie 2030 wird gerade erarbeitet. Die Politik hat also die Chance, die Weichen jetzt in Richtung mehr Artenvielfalt in Österreich zu stellen. Naturschutzbund-Präsident Roman Türk ist überzeugt: „Beide Strategien müssen ineinandergreifen und alles tun, um die Biodiversitätskrise zu stoppen.“ Und appelliert: „Landwirtschaft und Naturschutz müssen zusammenarbeiten, damit Mensch, Natur und Land(wirt)schaft eine Zukunft haben.“

1) Gemeinsame Agrarpolitik

Rund ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten Österreichs steht auf der Roten Liste bedrohter Arten. Von den etwa 500 in Österreich vorkommenden Biotoptypen ist rund die Hälfte von vollständiger Vernichtung bedroht, als stark gefährdet oder gefährdet eingestuft. Besonders dramatisch sind die Verluste im Agrarland.

Die im aktuellen Entwurf der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorgesehenen Maßnahmen werden nicht reichen, um den Biodiversitätsverlust im Agrarland aufzuhalten. Nur wenn dafür faire Einkommen erzielt werden können, werden sich Bäuerinnen und Bauern für zusätzliche Umwelt- und Naturschutzleistungen entscheiden. Der Naturschutzbund appelliert daher an Bundesministerin Köstinger, konkrete Lenkungsmaßnahmen zu setzen und Grundbewirtschafter*innen sowohl bei der ökologischen naturnahen Produktion von Lebensmitteln, als auch bei der Schaffung und Erhaltung einer bunten und artenreichen Kulturlandschaft ausreichend zu unterstützen.

2) Nationale Biodiversitätsstrategie

Die angekündigte Biodiversitätsstrategie 2030 hat das Ziel, die Vielfalt an Arten und Lebensräumen zu erhalten und zu fördern. Damit sie mehr als ein weiteres Papier wird, braucht es einen Aktionsplan und Verbindlichkeit, ausreichend fachliche Grundlagen und entsprechende Ressourcen. Der Naturschutzbund appelliert an BM Gewessler Nägel mit Köpfen zu machen, ambitionierte Ziele nicht mehr aufzuweichen und vor allem die Strategie entschlossen zur Umsetzung zu bringen. Der angekündigte Biodiversitätsfonds ist ein guter Anfang, um dafür Ressourcen bereitzustellen.

Letztlich muss ganz Österreich an einem Strang ziehen, wollen wir den Trend umkehren: Der Bund in der Verantwortung für die Umsetzung des Europäischen Green Deals, die Länder in ihrer rechtlichen Zuständigkeit für Naturschutz und vor allem auch die Grundbesitzer*innen, von deren (Wohl-)Wollen und Akzeptanz die Zukunft der Biodiversität in hohem Maße abhängt.

Rund 64 Prozent der Reptilien in Österreich sind als gefährdet eingestuft und stehen auf der Roten Liste. Auch die Smaragdeidechse gehört dazu 
© Pixabay

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at