42 Menschen zu einer stabilen Wohnsituation verholfen: Solido – ein Erfolgsprojekt des VinziTel seit 2017

Die EU möchte bis 2030 die Obdachlosigkeit in ihren Mitgliedsländern beseitigen. Als ein besonders erfolgreiches Werkzeug wird oft das Modell „Housing First“ genannt. Die VinziWerke stellen ihre Expertise in diesem Feld bereits seit Jahren unter Beweis – etwa mit dem Projekt Solido. Seit 2017 fanden insgesamt 42 großteils wohnungslose Menschen durch Solido ihren Weg zu einer nachhaltigen Wohnsituation. Unterstützt wird das Projekt vom Sozialressort des Landes Steiermark.

Vergangene Woche erneuerten Vertreter mehrerer EU-Staaten, einschließlich Österreichs, im Rahmen des EU-Sozialgipfels in Porto die Forderung, bis 2030 die Obdachlosigkeit in der EU zu beenden. Im November letzten Jahres hatte das Europaparlament diese Forderung als Ziel ausgerufen. Passend dazu präsentierte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAWO) im April in einem Positionspapier einen Vorschlag, Wohnungslosigkeit in Österreich sogar schon mit 2025 zu beenden. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Housing First“ – Menschen „von der Straße in die eigene Wohnung“ zu vermitteln. Eine Kompetenz, die die VinziWerke schon vor Jahren erworben haben.

Für Soziallandesrätin Doris Kampus ist das ein sehr erfolgreicher Weg: „Die Corona-Pandemie hat auch beim Thema Wohnen die Probleme verschärft. Ohne Wohnung zu sein, ist ein ganz tiefer Fall. Niemand lebt gerne auf der Straße. Housing first wie im Projekt Solido kann Menschen rasch aus der Wohnungslosigkeit herausführen und ihnen ihre Menschenwürde damit wieder ein Stück zurückgeben. Zudem werden die Betroffenen in vielerlei Hinsicht unterstützt.“

Die Idee: Solido. Seit 2002 schenkt das VinziTel Menschen, die von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen sind, ein „Zuhause auf Zeit“. Bewohner*innen der Notschlafstelle „mit Hotelcharakter“ werden während ihres Aufenthalts nicht nur beherbergt, sondern auch – auf Wunsch – sozialarbeiterisch begleitet. Das letztendliche Ziel ist der Auszug in ein selbständiges Leben. Im Kontakt mit Bewohner*innen, die diesen Schritt schafften, bemerkten die VinziTel-Expert*innen aber einen Bedarf an Nachbetreuung.

2017 entstand daraus das Projekt Solido, das von Sozialpädagogen Andreas Kleinegger (Projektleitung) und Sozialarbeiterin Mirjam Bauer betrieben wird. „Wir unterstützen unsere Bewohner*innen bei Behördengängen, Fragen zum Mietvertrag, oder aber auch in der Verwaltung ihrer finanziellen Mittel. Es ist immer schön, wenn man erlebt, dass es unsere Begleitung im Laufe der Zeit immer weniger braucht“, berichtet Mirjam Bauer.

Zahlen. Um die Effektivität des Projekts zu messen, unterzog sich Solido 2018 einer externen Evaluierung durch CONEDU, dem Verein für Bildungsforschung und -medien. Diese basierte auf Interviews, die mit 75 Prozent aller Bewohner*innen geführt wurden. 99 Prozent der Teilnehmer*innen gaben an, sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Betreuung zu sein. Jeweils 83 Prozent bestätigten persönliche Verbesserungen im Bereich der Sozialkontakte, dem beruflichen Umfeld und der finanziellen Situation. Eine Fortsetzung von Solido stand außer Frage.

Der Erfolg gibt dieser Entscheidung Recht: Seit Oktober 2017 werden 42 Personen laufend betreut, im Fall von 27 Personen wurde die Begleitung beendet – 15 mal positiv, 7 Teilnehmer*innen haben ihrerseits den Kontakt beendet, 2 sind abgesprungen und 3 Bewohner*innen wurden delogiert.

In bald 4 Jahren haben 2 Projekt-Mitarbeiter*innen insgesamt 850 Stunden in 1.280 Gesprächen mit Interessent*innen und Teilnehmer*innen verbracht.

Derzeit betreut das Team 15 Erwachsene mit insgesamt 4 Kindern, sowie 2 Interessent*innen.

O-Ton. „Menschen, die von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffen sind, geraten oft in eine Negativspirale aus Wohnung – Delogierung – Notschlafstelle – Wohnung – Delogierung. Solido durchbricht diesen Kreislauf. Damit das Modell wachsen kann, braucht es allerdings leicht zugänglichen, leistbaren Wohnraum und eine längerfristig planbare Finanzierung. An dieser Stelle möchte ich mich bei Landesrätin Doris Kampus und ihrem Sozialressort, der Stadt Graz und deren Gesundheitsamt, sowie den Rotary Clubs für ihre finanzielle Unterstützung bedanken“, unterstreicht Projektleiter Andreas Kleinegger.

VinziDach – Der Pionier aus Salzburg. Die ersten Erfahrungen mit „Housing First“ sammelten die VinziWerke 2011, als Gründer Pfarrer Wolfgang Pucher das Projekt „VinziDach – Housing First Salzburg“ konzipierte: Gemäß der ursprünglichen, aus New York der 1990er Jahre stammenden Idee, werden dabei Personen wohnversorgt, die zuvor jahrelang obdachlos gewesen sind – so genannte „rough sleepers“. Durch intensive individuelle Betreuung in der eigenen Wohnung soll eine selbständige Lebensführung erreicht werden. Pro Jahr erhalten 10 bis 15 obdachlosen Personen ein eigenes Zuhause. Seit der Gründung wurden 90 ehemals obdachlose Menschen wohnversorgt.

Wer wir sind. Die VinziWerke sind 1990 aus der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg entstanden, die sich um jene Menschen kümmert, die aus der Bahn geraten sind und deshalb in Armut leben. In den mittlerweile 40 Institutionen der VinziWerke in der Steiermark, Wien und Salzburg finden täglich bis zu 450 Personen Unterkunft und 1.400 Personen werden mit Essen und Lebensmitteln versorgt. Die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg ist eine von 146 Vinzenzgemeinschaften in Österreich, weltweit sind es 50.000 in 148 Ländern. Die Vinzenzgemeinschaften sind Gruppen, die selbständig und unabhängig voneinander auf Basis der Ehrenamtlichkeit bemüht sind, Armen das Leben zu erleichtern bzw. sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Fotos:  © Peter Drechsler / Land Steiermark

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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