Schuldenreport 2021: arbeitslos und überschuldet

Der Schuldenreport 2021 zeigt mit Zahlen und Fakten auf, wie sich das Coronajahr 2020 auf die Schuldenberatungen und ihre Klientel ausgewirkt hat. Die Bedeutung von Arbeitslosigkeit hat zugenommen. Knapp ein Viertel der KlientInnen ist maximal 30 Jahre alt.

(Wien, 10. Mai 2021) 55.000 Menschen erhielten im schwierigen Pandemiejahr 2020 Unterstützung von einer der zehn staatlich anerkannten Schuldenberatungen. Der Anteil an Erwerbsarbeitslosen ist bei den KlientInnen auf 38 Prozent angestiegen, das sind um drei Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung waren 2020 knapp 10 Prozent erwerbsarbeitslos. Ein Drittel der bei der Erstberatung befragten KlientInnen nannte Arbeitslosigkeit und Einkommensverminderung zudem als Überschuldungsgrund. Auch das sind um drei Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Diese Zahlen spiegeln die Auswirkungen von Corona auf den Arbeitsmarkt wider. 

Weiterhin prekär ist die finanzielle Situation der Ratsuchenden. „Beinahe jede dritte Person, die eine Schuldenberatung aufsucht, hat monatlich höchstens 1.000 Euro zur Verfügung“, sagt Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatungen GmbH (asb), Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Österreich. „Ein Viertel unserer KlientInnen ist 30 Jahre oder jünger. Diese Gruppe ist besonders oft von Arbeitslosigkeit betroffen, 43 Prozent von ihnen waren 2020 arbeitslos.“ Die Personengruppe der jüngeren KlientInnen ist auch schlechter ausgebildet als die durchschnittliche Klientel. „Es wird dadurch klar ersichtlich, dass erwerbsarbeitslose und schlecht ausgebildete Menschen das größte Risiko haben, in Überschuldung und Armut zu geraten“, fasst Clemens Mitterlehner zusammen. 

Michael Lackenberger, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Niederösterreich, erlebt die Auswirkungen von Corona in der täglichen Beratung: „Wir bemerken eine Verschiebung bei den Ratsuchenden. Durch Kurzarbeit und Jobverlust kommen nun auch zunehmend Menschen aus der Mitte der Gesellschaft zu uns. Das sind Personen, die sich nie hätten vorstellen können, einmal eine Schuldenberatung zu brauchen. Nun stehen sie vor dem Problem, ihre Leasingrate und die Miete nicht mehr bezahlen zu können.“ 

Zahlen fehlen: Wie viele Menschen sind in Österreich überschuldet?
Statistisch erfasst werden derzeit nur jene überschuldeten Personen, die sich an eine Schuldenberatung wenden. Wie viele überschuldete Menschen es in der Gesamtbevölkerung gibt, wird seit 2008 in Österreich nicht mehr erhoben. Genau diese Zahl zu kennen wäre aber wichtig, um mit sozial- und rechtspolitischen Maßnahmen rechtzeitig und richtig reagieren zu können. „In aktuellen Gesetzesnovellen und im Regierungsprogramm ist von der Evaluierung des Insolvenzrechts die Rede. Gleichzeitig haben wir aber kein brauchbares Datenmaterial, um so eine Evaluierung sinnvoll durchzuführen. Das heißt, der Gesetzgeber ist im Blindflug und mit Bauchgefühl unterwegs“, führt Clemens Mitterlehner aus. Mit der Erhebung einer Überschuldungsquote könnte eine gute Basis für faktenbasierte Entscheidungen geschaffen werden. Zudem sollten bestehende Entschuldungs-Instrumente genau hinsichtlich ihrer Wirksamkeit analysiert werden. Die staatlich anerkannten Schuldenberatungen fordern daher dringend die Schaffung dieser Datenbasis, um der sozialen Krise effektiv gegensteuern zu können.  

Schuldenreport und Grafiken zum Download

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at