Tag der Streuobstwiese: Blütenpracht, summende Vielfalt, knorrige Bäume und nicht zu wenig Handarbeit!

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der europaweite Tag der Streuobstwiese begangen. Der letzte Freitag im April wurde auf Initiative der ARGE Streuobst und des Umweltdachverbands für diesen speziellen Anlass auserkoren. Damit möchte man zum einen die traditionelle Obstanbauweise als Hotspot der Biodiversität hervorheben und zum andern für deren Erhalt plädieren. Auch der  naturschutzbund  weist auf die hohe Bedeutung von Streuobstwiesen für die heimische Artenvielfalt hin und setzt Projekte für Wiedehopf und Zwergohreule um.

Obst klauben, Süßmost trinken und mit der Sense mähen – all diese Bilder kommen einem in den Sinn, wenn man an die urigen Streuobstwiesen denkt, die es bis vor einigen Jahren um jeden Bauernhof gegeben hat. Nicht nur der Mensch profitiert von diesem Teil der Kulturlandschaft, eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen sind auf diesen speziellen Lebensraum angewiesen.

Was Streuobstwiesen so besonders macht

Zum einen stellen sie mit einer hohen Vielfalt an alten und regionaltypischen Apfel-, Birnen-, Kirschen- und Zwetschkensorten ein wichtiges Genreservoir für die Nutzpflanzenzucht dar. Die Obstbäume aller Alters- und Größenklassen stehen wie zufällig verstreut in einigem Abstand zueinander auf Grünland. Zum andern imitiert die Kombination aus Baumbestand und Wiesenfläche sowohl den Lebensraum lichten Wald als auch offenes Feld. Darüber hinaus lockt ein reichhaltiges Nahrungsangebot: Während im Frühling die Blütenpracht Wild-, Honigbienen und allerlei andere Insektenarten anzieht, werden im Herbst die Früchte von einer Vielzahl an Vögeln und Säugetieren, darunter Amsel und Reh geschätzt. Diese große Lebensgemeinschaft wird durch, Wiedehopf, Zwergohreule und Steinkauz ergänzt, die die Baumhöhlen als Brutplatz nutzen.

Pflege und Erhalt notwendig

Der „Lebensraum Streuobstwiese“ ist allerdings stark gefährdet. Allein in den Jahren 1965 bis 2000 geht man in Mitteleuropa von einem Verlust von 70 Prozent der Streuobstwiesenflächen aus. Vor allem der hohe Aufwand bei der Bewirtschaftung, die sehr zeit- und arbeitsintensiv ist, lässt die Streuobstwiesen schwinden. Um Streuobstwiesen zu erhalten bzw. neu anzulegen, braucht es nicht nur aktives Engagement, sondern auch spezielle Förderungen wie z. B. jene für die Naturschutzleistungen der Landwirtschaft (ÖPUL).

Naturschutzbund – Einsatz für die Streuobstwiesenbewohner

Aktuell betreut der Naturschutzbund mehrere Projekte, um das (Über-)Leben von Streuobstwiesenbewohnern zu sichern: Im Burgenland läuft beispielsweise ein Projekt zu Schutz und Förderung der Zwergohreule, die im Landessüden etwa 17 Reviere bewohnt. „Die zweitkleinste heimische Eule gilt als stark gefährdet und bevorzugt kleinstrukturierte, baumreiche, halboffene Landschaften mit extensiver Nutzung als Lebensraum. Als Höhlenbrüter ist sie auf das Vorhandensein von größeren Baumhöhlen oder Nistkästen angewiesen“, so Projektleiter Klaus Michalek. Im Rahmen des Projekts werden an geeigneten Standorten 20 Nistkästen montiert und regelmäßig kontrolliert, um das Nistplatzangebot zu verbessern und einen Anstieg der Population nachverfolgen zu können.

In Oberösterreich hat sich der Naturschutzbund zum Ziel gesetzt, die durchziehenden Wiedehopfe, die in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht geführt werden, zum Bleiben und Brüten zu animieren. „Wir möchten in geeigneten Gebieten das Angebot an Naturhöhlen um Spezialnistkästen ergänzen, um eine dauerhafte Besiedelung von Streuobstwiesen wie beispielsweise im Naturpark Obst-Hügel-Land zu begünstigen“, berichtet Julia Kropfberger vom Naturschutzbund OÖ.

Streuobstwiesen bieten Lebensraum für eine Vielzahl an Insekten und Höhlenbrütern © Hans Glader
Die Zwergohreule braucht die Höhlen der knorrigen Bäume zum Brüten © Otto Samwald

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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