Einsatz Demenz: Polizeidienststellen ausgezeichnet

Landespolizeidirektor Hofrat Mag. Gerald Ortner, MA überreichte Donnerstag, 29. April 2021, gemeinsam mit Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß und der Obfrau der Steirischen Alzheimerhilfe „Salz“ Mag.Claudia Knopper Dekrete und Tafeln an sechs ausgewählte Polizisten. Er gratulierte somit stellvertretend 22 steirischen Polizeidienststellen zur Auszeichnung „Demenzfreundliche Dienstelle“.

Immer mehr Menschen und deren Angehörige sind mit der Diagnose Demenz konfrontiert. In Österreich leiden rund 145.000 Menschen an Demenz, diese Zahl wird sich alle 20 Jahre voraussichtlich verdoppeln. Demenz ist keine psychische Krankheit, sondern eine Erkrankung des Gehirns. Polizistinnen und Polizisten als professionelle Gruppe im öffentlichen Raum sind bei diesem Thema stark gefordert, da sie für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen in Krisensituationen oft der erste Ansprechpartner sind. Das Wissen und die Kommunikationskompetenz der Polizei entscheiden oft über den Ausgang einer Situation und die Zukunft eines Menschen mit Demenz. Beispielsweise wird die Polizei gerufen, wenn Menschen durch irritierendes Verhalten in der Öffentlichkeit auffallen. Ebenso sorgen angezeigte Diebstähle oder Abgängigkeiten für regelmäßige Herausforderungen im polizeilichen Alltag. Amtshandlungen mit an Demenz erkrankten Personen sind oft mit Unsicherheiten verbunden.

Die Kenntnis und die Handlungskompetenz der Polizei in Bezug auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz führen zur Verbesserung und Kontrollierbarkeit der Situation. Aus diesem Grunde startete das BMI im Jahre 2016 das Projekt „Einsatz Demenz“, um die Handlungssicherheit von Polizistinnen und Polizisten zu stärken. Das Projekt erfolgt in Kooperation mit der Donau-Universität Krems und der MAS Alzheimerhilfe. Eingebunden sind ebenso der Fonds Gesundes Österreich sowie der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter (BVAEB). Für alle Bedienstete des BMI gibt es auf freiwilliger Basis die Möglichkeit, sich über ein elektronisches Schulungsangebot online das notwendige Wissen anzueignen. Das Thema Demenz hat aber auch bereits Eingang in die polizeiliche Grundausbildung angehender Polizistinnen und Polizisten gefunden. 

Die Lerninhalte der Online-Lernplattform wurden von der Donau Uni Krems in Zusammenarbeit mit der Sicherheitsakademie erarbeitet und umfassen medizinische Grundlagen, Kommunikation und praktische Beispiele im Umgang mit demenzkranken Menschen. Das Programm schließt mit einer Prüfung ab. Das BMI bietet eine Zertifizierung der Dienststelle an, wenn 70 Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Prüfung absolviert haben.

Um eine stärkere Vernetzung der Polizeidienststellen mit sozialen Einrichtungen zu erreichen, wurde zusätzlich das Prädikat „Demenzfreundliche Dienststelle“ ins Leben gerufen. Diese Auszeichnung bescheinigt einzelnen Polizeidienststellen Kompetenz im Umgang mit Demenz. Die Tafeln werden an den Gebäuden der einzelnen Polizeidienststellen angebracht und sollen die Kompetenz im Umgang für Betroffene, deren Angehörige aber auch für die Bevölkerung sichtbar machen.  

Die Landespolizeidirektion Steiermark unterstützt das gesamte Projekt, dazu Landespolizeidirektor Gerald Ortner: „Ich bin sehr stolz, dass die Polizistinnen und Polizisten der Steiermark Verantwortung zeigen. Darüber, dass sie sich auf freiwilliger Basis weiterbilden und dadurch einen Beitrag zu einem demenzfreundlichen Umfeld in der Gesellschaft schaffen“. 

Der Landespolizeidirektor überreichte gemeinsam mit Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß (Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege) die Dekrete und die Tafeln an die Dienststellen.
Landesrätin Dr. Juliane Bogner-Strauß: „Wenn die Welt nicht mehr die ist, an der alle teilnehmen können, macht sie das kleiner. Menschen mit Demenz sind darauf angewiesen, dass ihre Krankheit sie nicht von dieser Welt trennt. Das gelingt mit einfühlender Hilfe auf der einen Seite und mit einem wachsenden Bewusstsein für diese Krankheit auf der anderen Seite. Daher danke ich der Landespolizeidirektion Steiermark mit Direktor Gerald Ortner an ihrer Spitze und allen Verantwortlichen für diese Initiative. Sie machen sich damit zum echten ‚Freund und Helfer‘ einer Personengruppe, die mit Ihren besonderen Bedürfnissen allzu leicht von dieser Welt getrennt wird.“

Auch die Obfrau von „Salz“ Steirische Alzheimerhilfe Mag. Claudia Knopper freut sich über eine Zusammenarbeit mit der steirischen Polizei: „Die Grazer Außendienststellen hospitieren bei den Demenztagesbetreuungsstätten im Rahmen des Projektes ‚Vergissdeinnicht Netzwerk Demenzhilfe‘ Wir sind froh, dass die Zusammenarbeit zwischen den Polizeidienststellen und dem Projekt so gut funktioniert und dankbar, dass die Polizei uns bei der Aufgabe unterstützt, das Leben für Menschen mit Demenz und deren Angehörige zu erleichtern.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


error: (c) arf.at