Zum Welttag für Versuchstiere (24.4.): 68 Tierversuchsprojekte für Tierfabriken

Zur Effizienzsteigerung der landwirtschaftlichen Nutzung von Tieren werden nach neuesten Statistiken in Österreich momentan 7.900 Tiere verwendet.

Am 24. April wird jedes Jahr weltweit der Tiere gedacht, die in Tierversuchen benutzt werden. Während andere Länder konkrete Ausstiegspläne aus der Tierversuchsindustrie erarbeiten, haben Tierexperimentator:innen in Österreich Narrenfreiheit. Jeder Tierversuch wird genehmigt, auch wenn dafür anerkannte tierleidfreie Alternativen existieren. So gibt es momentan einen Tierversuch an 25 Schafen, bei dem Frauenärzt:innen an den Tieren vaginale Operationstechniken üben. Aber im Genehmigungsantrag selbst wird freimütig zugegeben: „Alternativ könnte ein Simulator zur Anwendung kommen“. Trotzdem das Tierversuchsgesetz Experimente verbietet, für die es tierfreie Alternativen gibt, wurde dieser Versuch einfach so genehmigt. Nur hat es keinerlei Konsequenzen, wenn ein Tierversuch rechtswidrigerweise genehmigt wird. Denn es gibt keine unabhängige Kontrolle.

Besonders problematisch sind Tierversuche zur Effizienzsteigerung der Tiernutzung in der Landwirtschaft. Dafür sind momentan 68 Tierversuchsprojekte genehmigt, bei denen 7.900 Tiere verwendet werden, darunter 4.350 Hühner, 2.360 Schweine und 565 Rinder. Dabei wird z.B. versucht, Medikamente zu entwickeln, die ins Futter gemischt werden können, um Krankheiten, die finanzielle Verluste mit sich bringen, ohne Einschaltung teurer Tierärzt:innen behandeln zu können. Weitere Versuchsziele sind die Auswirkung von Schimmelpilzen im Futter, chemische Enthornung, Effizienzsteigerung durch Futteroptimierung oder Training von Landwirt:innen, z.B. zur Besamung. Solche Tierversuche sollten eigentlich durch die gesetzlich vorgeschriebene Abwägung zwischen dem erwarteten Nutzen für Menschen und dem damit verbundenen Leid für die betroffenen Tiere ausgeschlossen sein. Niemand in der Gesellschaft möchte, dass Tierfabriken effizienter werden. Der Nutzen ist also lediglich Profit für eine kleine Minderheit auf Kosten der Tiere, des Klimas und der Umwelt, die durch Tierfabriken geschädigt werden. Das Leid für die betroffenen Tiere ist aber enorm.

Länder wie die Niederlande und die USA haben sich zum Ausstieg aus der Tierversuchsindustrie bekannt. Als ersten Schritt verbieten diese Länder regulatorische Tierversuche, die Niederlande ab 2025, die USA ab 2035. Gleichzeitig schichten diese Länder ihre öffentlichen Fördergelder um, weg von sinnlosen Tierversuchen hin zu human-relevanter Forschung, damit die Entwicklung wichtiger Medikamente und Impfstoffe zukünftig schneller, sicherer und zuverlässiger erfolgen kann.

VGT-Obmann Martin Balluch dazu: Wirklich jeder Mensch, der eine Tierfabrik erstmals von innen sieht, ist total entsetzt, dass so etwas erlaubt ist. Und dann werden noch zahllose Tierversuche genehmigt, die ausschließlich darauf abzielen, die Effizienz dieser Tierfabriken zu steigern. Bei jeder ernsthaften Kosten-Nutzen Abwägung, die die EU verpflichtend vorschreibt, müssten solche Tierversuchsanträge abgelehnt werden. Aber in Österreich hat man den vom VGT mühsam erkämpften Kriterienkatalog für die Kosten-Nutzen Abwägung, der zwar im Tierversuchsgesetz steht, derart verwässert, dass er überhaupt nicht mehr anwendbar ist. Es herrscht Narrenfreiheit bei Tierversuchen in Österreich!

Unter anderem in Villach erinnerten Aktivist:innen an die vielen Tiere, die völlig unnötig in Tierversuchen gequält werden.
Copyright: VGT.at

Petition an Bundesregierung

Petition an die JKU

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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